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Aber o Gott, wie sah diese Frau aus, wie hatte sie in kurzer Zeit gealtert, in welcher Heyd sie nicht gesehen. Mit bleichen Wangen und tiefliegenden Augen wankte fie wie ge­brochen an Leib und Seele dahin. Dieser Anblick that dem Baumeister unendlich weh; er kannte die Ursache ihres Leibes S /hm gegenüber auch eine gewisse Zurückhaltung stets beobachtete, die er wohl zu deuten verstand, so hätte er hr diesen Kummer gern erspart gesehen, der sie vielleicht mehr schmerzte, als alle Leiden zusammen, die sie in ihrem Leben erfahren.

Ehrerbietigst begrüßte sie Heyd und erkundigte sich theil. nehmend nach ihrem Befinden. v

Ich danke Ihnen, Herr Baumeister, für die gütige Nachfrage, doch mit meinem Befinden steht es leider nicht be- sonders. Den Verlust meines Geldes kann ich nicht über­winden, und so fühle ich es, es wird mein Ende fein/ sagte dis alte Dame kopfnickend und mit trauriger Miene.

»Sie so leiden zu sehen, gnädige Frau, bedaure ich au- tiefstem Innern, doch hoffe ich und wünsche von Herzen, Sie bald wieder wohler zu wissen. An jenem Sonntage, als Sie Alle zur Verlobung auf Wildenau waren, hat mich Curt von Walten beauftragt, Ihnen, gnädige Frau, Ihr Geld mit Zins und Zinseszins wiederzugeben."

,"H«r Baumeister!" rief sie erregt und ihre zitternden Hände ergriffen seine Rechte.Herr, habe ich recht gehört! Darf ich meinen Ohren trauen, daß ich mein schönes, schönes Geld Wiedersehen soll? O, sprechen sprechen Sie, sagen Sie es noch einmal, Herr Baumeister!" rief sie aufs Höchste erregt und wie ein Fieber ging es durch ihren Körper.

Aus meinen Händen werden Sie es empfangen ebe noch ein Monat um ist; doch jetzt bitte ich Sie inständig, gnädige Frau, jebe Aufregung zu vermeiden!"

Ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust, ein Seufzer, der eine schwere, schwere Bürde von ihrem Herzen nahm

Nie soll es mehr aus meinen Händen kommen, Taa und Nacht will ich darüber wachen, um nicht noch einmal in erleben, was ich in dieser Zeit empfunden."

Ist der Herr Oberförster oben?" fragte Heyd, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.

Im großen Zimmer ist er, Herr Baumeister. Wir er­warten Sie schon längst. Drüben am Bache sitzt meine Nicht?

N»»« Hit »Otimiltan

Gedankenvoll sah der Baumeister vom stillen Wasserspiegel hinauf zum hohen Himmelsdome.

Feierlich ernst und zufrieden gestimmt, dachte er jetzt an seine Eltern, die er nicht gekannt und die ihm dennoch so nahe schienen, als wären sie seine steten Begleiter.

Aber auch Du, meine Hertha," sagte Heyd,auch Du vtst meinem Herzen heute besonders nahe und dennoch bist Du so weit entfernt, wie der blaue Himmel von seinem Wider- im laubbekränzten See. O, Hertha, mehr denn jemals sehe ich Dich heute in Deiner Vollendung. Du sprichst nicht zu mir von der Vergangenheit, auch nicht von der Gegenwart und Zukunft, nur still - still und heilig gehst Du durch mein Herz; und dennoch ist es mir, als hättest Du mir heute mehr denn je zu sagen."

Geräusch erschreckte Heyd. Es war der gleichmäßige Flügelschlag einer Schaar wilder Enten, die dicht an ihm vorüberzogen, die bald im Fluge einen Halbkreis be- schrieben und sich am jenseitigen Ufer im hohen Schilf nieder» ließen.

Jetzt stand der Baumeister auf und ging nach dem Kahne. Von der Stelle, wo er denselben vor einer Stunde abgestoßen, sah er Jemand in den Wald zurückzehen.

Wenn mich nicht Alles trügt, so war das der Herr Secretär Herrmann, der wohl herüber wollte, und jene Fisch, teufen und Krebsnetze mögen wohl sein Privatvergnügen sein."

Der Gottesdienst war längst vorüber, aber still und ein- «am war es auf dem schmalen Grenzwege auf der Höhe, der an der hohen Tanne vorüberführte. Nur ein kleines Mädchen 'wtitt quer herüber und kletterte den Berg hinab, um schneller ms Dorf zu kommen; um ihren Kopf hatte sie ein buntes -cuch und in der Hand trug fie einen Steinkrug sie hatte wohl Beeren oder Pilze gesucht.

. . Durch den Tannengang trat der Baumeister bald darauf m den Garten, wo ihm Frau Doctor Weiler mit einem Körb» chen in der Hand entgegenkam.