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zwängen kann. Der Boden ist hoch mit reinem, trockenem Sand zu bestreuen. Die Sitzstangen seien von Holz — Rohroder Hollunderzweige sind weniger zweckmäßig — und nie so dünn, daß der Vogel sie mit den Zehen ganz umfaffen kann, da sonst sein Fuß nicht richtig ruht. Die Anlage der am Besten gläsernen Futtergeschirre geschehe in einem dreh» baren Erker, so daß man Futter und Wasser von Außen reichen kann. Zu Badenäpfen, die von den meisten Vögeln gern benutzt werden, nimmt man am Beste« glasirte Blumentopfuntersätze , da diese zu flach sind, als daß kleinere oder er- mattete Thiers darin ertrinken können, ihr Inhalt aber zugleich auch für größere Vögel genügt. Je nach Eigenart der Thiers sind im Käfig kleine Verstecke anzubringen, die denselben Schutz gegen lästiges Beschauen und andere Störungen gewähren.
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Eisblumen im Sommer. In einem Glase Bier löst man 200 Gramm Bittersalz auf und betupft mit dieser Masse vermittelst eines leinenen Läppchens die Fensterscheibe. Sobald dies trocknet, bilden sich Figuren, welche den Eisblumen sehr ähnlich sind. Dieses Verfahren kann man an Verschlußfenstern anwenden, wo Vorhänge das Licht zu sehr absperren. Man wäscht die Blumen, wenn sie schmutzig sind, mit warmem Wasser herunter.
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Fettflecke aus Sammet zu entfernen. Fettflecke entfernt man aus Sammet, indem man ein Stückchen Baumwolle mit gereinigtem Citronenöl befeuchtet und dieses auf den Fleck legt, ohne den Sammet zu drücken. Man wiederholt dieses Verfahren so lange, bis der Fleck verschwunden ist, und bürstet ihn dann mit einer Samrnetbürste. Häufig gelingt es, Flecke aus Sammet zu entfernen, indem man ein weiches Tuch mit Terpentingeist befeuchtet und die befleckte Stelle vorsichtig nach dem Strich damit reibt. — Liqueur- flecke zu entfernen. Man behandelt die Flecke mit Wasser ober, wenn die Appretur nicht verletzt werden darf, mit verdünntem Spiritus. Bleibt bei gefärbtem Liqueur ein farbiger Fleck, so wende man für weißes Seinen und Baumwolle die Chlorbleiche, für Seide und Wolle die Schwefelbleiche an. Bei bunten, nicht waschbaren Stoffen wende man kochendes Wasser an-
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Billiger Nierenbeigutz. Ein Stück Fett oder Butter wird gebräunt, mit klein geschnittener Zwiebel und etwas Mehl eingerührt; geriebenes Brod, gestoßener Pfeffer, eine Prise Majoran, womöglich Lorbeerblätter, Salz und in Scheiben geschnittene Nieren werden mit der entsprechenden Menge Brühe oder Wasser ausgekocht und zu gerührten Kartoffeln gegeben.
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Bultermiich-Pfanneukucheu. Buttermilch, Mehl, ein wenig Salz werden zu einem dickflüssigen Teige e' en gerührt und ein wenig Bullrich'sches Salz (zu 5 Kuchen 1 Thee- löffel voll) dazu gethan. Die Kuchen werden von beiden Selten in Butter gebacken.
Die Schleppe. Obwohl die Schleppe nicht modern ist, wirbeln doch viele Damen den Straßenstaub in beängstigender Welse auf. Man schreibt nun aus Wiener Fachkreisen, daß, um dieser Belästigung zu entgehen, besonders für Sommerfrischen und Curorte vielfach fußfreie Kleider componirt werden. Die Formen vereinfachen sich, auch die Farben werden weniger auffallend gewählt und als bevorzugtes Aufputzmaterial gelten Knöpfe und Bänder. Man hat nämlich die Wahrnehmung gemacht, daß die Ausländer in den österreichischen Badeorten, verleitet durch einzelne excentrische
Erscheinungen, von den Wiener Moden ganz falsche Vorstellungen bekommen. Manche Wienerin trägt oft in Cur- orten eine Masche, einen Hut ober ein grellfarbiges Kleid, bas sie sich in Wien, der Heimath der einfachen Eleganz, nicht gestatten würde. Eine complette Curortavsstattung, wie sie fein fall, enthält nebst vielen anderen originellen Toiletten das eben erschienene Heft 15 der „Wiener Mode", dem auch eine „Wiener Kinder-Mode" gratis beiliegt.
Aus den Fliegenden Blättern. Standes- g em ä ß. Doctor: „Nun, Frau Gräfin, wie befinden Sie sich nach der Cur? . . nicht wahr — wie neu hochgeboren?" — Aus der Kaserne. Unteroffizier: „Ihr Kerls habt auch gar keine Schneid mehr! Wie ich noch Rekrut war und konnte etwas nicht gleich recht, da hab' ich die Zähne zu- sammengebissen und gemurmelt: „Aut Cesar aut Nilpferd", und dann hat es nur so geklappt!" —Durch dieBlume. Zimmerherr: „Sagen Sie, gnädige "Frau, gibt es denn kein Mittel, um dem vierhändigen Spiel Ihrer Fräulein Töchter Einhalt zu thun?" — Mutter: „O doch — ein ganz probates : es dürfte nur Jemand um eine dieser vier Hände a n- halten!" — Doppelsinnig. „ . . Nun, wie lebst Du mit Deiner jungen Frau?" — „O, sie läßt nichts zu wü n s ch en übrig." — Kathederblüthe. Gymnasialproseffor (in der Botanikstunde): „Die Lerche ist gewissermaßen das Schneeglöckchen unter den Vögeln!"
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Freundschaftliche Ermahnung Bauer (nachdem er seinen halsstarrigen Ochsen ordentlich durchgebrügelt hat): „Schau, wenn b' nit gar so bockbeinig wärst, — wir zwei könnten zusammenleben, wie zwei Brüder!"
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Triumph der Erziehung. Der kleine Georg ist ein sehr wohlerzogenes Kind und besonders gegen Damen sehr artig. Eines Tages sitzt er mit seinem Papa, der ihn auf den Änieen hält, in der Pferdebahn. Eine junge Dame steigt in den Wagen und findet keinen Platz mehr. Sofort springt das aufmerksame Kind herab, zieht seinen Hut und sagt: „Darf ich Ihnen meinen Platz anbieten?"
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Allerdings. Fürst Bismarck pflegt sich alle AbÄ auf Anrathen Schweningers vermittelst einer im Schlad zimmer stehenden Wage zu wiegen. Schweninger hat aber seinem Patienten ausdrücklich verboten, zu sprechen, so lange er auf der Wage stehe, well seine Worte zu schwerwiegend seien.
Menn Du noch eine ßmuath hast.
Wenn Du noch eine Heimath hast, So nimm den Ranzen und den Stecken Und nmnb’re, wanb're ohne Rast, Bis Du erreicht den theuren Flecken.
Und strecken nur zwei Arme sich In freud'ger Sehnsucht Dir entgegen, Fließt eine Thräne nur für Dich, Spricht Dir ein einz'ger Mund den Segen:
Ob Du ein Bettler, Du bist reich, Ob krank Dein Herz, Dein Muth beklommen, Gesunden wirst Du alsogleich, Hörst Du das süße Wort: Willkommen!
Und ist verweht auch jede Spur, Zeigt nichts sich Deinem Blick, dem nassen, Als, grünberast, ein Hügel nur Von Allem, was Du einst verlassen:
O, nirgends weint es sich so gut, Wie weit Dich Deine Blicke tragen, Ms da, wo still ein Herze ruht, Das einstens warm für Dich geschlagen.
A. Traeger.
Hetactbn: A. Echeyda. — Druck und Vertag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen,


