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Reitpferde benutzt wurden Obwohl sich aber aus alledem mit Sicherheit schließen ließ, daß er seine ursprünglichen Pläne aufgegeben habe und daß es seine Absicht sei, dauernd in Dokohama zu bleiben, hatte doch Niemand etwas von einer kaufmännischen oder irgend einer anderen Berufsthätigkeit des neuen Einwanderers wahrgenommen. Man erzählte vielmehr, daß er das Leben eines Grandseigneur« sühre und sich einzig mit dem Zureiten feiner Pferde oder mit Ausflügen beschäftige, die zumeist in Gesellschaft des Eonsuls und seiner Damen unternommen wurden.
„Vielleicht wartet er nur den Zeitpunkt ab, wo er auf dem Wege verwandtschaftlicher Verbindung der geschäftliche Compagnon des Herrn Elmsley werden wird," hörte Georg gelegentlich eines der Clubmitglieder sagen, und diese Worte gaben ihm einen so schmerzlichen Stich in'» Herz, daß er sogleich aufstand, um den fröhlichen Kreis zu verlassen und einen langen, einsamen Spaziergang am Strande zu unternehmen.
Ein einziges Mal nur hatte er Maud Donaldson wiedergesehen, als sie mit ihrer Mutter in einer von drei Läufern gezogenen zweisitzigen Kuruma an ihm vorüberfuhr. Es war mitten im Gewühl der Mainstreet, der einzigen großen Geschäftsstraße von Yokohama gewesen, und er hatte sich auf dem engen Bürgersteig gerade in einem so dichten Gedränge eilfertig durcheinander hastender Japaner befunden, daß die Damen ihn und seinen ehrerbietigen Gruß überhaupt nicht wahrgenommen hatten. Ihm aber war es nicht entgangen, daß Maud viel bleicher und ernsthafter ausgesehen hatte, als während jener unvergleichlichen, glückseligen Tage an Bord der „Affyria". Ein träumerischer, fast schwermüthiger Zug, den er damals nie bemerkt, war auf ihrem reizenden Gesichtchen gewesen und unablässig hatte er sich seitdem mit der grübelnden Frage gequält, wodurch fie wohl verhindert werden könnte, sich in der neuen Heimath glücklich zu fühlen.
Eine Zeit lang hatte er sich ganz ernsthaft mit der ver- meflenen Absicht getragen, den Damen unter Berufung auf ihre Reisebekanntschaft ebenfalls seine Aufwartung zu machen. Aber er war mit den Gesetzen englischer Etiquette zu wenig vertraut, um einen solchen Schritt ohne vorherige Besprechung mit einem Kenner der herrschenden Gepflogenheiten zu wagen. Und mit einiger Beklemmung hatte er deshalb eines Morgens scheinbar ganz beiläufig eine dahingehende Frage an Abraham Norton gerichtet. Der Amerikaner war ein paar Secunden lang in nachdenklichem Schweigen verharrt, um dann durch sein Kopfschütteln alle die kühnen, himmelanstrebenden Luftschlösser zu zerstören, die in Georgs Fantaste auf der schwanken Grundlage dieses geplanten Besuches bereits entstanden waren.
„Wenn Sie dazu von Niemandem aufgefordert worden find, würden Sie sich durch solche Visite eine» groben Verstoßes gegen die gute Sitte schuldig machen," lautete die vernichtende Auskunft. „Und ich zweifle sehr, daß man Sie im Hause des Herrn Elmsley überhaupt annehmen würde."
Damit war der verwegene Gedanke für Georg endgiltig abgethan, denn wie geringe Fortschritte auch sein Verhältnis zu Abraham Norton gemacht haben mochte, sein Vertrauen in die Einsicht, Rechtschaffenheit und Ehrenhaftigkeit dieses merkwürdigen Mannes war doch in der kurzen Zeit ihres Zusammenlebens bereits zu einen, völlig unerschütterlichen geworden. Seine Schweigsamkeit hatte nichts Mürrisches, seine Zurückhaltung nichts Verletzende» mehr für Georgs Empfinden; und wenn er stch auch durchaus nicht vorzustellen vermochte, daß in seinen Beziehungen zu dem wortkargen Hausgenossen jemals ein wärmeres, echt freundschaftliches Gefühl zum Durchbruch gelangen könnte, so kostete es ihn doch keine Ueber- Windung mehr, mit achtungsvoller Rücksichtnahme auf feine kleinen Sonderbarkeiten einzugehen und dadurch ihren Verkehr zu einem durchaus harmonischen zu machen.
Es war am Morgen eines jener sogenannten Bankfeiertage, die von englischen Kaufleuten auch im Auslande respec- tirt werden, al« Abraham Norton beim Frühstück sagte: „Ich habe gehört, daß Sie wiederholt nach Yeddo gefahren find — aber waren Sie auch schon in Asakusa?"
Georg verneinte, denn er hatte den Namen des Ortes bisher nicht gehört.
„So möchte ich Ihnen einen gemeinsamen Ausflug dahin vorschlagen, vorausgesetzt natürlich, daß Sie nicht bereits andere Verabredungen getroffen haben."
Wie groß auch die Ueberrafchung be« jungen Mannes bei diesem Anerbieten war, zögerte er doch nicht einen Augenblick, es anzunehmen, und eine halbe Stunde später befanden sie sich bereits auf dem Perron des schmucken Stationsgebäudes, das den Anfangspunkt der im Jahre 1872 erbauten Eisenbahn zwischen Yokohama und der Hauptstadt Tokio oder Yeddo bildet.
Georg war noch Neuling genug, um sich an dem bunten Gewimmel auf dem Bahnhose und an dem wenig anmuthigen Geklapper von einigen hundert japanischer Holzfchuhe zu ergötzen; aber al« sie dann endlich in einem der behaglich eingerichteten Waggon« saßen, konnte er stch nicht enthalten, zu fragen, welche Bewandtntß e« mit dem von Norton genannten Orte habe.
„Asakusa," erklärte der Amerikaner in seiner etwas pedantischen Weise, „ist eine« von den zahllosen Dörfern, au» denen im Lauf der Jahrzehnte da« heutige Tokio entstanden ist. Ich möchte e« Ihnen zeigen, weil ich annehme, daß es Sie tnteressirt, einen buddhistischen Tempel kennen zu lernen und weil der Tempel von Asakusa einer der sehenswürdigsten ist. Er ist der tausendarmigen Kwannon, der Göttin der Barmherzigkeit, geweiht und bildet einen beständigen Wall- fahrtsort namentlich für die unteren Klassen. Man kann das japanische Volksleben kaum irgendwo besser kennen lernen, als gerade dort."
„So haben Sie mir einen wirklichen Dienst erwiesen, indem Sie mir diesen Feiertag zum Opfer brachten," versicherte Georg aufrichtig. „Es gibt für mich gar nichts Ergötzlichere», als dies harmlos gutmüthige Völkchen in feinem intimen Treiben zu belauschen."
Der Amerikaner schüttelte den Kopf.
„Die Gutmüthigkeit lasse ich gelten; was aber die angebliche Harmlosigkeit der Japaner betrifft, so möchte ich Ihnen doch rathen, fie nicht allzu oft auf die Probe zu stellen. Diese kleinen Kerle, deren Übergroße Höflichkeit beinahe etwa» Lächerliches hat, find oft heißblütiger, als man glauben sollte. Und fie entwickeln, wenn ihr Zorn einmal gereizt ist, eine ganz verteufelte Couräge. Ich habe Scenen erlebt, die mir aufrichtigen Respect vor ihrer Tapferkeit eingeflößt haben."
Auf der Station Shibachi, dem Haltepunkt für Tokio, verließen die beiden Herren den Zug, um für die Dauer der nächsten Stunde getrennt zu werden; denn Jeder von ihnen mußte sich für den ziemlich weiten Weg nach Asakusa einem der Jinritrischa anvertrauen, die mit ihren zierlichen Gefährten vor dem Bahnhofe in hellen Haufen auf Beute lauerten. Ans der Umgebung der hohen, nüchternen Ziegelhäuser amerikanischen Anstrich», welche dem neuesten Stadttheil von Tokio ein zwar großstädtische», aber keineswegs anmuthiges Gepräge verleihen, gelangten sie dank der flinken Beine ihrer unverwüstlichen Kurumaläufer bald in jene interessanteren Viertel der weitläufigen Residenz, die sich noch immer ihren eigen- thümlichen nationalen Charaeter bewahrt haben. Auch die europäische Kleidung, die sich auf den verkümmerten Gestalten der Japaner und namentlich der Japanerinnen so wenig vor- theilhaft ausnimmt, wurde hier nur noch ganz vereinzelt sichtbar. Der Kimono, das bis auf die Füße herabfallends Oberkleid aus Baumwollen- oder Seidenstoff mit den weiten, dütenförmigen Aermeln und dem unvermeidlichen Gürtel, dem Obi, der bei den Frauen oft zu gewaltiger Länge und Breite anwächst, war hier glücklicherweise noch die herrschende Mode für beide Geschlechter geblieben. Und dieselben weiblichen Wesen, die wie wandelnde Carricaturen erschienen, wenn sie ihre schmächtigen Körper in ein französische» Schnürleibchen und eine Robe nach Pariser Schnitt einzupreffen versuchten, waren in dieser luftigen, faltigen Gewandung häufig von einer ganz eigenen Zierlichkeit und Anmuth.
Mancher freundliche Blick au» hübschen dunklen Augen


