Ausgabe 
7.9.1895
 
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Hm," sagte ihr Vater gedankenvoll,doch da fällt mir 8 noch," betheuerte Curt hoch und heilig und küßte ihre welke

soeben ein, daß Curt an Dich geschrieben, er theilt Dir mit, I Hand.Helfen Sie mir doch aus dieser fatalen Klemme,

daß er am Sonntage unser Gast sein wird. Die Karte liegt I muß auf Ehrenwort morgen das Geld zahlen," und er griff

noch in der Kanzlei, ich vergaß, sie herunterzubringen." I hastig in seine Brusttasche und reichte ihr einen Schuldschein

A über 22,000 Mark.Zweiundzwanzigtausend Mark," sagte

Fünftes Capitel. Curt mit besonderer Betonung.

Am folgenden Sonntag traf Curt von Walten zur be- INein, mein Herr von Walten, es geht wirklich nicht, stimmten Stunde auf Lindenheim ein. j es ist mein letztes Geld."

Curt wurde wie immer auf das freundlichste empfangen I Aber Curt wich so leicht nicht von der Fahne; er führte und schien auch wieder bei bestem Humor zu sein. Sorgen I seine ganze Liebenswürdigkeit und seine ganze Beredtsamkeit und Kummer hatte er nie kennen gelernt und die großen und I in'» Feuer, bis er endlich nach vielen Mühen doch sein Ziel kleinen Hinderniffe des täglichen Lebens nahm er mit Leichtig- I erreichte und ihren letzten Depotschein über 20,000 Mark auf kett. Er erzählte vom vorigen Herrenabend im Clubhause I die Danziger Sparbank erhielt. Schnell schob Curt den und von den Champagnerströmen, die von Hartung an seinem I Schein in seine Brusttasche und Beide kehrten jetzt um. Geburtstage fließen ließ. I Frau Doctor war ernst und schweigend, Curt dagegen

Der Oberförster und Tante Doetor dagegen berichteten I heiter wie immer; er drehte die Reitgerte um den rechten von dem Unglück des Baumeisters Heyd und den Tagen der I Zeigefinger und pfiff halblaut ein lustiges Lied.

letzten Woche. IWie Sie nur so vergnügt sein können in dieser Ver-

Ah, war ja schlechte Einquartierung für Lindenheim," | faffung, Herr von Walten, das ist mir unerklärlich," sagte sagte Curt,aber Heyd Heyd? Wo bringe ich den nur I Frau Doctor nicht ohne Sarkasmus.

hin? Ah, richtig, hatte ja kürzlich die Ehre auf dem IIn dieser Verfassung? Heute roth, morgen tobt, aber Maskenball, wo Sie ja, gnädigste Tante, und Hertha auch I chacun ä son gout und warum auch Grillen fangen in

waren; übrigen» harmloser Mensch, glaube ich." j unseren Tagen I Dem Muthigen allein gehört die Welt, bestes

Curt, der nicht gut zehn Minuten auf einem Platze aus- I Tantchen; man muß das Leben von der heiteren Seite

hielt, es wäre denn gerade bei denVier Wenzeln", trillerte I nehmen."

eine Gavotte, nahm des Onkels Reitgerte vom Nagel und I Die Tante Doctor konnte sich mit der Ansicht des schnei- begab sich nach dem Hofe. In fünf Minuten ging er durch j digen Lieutenants nicht befreunden, der seinen schönen Schnurr­zehn Thüren und die erste war gewöhnlich die des Pferde- I bart durch die Finger gleiten ließ. Aber sie sagte sich auch stalles. Er streichelte dann Minka, des Oberförster» Reitpferd, | wieder:Sicher ist mir mein Geld doch auf alle Fälle, und und beneidete dann den Onkel um diesen prächtigen Renner, j wenn er nicht pünktlich mir die Summe zahlt, dann brauche Bor zwei Jahren kaufte ihn der Oberförster für ein billiges I ich es ja nur dem Steuer zu sagen, der in solchen Dingen Geld in Polen, heute freilich, bei der großen Steuer auf I keinen Spaß versteht. Indessen so weit kann es nicht kommen, Pferde, dazu der hohe Rubelcours, wäre dies mit unseren I denn die paar Monate werden auch vergehen, und wenn Hertha Preisen eine Compensatio». I erst die Baronin von Walten ist, dann hat e» auch keine

Curt ging nun am Fließ entlang. I Roth."

Hm, hm verdammte Geschichte," murmelte er vor I Inzwischen waren sie am Hause angelangt und schritten sich hin und theilte mit der Reitgerte die Luft, so daß eine I der Veranda zu, auf der der Oberförster und feine Tochter Schaar Enten, die am Schilf saß, quackend und mit aus- I soeben Platz genommen. , ,

gebreiteten Flügeln das Weite suchte.Hm verdammte IMinka bleibt sich immer gleich, sieht brillant aus, Onkel, Geschichte das l Wird nicht recht wollen wird heißen Kampf I müßtest ihr Mähne und Schwanz stutzen lassen, sagte Curt,

geht aber nicht anders! Ah, lupus in fabula I indem er die Reitgerte an den Stuhl hing, auf dem er sich da kommt sie angewackelt Stern noch immer auf Höhe." I niederließ. , , ...

Ach, gnädigstes Tantchen - sehr angenehm, Sie allein INein, Curt, mir ist das Pferd so lieber und seiM zu sprechenI Dienst thut es auch ohne ein sportmäßiges Aussehen.

Und sie gingen am Fließ entlang der kleinen Wiese zu, «Nun freilich, Onkel. - Da kaufte Kamerad Bornheim während Hertha den Mittagstisch zurecht machte. | kürzlich famoses Pferd, englische Rasse, von einer Gräfin

Hatte Unglück im Spiel fatale Sache - Sprich- I von Koronatzka aus Polen Oberst ist ganz futsch!

wort sagt schon: Glück in der Liebe, Unglück im Spiel. -So," sagte der Oberförster überrascht, »da« wundert

Brauche nothwendig zwanzigtausend Mark und Sie müssen I mich sehr. Die Gräfin soll doch aus Prinzip weder Vieh noch mir helfen, bestes Tantchen, weiß bei Gott keinen Ausweg!" I Landesproducte nach Deutschland verkaufen, denn fie haßt

Ich helfen? Um Gotteswillen, Herr von Walten, wo Alles, was deutsch heißt- In ihrem Hause wird meistens denken Sie hin, was soll das nur werden!" rief die alte I französisch gesprochen, ihre Kleider kommen aus Paria, ihre Dame erregt.Da werden Sie sich schon an die Baronesse, I Weine au» Bordeaux und die tausend Dinge, die sie sonst Ihre gnädige Frau Mama, wenden müssen; denn ich kann und I noch braucht, nur aus Frankreich. Mich wundert s nur, daß mag Ihnen nichts mehr geben!" I sie jährlich ihre Reise nach dort durch das bei ihr so in Un*

Aber liebstes, bestes Tantchen, ich bin Ihnen doch gewiß I gnade gefallene Land macht! Ihre einzige Tochter verheirathete gut für dieses Sümmchen und rechne Ihnen bessere Zinsen, I sich vor zwei Jahren mit einem angeblich sehr reichen Grasen, als die Sparbank in Danzig." I der vielbegütert in der Normandie leben soll. Jedoch schemt

Herr von Walten," sagte die Frau Doctor sehr ernst, I mir der Segen nicht gar zu groß, denn der Comte de Reflux ich gab Ihnen neulich fünfzehntausend Mark, als wir in 1 dies ist sein Name soll auch ständiger Gast in Monte Danzig waren und wenn mir Ihr Schuldschein darüber auch I Carlo sein. Des alten Thielemanns Neffe traf dort im ver­so gut ist, wie die erste Hypothek auf Schloß Walten, so mag I gangenen Jahre die ganze Gesellschaft."

ich Ihnen doch nichts mehr geben; und in so kurzer Zeit wieder IAlso Monte Carlo!" sagte Curt überrascht.Mutz solche Gummen zu verspielen, das ist denn doch ein großer I dort wunderbares Land fein!"

Leichtsinn, den ich nicht bestärken möchte, wiewohl Sie ja thun IHerrliches Land, dieser Küstenstrich von der Riviera vir und lassen können, was Ihnen beliebt. Hätte der Onkel auch I zu den Pyrenäen, und besonders Monaco, dieses wunderbare nur eine Ahnung davon, daß Sie spielen, ich wüßte nicht, I Felseneiland," erwiderte der Oberförster;nur schade, daß war er thäte. Sagte er doch kürzlich erst:Karten- und I dort der Teufel seine Netze besonders ausgelegt hat, wo die Börsenspiel enden nie gut, denn dazu ist der reichste Mann I Leidenschaft des Spiels jahraus jahrein so Viele zum frühen nicht reich genug." Daher werde ich Ihnen auch nichts mehr I Ende treibt. Aber wie dem auch fein mag, die Verhältmtze geben, denn ich möchte nicht Ihr Unglück." I der guten Gräfin von Koronatzka müssen sich wirklich zu ihrem

Aber, gnädigstes Tantchen, nur dies eine einzige Mal Nachtheile geändert haben. Der große, von dem Staroflen