Liebe einer Schwester?

(Fortsetzung folgt.)

Sie

den jungen, ritterlichen Onkel, der oft noch als Primaner ' Lowendaal passiven zu lasten.

nun ent«

Ahnte sie, was in ihm vorging, als er wieder und wieder den ihm willig dargereichten Mund küßte? Sie liebte

war, fo hatten wir in dieser Rückficht in obiger Weise ver­fügt, nur mit dem Unterschiede, daß man mich Emmy, das Kind aber Dora rief.

Sie galt als mein unumschränktes Eigenthum, und ich, obgleich an Jahren selbst fast noch ein Kind, war stets darauf bedacht, mir die Würde und das Ansehen einer Mutter zu verleihen, ganz abgesehen von der grenzenlosen Liebe, welche ich sür dieses Mädchen empfand. Dora war der Liebling unseres ganzen Hauses, selbst mein Bruder, der das Gymnasium einer großen Stadt besuchte und nur die Ferien im Vaterhause verlebte, empfand eine große Zuneigung für die Kleine. Meine Würde als Mutter hielt auch er heilig.

* *

wachung unmöglich. Ich zähle auf Sie, Leonard. Wenn Sie mich verrathen ober Angst bekommen, fo gilt mein erster Besuch, wenn ich morgen nach Verdun zurückkomme, dem Prästdenten und der zweite dem Beamten, der die Galeeren­sträflinge zu seffelu hat, bis der nächste Trupp nach Toulon abgeht. Adieu, Leonard, bester gesagt, morgen aus Wieder« sehen I"

Und Lowendaal entfernte stch ruhigen Schrittes gegen das Neue Thor, während Leonard bestürzt über den Auftrag stch fragte:Wie kann man, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, in's Schloß der Frau von Blecourt eindringen? Wie kann man mitten in der Nacht ohne Escorte, waffenlos zu dem Commandanten Beaurepaire hineinkommen?"

XII.

Das Lager der Emigranten.

Als Lowendaal Leonard verließ, murmelte er mit zw friedener Miene vor sich hin:Der Narr wird thun, was ich ihm gesagt habe. Er zittert zwar ein wenig, aber die Furcht vor der Galeere ist bei ihm größer als die Furcht vor dem großen Säbel dieses Beaurepaire. Wenn ein Mensch vor die Alternative gestellt wird, auf die Galeere zu kommen oder das Leben zu riskieren, bloß wenn er ge­fangen wird, fo wird jeder Intelligente und Leonard ff kein Dummkopf das Letztere wählen. Er wird es ein wenig ungern und mit zitternden Knieen thun, aber er wird es thun. Machen es die Soldaten nicht ebenso? Wenn man sie vor den Schlund einer Kanone schickt, so treibt sie i nicht immer die Liebe zum Ruhm hin, sondern auch die Furcht vor dem Füstliertwerden, wenn sie zurückweichen - ein Beweis dafür, daß man nur in Masten flieht, denn die Strafe, indem sie sich über die Häupter aller ergießt, kann nicht den Einzelnen treffen. Leonard ist allein, er wird also nicht zurückweichen und ich werde, wie der gute Talthybiot, der wachfame Herold de; Palastes der Atriden, vom Lager der Emigranten aus bald das erwartete Signal bemerken," fügte der Baron lächelnd hinzu, der, obschon in keiner Hin­sicht vornehm denkend, es dennoch liebte, seine literarische Bildung und seine gelehrten Kenntnifle der alten Schrift« steller zu zeigen. , u

Er schritt langsam durch die verlaffenen Theile der Stadt, auf die fernen Detonationen horchend und mit gleis giltigem Blick der leuchtenden Spur der Granaten folgen», die wie rasche Meteore stch auf dem schwarzen Hintergrund! des Himmels kreuzten. ,

Auf btefer Seite der Stadt wurde nicht gekämpft. Einige Posten bewachten die Wälle, und ihre Rufe:Achtung, Schildwachei" störten nur die Umgegend des Neuen Thore», dem der Baron zufchritt.

Er fand an diesem Thors Nationalgarden vor, denen, wie es bei seiner Entfernung aus dem Stadthaufe abgemaan worden, der Befehl ertheilt worden war, den Baron von

mit ihr Ball und Haschen gespielt hatte, mit der reinen Liebe eines ahnungslosen Kinderherzens, aber war dies nicht die

Jahre vergingen. Veränderungen, traurige und freudige, hatten ste gebracht.

Zuerst, als mein Kind kaum zehn Jahre zählte, war mein Vater gestorben. Mein Bruder hatte fein Studium beendet und sich in einer Residenzstadt als Arzt niederge- laffen. So lebten wir denn, meine alte Erzieherin, mein Kind und ich nur mit der nöthigen Dienerschaft versehen, acht Jahre nach des Vaters Ableben ebenso abgeschieden, wie all die Jahre bisher.

Nie dachte ich daran, mich zu vermählen. Mein Kind und ich, so träumte ich, sollten bei einander bleiben, bis uns der Tod einst trennen würde.

Es sollte anders kommen.

Ich wurde plötzlich von einem heftigen Nervenfieber er­griffen, welches mich wochenlang an das Bett festelte. Mein Bruder, der sofort an mein Lager geeilt war, hatte mich nicht verlassen, bis ich außer Gefahr war. Er begleitete uns, da er eine Luftveränderung für nothwendig hielt, nach einem der entzückenden Badeorte Thüringens, wo er ein kleines Landhaus für uns gemietet hatte. Wir benutzten die fchönen Tage zu Ausflügen in die nächste Umgebung des kleinen Badeortes. Mancher verwundernde Blick folgte uns, wenn Dora in ihrer lebhaften Weife ausrief:O Mütterchen, sieh diese reizende Fernsicht, oderMammi, wie himmlisch schön ist der Wasserfall!"

Es war mir oft selbst sonderbar, dieses große Mädchen, das meine Figur überragte, nannte mich Mutter und ich das­selbe mein Kind!

Wie schnell waren doch die Jahre dahingeschwunden, die das kleine Wesen zur blühenden Jungfrau herangebildet hatten- Sie mochte nunmehr nach unserer Rechnung achtzehn Jahre zählen und war groß und schlank. Ihr Antlitz, welches von dichten, lichtblonden Flechten umgeben war, war von bezauberndem Liebreiz, und aus den großen, blauen Kinder­augen strahlte Unschuld und eine große Fülle von Herzens­güte. Niemand, außer Dora selbst, glaubte daran, daß sie meine leibliche Tochter hätte sein können. Sie kannte nur eine Mutter, und daß diese den natürlichen Gesetzen nach ihre leibliche Mutter sein konnte, darüber nachzudenken, hatte ihr kindlicher Sinn noch nie Veranlassung gesunden, gleichwie sie nie gefragt hatte, ob der tobte Vater, an ben sie mit kindlicher Verehrung glaubte, mein Gatte gewesen.

Nachdem mein Bruder abgereift war, lebten wir wieder, auch hier in unferm zeitweiligen Heim, fo abgeschieden wie bisher.

Hüte mir Dein Kind," hatte er beim Abschiede zu mir gesagt,gib es, wenn es nicht unbedingt nothwendig ist, nicht den dreisten Blicken der Welt preis, damit nicht ein leichtfertiger Schmetterling den Thau meiner holden Knospe trinke."

Die Worte sollten scherzhaft klingen, aber fein Gesicht war ernst und bewegt, und wie Schuppen fiel es mir ur­plötzlich von den Augen. Ich erkannte, was ich längst hätte erkennen müssen, daß mein Bruder Dora liebte.

gegennehmen."

Ich werde mich bemühen, Herr Baron, aber was verlangen, ist nicht leicht und ich habe Angst, daß die Post« chaife mich vergeblich beim Neuen Thor erwarten wird."

Dummkopf! In einer Stadt, die von allen Seiten bombardiert wird und wo es überall brennt, ist eine lieber»

Madame Sans Gsne.

Roman »ach Stetorten Sardou und F. Morre«».

Deutsch von Adele Berger.

(Fortsetzung.)

Leonard fuhr zusammen.

Ich werde Acht geben, Herr Baron."

Schön, Sie haben also verstanden. Gehen Sie und im Lager der Emigranten will ich Ihre Nachrichten