1895
BMI
Er
Untrchaituiigsbiatt zum Meßmer Anzeiger (General-Anzeigers
W
Auf japanischer Erde.
Novelle von SB. H. Geinborg.
(Fortsetzung.) III.
Nun befand sich Georg Stralendorf schon seit mehreren Wochen in Yokohama und er war zu dem Schluß gekommen, daß es sich unter dem Himmel Japans in der That ganz er* träglich leben lasse.
Er durfte mit seiner Stellung vollauf zufrieden sein, denn sie ließ seinen Fähigkeiten den weitesten Spielraum und gewährte ihm zugleich eine Selbstständigkeit, die ebensowohl eine schmeichelhafte Auszeichnung als ein sehr wirksamer Sporn für ihn war, sich des geschenkten Vertrauens würdig zu er* weisen.
Allerdings hatten ihn seine früheren englischen Prinzipale den Herren Conington und Blomfield auf das Eindringlichste empfohlen und allerlei glückliche Zufälle hatten ihm schon in den ersten Tagen Gelegenheit gegeben, seine Umstcht und Tüchtigkeit zu erweisen. Immerhin aber war es ein für seine Jugend ungewöhnlich verantwortungsvoller, überaus schwieriger Posten, auf den man ihn da gestellt hatte und es schien nur natürlich, daß ihn seine Chefs ebenso wie die übrigen Be* diensteten des Hauses mit mehr Achtung und Zuvorkommenheit behandelten, als sie ein einfacher Clerk unter gewöhnlichen Verhältnissen zu beanspruchen pflegt.
Nicht geringere Befriedigung gewährte ihm der Umgangskreis, in den er sich auf dem fremden Boden versetzt sah. Mit den Angehörigen der deutschen Colonie in Yokohama zwar war er bis jetzt nur wenig in Berührung gekommen, wie lebhaft es ihn auch anfänglich zu seinen Landsleuten hingezogen hatte. Durch seine Stellung in einem englischen Handelshause war er vielmehr auf die natürlichste Weise jenen Cirkeln zugeführt worden, deren Angehörige durchweg zu den Unterthanen Ihrer britischen Majestät gehörten- Und er hatte keine Veranlassung, es zu bedauern, denn die Herren, mit denen er regelmäßig zur Dinerstunde im Club zusammen« traf, waren angenehme, liebenswürdige Männer von guter Erziehung und tadellosen Umgangsformen. Keiner von ihnen
ließ es den Neuling empfinden, daß er hinsichtlich des Ranges, den er auf der gesellschaftlichen Stufenleiter einnahm, eigentlich nicht ganz ihresgleichen war und zu einigen von ihnen stand Georg bereits in einem nahezu freundschaftlichen Ver» hältniß.
Nur der Umstand, daß auch Thomas Ellis zuweilen im Clubhause erschien, beeinträchtigte ein wenig das Behagen, welches er an diesen heiteren Plauderstunden nach vollbrachtem Tagewerk fand. Denn sein ehemaliger Reisegefährte von der „Affyria" gab ihm keinen Anlaß, die ungünstige Meinung zu ändern, die er seit dem ersten Augenblick ihrer Bekanntschaft von ihm gehegt. Wenn er sich schon den anderen Clubmitgliedern gegenüber nicht bemühte, den liebenswürdigen Gesell- schafter zu spielen, so nahm er vollends bei jeder neuen Berührung mit dem Clerk der Firma Conington und Blomfield eine geradezu beleidigend hochmüthige Miene an. Er gefiel sich darin, den jungen Mann ganz wie leere Luft zu behandeln und wenn sich einmal den Umständen nach die hergebrachten Höflichkeitsformen durchaus nicht vermeiden ließen, so genügte er ihnen in einer Weise, deren kränkende Absicht völlig unverkennbar war, wenn sie Georg auch keinen greifbaren Anlaß bot, diesen Mann, der im Herzen unzweifelhaft sein Feind war, gerade heraus zur Rede zu stellen.
Seinen Besuch im Hause des Consuls mußte Ellis wohl sehr bald nach der Ankunft gemacht haben, denn gelegentliche Aeußerungen seiner neuen Bekannten ließen Georg nicht da» rüber im Ungewissen, daß er bereits unter die vertrauten Freunde des Herrn Elmsley und seiner Damen gezählt werde. Zwar vermied er es geflissentlich, sich in die Gespräche zu mischen, die zuweilen in seiner Umgebung über diesen Gegenstand geführt wurden, aber er hörte doch mitunter halb wider seinen Willen genug davon, um in bet? Stille seines Herzens recht bittere und schmerzliche Regungen zu fühlen-
Nach der Art seines Auftretens und nach seiner ganzen Lebensweise hielt man Thomas Ellis für einen sehr reichen Mann- Er hatte ein reizend gelegenes Haus am äußersten Ende der europäischen Anstedelung bezogen und es hieß, daß er mit dem Besitzer wegen des Ankaufs in Unterhandlung stehe- Er hielt sich eine, selbst für japanische Begriffe überflüssig zahlreiche Dienerschaft und einen kleinen Marstall jener flinken, ausdauernden Ponnie», die hier ausschließlich al«


