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der von mir und seiner Hoheit dem Herzog von Braunschweig beauftragt wurde, die Capitulation zu verlangen?"
„General, ich war nicht sicher, daß die Stadt morgen capituliren könne —
„Ah, und was war das Hinderniß?"
„Ein Wahnstnniger, ein Brigantenführer, der Com« Mandant Beaurepaire überrumpelte gestern die Stadt und konnte unsere Pläne zu nichts machen, unsere Hoffnungen zer- stören."
„Dieser Commandant ist ein tapferer Soldat und ein energischer Gegner," sagte Graf Neipperg zu Clerfayt.
„Haben Sie ihn gesehen?" fragte Clerfayt mit Inte- reffe.
„Ich habe ihn gesehen und sprechen gehört. Sie können ihn handeln sehen, denn er ist es, der Verdun so rasch in Vertheidigungszustand gesetzt hat. So lange er lebt, bin ich nicht der Meinung dieses Herrn. Verdun wird nicht capitu- Uten."
Und Neipperg warf einen verächtlichen Blick äuf den Baron.
„Was haben Sie darauf zu antworten?" fragte Clerfayt. „Sie versprechen mir das Oeffnen der Thore für morgen früh, mein Adjutant, der die Stadt gesehen und die Energie ihres Vertheidigers bestätigt, sagt, daß sie sich nicht so leicht ergeben wird. Antworten Sie!"
„Pardon, Excellenz,'" entgegnete der Baron mit seiner schmeichelnden Stimme. „Ich widerspreche dem Adjutanten nicht- Habe ich ihm doch selbst dieses Hinderniß mitgetheilt und Ihnen mein Zögern, meine Befürchtungen erwähnt. Ich sagte Ihnen ja, daß ich nicht sicher war, ob Verdun capituliren würde."
„Und jetzt halten Sie die Uebergabe für möglich?"
„Für gewiß, Excellenz!"
„Aber Beaurepaire?"
„Beaurepaire ist tobt, Excellenz."
„Todt? Woher wiffen Sie das? Wer hat Ihnen das mitgetheilt?"
Der Baron verbeugte sich und sagte mit einem noch ausgeprägteren Lächeln als gewöhnlich: „Excellenz wollen mir gestatten, die officielle Bestätigung der Nachricht abzuwarten, deren Prophet ich bin. Der Mann, der die unterzeichnete Capitulation bringt, wird Ihnen auch gleichzeitig das Ende des Commandanten Beaurepaire, von dem ich überzeugt bin, melden."
„Gut, wir werden warten," sagte Clerfayt kalt, indem er dem Baron ein Zeichen machte, daß die Unterredung zu Ende sei.
Während Lowendaal sich zurückzog, sagte Neipperg zu dem österreichischen General: „Woher kann dieses Spions- gesicht wiffen, daß Beaurepaire nicht mehr lebt? Vor zwei Stunden, als ich Verdun verließ, war er noch am Leben — sollten sie ihn dort unten ermordet haben?"
Clerfayt blickte seinen Adjutanten überrascht an.
„Lieber Neipperg, wir Soldaten führen loyalen Krieg bei Hellem Tageslichte. Aber die Kaufleute, die uns die Hände Hinhalten und die Thore ihrer Stadt öffnen, sind feiger Thaten fähig. In der Küche des Sieges gibt es sehr viele unsaubere Abfälle und Ueberreste. Die Theilnehmer des Festes dürfen sich über die Art, wie die Gerichts zubereitet wurden, nicht allzu ängstlich erkundigen, sonst würde Niemand auf den Ruhm Appetit haben und Niemand in ihn hineinbeißen wollen. Beenden wir jetzt unsere Post, denn der Morgen erscheint und wenn der Baron die Wahrheit gesprochen hat, werden wir am Tage tüchtig zu thun bekommen: die Stadt besetzen, Posten aufstellen, die Behörden absetzen und überwachen, ohne an die Revue zu denken, welche Ihre Majestäten inmitten des Jubels und der Huldigung der Einwohner abhalten werden. An die Arbeit und thun wir, als hätte Lowendaal nichts gesprochen! Fahren wir fort, diesem Beaurepaire, der mir wirklich ein
gefährlicher Gegner zu sein scheint, einige energische Boten zuzuschicken."
Und während Neipperg sich vor den kleinen Tisch des Generals setzte, um nach seinem Dictat zu schreiben, rief Clerfayt, den Vorhang seines Zeltes aufhebend, einem feiner Artillerie-Offiziere zu: „Commandant, fetzen Sie das Feuer fort, bis Sie auf den Wällen von Verdun die weiße Fahne aufzishen sehen."
XIII.
Ein verdächtiger Manu-
Als Leonards seinen Herrn verließ, begab er sich, von der Erinnerung an eine unangenehme Vergangenheit peinlich berührt, zum französisch.»! Thore.
Auf dieser Seite donnerten die Kanonen ohne Unterlaß. Leonard war kein besonderer Liebhaber dieser Kanonenmusik, aber er hatte bestimmte Befehle empfangen und mußte sie ausführen.
Dort, wo gekämpft wurde, dachte er den Gesuchten, den Commandanten Beaurepaire, zü finden. Ehe er sich jedoch dem Thore näherte, wo auf den Wällen mehrere Offiziere standen, unter denen Beaurepaire sich gewiß befinden würde, schlängelte stch Leonard durch die Gruppen der Neugierigen hindurch, welche den Wagen umgaben, vor dem ein Tisch mit Flaschen, Gläsern, einigen Brodstücken, Wurst und Würstchen standen. Das war die Cantine des 13. Infanterie-Regiments.
Hinter dem von zwei rauchenden Fackeln erleuchteten Tische widmete sich Catheriiw Lefebvre flink, lustig und grob her Verkeilung der Lebensmittel und Erfrischungen, die kaum den wiederholten Anforderungen der Kanoniere und anderen Soldaten genügte, die während des Feuers herankamen, um einen Schluck zu trinken und auf die Befreiung Verduns anzustoßen.
Von Zeit zu Zeit hielt Catherine im Einschänken oder Schneiden der Wurst inne, um einen Blick auf ihren Karren zu werfen. Dort schlief in dem unverwüstlichen Schlafe der Kindheit der kleine Henriot-
„Die Kanonen wiegen ihn ein," sagte Catherine beruhigt und machte sich wieder an ihre Arbeit, nicht ohne einige energische Worte an die Adresse der Preußen vor stch hinzubrummen.
Von Anfang der Schlacht an, als die Feinde sich schon den Thoren der Stadt näherten und Beaurepaire plötzlich auftauchte, sich zu verdoppeln schien, zu den Batterien lief, seine Tirailleure aufstellte, die Wälle des französischen Thores mit Schanzkörben und Faschinen versehen ließ, war Catherine, den Schutz ihrer Kantine verlassend, auf die Wälle geklettert, und wie eine Furie des Krieges die Säumigen antreibend, die Tapferen ermuthigend, die ersten Verwundeten fortschaffend und int gegebenen Momente selbst ein Gewehr ergreifend und auf die österreichischen Reiter abfeuernd, welche sich bis unter die Brüstung des Ausfallsthores heranwagten, hatte sie energisch dazu beigetragen, dis Panik zu steigern und den über diesen Empfang überraschten Feind aufzuhalten.
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Tauben als Rebhühner. Man rupft die ge- töbteten jungen fetten Tauben, nimmt sie au» und wäscht sie sauber. Am nächsten Tage reibt man sie mit Wachholderbeeren und Salz inwendig ein, legt jeder Taube Leber und Herz mit etwas Butter in den Leib, näht denselben zu und spickt ihn gut. Dann beträufelt man die Tauben mit Citronen- saft, bedeckt sie mit Speckscheiben und brät sie in Butter unter fleißigem Begießen, zuletzt mit etwas Rahm, gar. Man ser- virt sie mit der Sauce, der man geröstetes Mehl, etwas Wasser, Liebigs Fleischextract und Salz beigesügt, und die man alsdann durch ein Sieb getrieben hat.
Redaktion: A. Scheyda, Druck und Verlag der Brühl'schen UniversMs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße».


