267
mit Be.
Be- Ton eine
seligen Angelegenheit zu thun hat, aus dem Hause zu treiben," versetzte die Haushälterin mürrisch. „Es ist mehr, als ich ertragen kann, zu sehen, wie ein so liebes Geschöpf, wie meine junge Herrin, der Thorheit eines Manne« und der Eitelkeit eines Mädchens wegen unglücklich wird. Nun gehen Sie aber fort von hier ... und wenn Sie mir sagen, was Sie wünschen, helfe ich Ihnen, wenn ich es für recht halte."
(Fortsetzung folgt.)
„Glauben Sie, das Porträt einer so schönen Frau würde derart vernachlässigt werden, wenn ihm nicht Tod oder Un- ehre anhaftete?" entgegnete die Haushälterin scharf.
„Welches von beiden ist der Fall?" fragte Cora voll Jn- tereffe. „Es ist so schön!"
,,Meinen Sie, Schönheit sei Alles?" sagte Frau Aston schnell. „Sie sind hübsch, Miß Netta ist schön und meine eigene, liebe junge Herrin ist nicht so hübsch wie Sie Beide, aber sie wird glücklich und geehrt sein, wenn Sie vergessen und unglücklich sind oder wohl auch Reue über Ihre Handlungsweise empfinden."
Cora schauerte unwillkürlich zusammen, als die alte Frau diese bitteren Worte in einem so scharfen, zornigen Tone sprach, als ob sie das Schicksal beeinflussen könnte.
»Warum trauen Sie mir so viel Schlechtes zu?" sagte das Mädchen etwas gereizt, als ihre schon vorher erschütterten Nerven sich von dem ersten Schrecken erholt hatten. „Wissentlich füge ich weder Ihnen noch einem Andern ein Leid zu." . hat das Original dieses Bildes vielleicht auch ge- dacht oder gesagt," war der alten Dame kühle Antwort, als sie nun ihrerseits das Bild umkehrte. „Und doch verursachte sie Sünde und Blutvergießen und einen unnatürlichen Streit, und sie st daran gewöhnt, daß ihr Bild aus den Hallen verbannt wird, in welche sie Kummer und Elend gebracht hat."
„Wer war sie? Was that sie hier?" fragte Cora rasch. ., . »Was kann Sie das interesstren? Was kümmert Sie diese Frau? Und Sie haben auch nichts in diesem übelberüchtigten Zimmer zu suchen," entgegnete Frau Aston um geduldig.
Doch während sie so sprach, wanderten ihre Augen mit bestürzter, halb entrüsteter Miene von dem Bilde zu Cora. m . ."3^ will hier nichts als meine Pflicht thun und die Befehle Ihrer Herrin ausführen," antwortete Cora stolz. „Und wenn Sie nicht noch mehr Schrecken und Elend wünschen, w lassen Sie mich meinen Vorsatz ausführen ... und stehen Sie mir darin bei."
„Ich werde helfen, Sie und Alles, was mit der unglück
dem so war, warum wär dem Porträt eines so schönen, edlen Geschöpfes ein so unwürdiger Platz angewiesen worden?
Cora fühlte sich wie gefesselt von diesen großen Augen, während in dem Lächeln ein koketter Muthwille lag, der von grausamem Triumph über Herzen sprach, die sich von den sirenenhaften Reizen hatten fangen lassen.
Vielleicht konnte Cora das nicht begreifen, aber sie wußte, daß sie das Bild hätte Stunden lang betrachten und einen ganzen Roman aus dem Ausdruck des Gesichtes weben können.
Aber ein leises Geräusch von Fußtritten in ihrer Nähe weckte sie aus ihren Gedanken. Rasch stellte sie das Bild wieder an seinen Platz und schritt der halboffenen Thür zu, die aber zu ihrem Schrecken in demselben Augenblicke von einem Schatten verdunkelt wurde, der ihr den Ausweg vertrat.
„Was thun Sie hier, Miß?" fragte Frau Aston rauher Stimme. „Hier ist kein Ort, wo Fremde nach lieben Herumstreifen dürfen."
„Ich bin auf Lady Marians Wunsch hier, um ihre fehle auszuführen," lautete die feste Antwort, in bereut trotz der etwas zweifelhaften Stellung der Sprecherin gewisse Würde lag.
„Hat Lady Marian Sie hierher geschickt?" fragte die Haushälterin ungläubig.
„Nein, nicht in dieses Zimmer. Ich öffnete es aus Versehen und wollte es soeben wieder verlassen. Es thut mir leid, wenn mein Jrrthum irgend welche Unannehmlichkeit ver- ursacht," entgegnete das Mädchen, indem sie sich halb spöttisch in dem ungewöhnlichen Zimmer umsah.
„Das Zimmer ist, wie Sie sehen, verlassen und unbenutzt — außer von den Tobten," sagte Frau Aston.
Langsam, aber festen Schrittes trat sie näher, doch nicht ohne vorher vorsichtig die Thür zu schließen, als ob sie das Eintreten irgend eines Dritten verhindern wollte.
„Ist sie tobt?" fragte Cora und wandte sich dem Bilde wieder zu.
Madame Sans Göne.
Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau.
Deutsch von Adele Berger.
(Fortsetzung.)
„Lefebvre ist in der Section, wo abgestimmt wird," dachte Catherine, während sie sich auf den Weg machte. „Ehe die neuen Offiziere gewählt sind, wird er nicht zurückkommen, und das dauert zwei gute Stunden. In der Section der Filles-Saint-Thomas brauchen sie immer lange Zeit — es sind lauter gute Redner, außer meinem Lefebvre I Ich habe also Zeit, einen Sprung zum Kapitän Bonaparte zu machen.
Sie mußte bei dem Gedanken an ihren Kunden, den blassen und magern Artillerieoffizier, lächeln: „Er hat ohnehin nicht viel Wäsche," sagte sie bei sich. „Das Hemd wird ihm fehlen." Und mit einem Seufzer fügte sie hinzu: „Da ich die Bürgerin Lefebvre werde, will ich dem Kapitän Bonaparte nichts schuldig bleiben — lieber soll er mir schuldig sein! Auf jeden Fall nehme ich seine Rechnung mit. Fragt er danach, so gebe ich sie ihm — wenn nicht, nun dann eben nicht! Ich würde es nie wagen, ihn nm Zahlung anzugehen — der arme Junge! Da« ist ein fleißiger Arbeiter I Ein Gelehrter, immer beim Lesen oder Schreiben. Was für eine traurige Jugend! Als ob nicht alles seine Zeit hätte."
Sie schnitt eine halb traurige, halb ärgerliche Grimasse, indem sie die Hand in die Tasche steckte und die Wäscheberechnung des Kapitän Bonaparte befühlte. Sie begab sich in das von Haugeard geleitete Hotel de Metz, wo damals der bescheidene Artillerieoffizier wohnte. Er bewohnte ein kleines Zimmer im dritten Stockwerk, das die Nummer 14 trug.
Die Jugend dieses grandiosen und verhängnißvollen Mannes, der das Jahrhundert mit seinem Namen erfüllen sollte, und dessen Ruhm, von einer blutigen Aureole umgeben, noch heute unseren Horizont röthet, war ohne besondere Bewegungen, ohne überraschende Enthüllungen. Erst später wollte man darin prophetische Besonderheiten entdecken, die sein Genie enthüllten und seine wunderbare Laufbahn weissagten.
„, Äinb, als junger Mann täuschte Napoleon alle Welt. Nichts konnte sein Glück ankündigen, Niemand glaubte an seinen Werth.
Seine ersten Jahre waren die eines armen, schüchternen, arbeitsamen, stolzen und ein wenig finsteren Studenten- Er litt grausam unter dem Weh des Elends. Seine Armuth isolierte ihn, und das lebhafte Gefühl, das er stets für die Familie, den Stamm empfand, ließ ihm die prekäre Lage, in der sich die ©einigen befanden, sehr peinlich erscheinen.
Sein Vater, Charles Bonaparte, besser gesagt: de Bonaparte, aus einer alten, edlen Familie von Toskana, die sich seit zwei Jahrhunderten in Ajaccio niedergelassen hatte, übte den Advokatenberuf aus. Alle seine Ahnen waren Rechtsanwälte gewesen. Charles Bonaparte erwies sich als einer der glühendsten Anhänger Paolis, des corsischen Patrioten. Als Paoli die Insel verlassen hatte, unterwarf er sich der französischen Behörde.
Obwohl Mitglied des Verwaltungsrathe« von Corsica und sehr bekannt, lebte Charles Bonaparte in sehr beschränkten Verhältnissen. Er besaß kein anderes Vermögen als einen


