Ausgabe 
7.5.1895
 
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Hast Du mich lieb, Hanna," flüsterte er,so lieb, wie ich Dich habe, unermeßlich, bis in alle Ewigkeit hinein? Willst Du mein Weib sein und Dich mir anoertrauen zum Bunde sür's ganze Leben? Nicht wahr, Du willigst ein und dann gehen wir wieder wie zwei gute Kameraden miteinander, in Leid und Freud, bis unser Auge bricht."

Ich bin Dem," stammelte sie.Ich habe Dich immer geliebt, trotzdem ich mich von Dir vergessen glaubte. Ich hatte nur einen einzigen Gedanken und der warst Du. Ich gehöre Dir an, weit üb r das Grab hinaus!"

Curt schloß sie noch fester in seine Arme-Jetzt soll uns nichts mehr trennen," sagte er tief ergriffen.Du bist meine Braut und wir wollen die Hochzeit beschleunigen."

Hannas Haupt, sank leise an seine Brust herab, wie über» mannt von Freude und Rührung. Lange und stumm hielten sich Beide umschlungen in seliger Versunkenheit. Dann saßen sie dicht aneinandergeschmiegt in der Ecke des dämmerigen Coupes, vergaßen Zeit und Ort und wurden nicht müde, sich zu herzen und zu küffen und sich gegenseitig ihre grenzenlose Liebe zu betheuern.

Da plötzlich machte ein schriller, Mark und Bein durch- dringender Pfiff der Locomotive dem süßen Kosen des jungen Paares ein gewaltsames Ende. Der Zug war auf der End' fiation angelangt, der Schaffner öffnete die Coupsthür zum Aussteigen, denn ihr Reiseziel war erreicht.

Arm in Arm wandelten nun die beiden Brautleute der gemeinsamen Heimath zu, dem freundlichen Harzstädtchen, das heute zum morgigen Pfingstfest gar lieblich mit grünen Maien, bunten Fähnlein und frischen Tannenreisern geschmückt war. Sie durcheilten die Straßen mit elastischem Schritt, der kaum den Erdboden berührte, sie schwebten dahin wie auf Flügeln. Dann bogen sie in den Hochwald ein, um später nach dem Magdalenenstift zu gehen, wo Hanna für die Festtags von den alten Stifisdamen eingeladen war.

Es war dunkler geworden, das Tagesgestirn verglomm langsam hinter rosenrothen und purpurnen Wölkchen, welche den westlichen Himmel säumten; über den hohen Granitkegeln schwebten silbergraue Nebel wie duftige Schleier. Ein leiser Windhauch ging durch die Bäume und flüsterte und säuselte in den Zweigen. Die weißen Birken, welche zwischen den riesenhoheu Tannen mit den langen, grauen Flechtenbärten standen, bogen sich und nickten mit den zartbelaubten Wipfeln. Der Gebirgsbach, vom letzten Strahl der Sonne übergossen, strahlte wie flüssiges Gold und die wilden Felsen spiegelten sich in seinem klaren Wasser.

Er war wunderschön im stillen, einsamen Hochwald, in dem die Tannen würzigen Dust aushauchten und geheimniß- volle Dämmerung herrschte. Die Lust war köstlich rein und erfrischend und mit Wohlbehagen athmeten Curt und Hanna den herrlichen Waldesduft in sich hinein-

Langsam schritten sie in dem einsamen Gehölz unter den großen Riesenbäumen dahin, bis der Vollmond am Himmel schwebte und sein Silberlicht über den dunklen Hochwald ergoß. Nm sie herum begann es zu zirpen, zu flattern und zu huschen, der feuchte Rand des Waldbaches belebte sich und Glüh, würmchen schwebten über die Farren und Moospolster. Im Dickicht saß ein Käuzchen und ließ schaurig seinen Ruf er­tönen. Das selbstvergessene junge Paar merkte aber in dieser Stunde des wonnigsten Glückes nichts davon und vernahm nichts von den Stimmen der Natur-

Doch jcht schlug es vom Kirchthurm des Städtchens zehn Nhr. Hanna fuhr erschrocken zusammen. Nun war es die höchste Zeit, nach H mse zu eilen. Das Magdalenenstift war schnell zu erreichen. Wenn man um die Waldecke ging, konnte man die Lichter desselben schon aufleuchten sehen

, So traten sie den Heimweg an und nahmen vor der niedrigen Pforte des Klostergartens Abschied von einander.

Lebe wohl, mein Liebling, meine süße Braut I" sagte Curt.Lebewohl bis morgen frühI Dann hole ich Dich ab, um Dich meinem Vater als Tochter zuzuführen und um feinen Segen zu bitten."

Deinem Vater? hauchte ängstlich das Mädchen und

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schmiegte sich fester an seinen Arm.Werde ich ihm will- kommen sein? Ach, Curt, wird er es gut heißen, daß Du Dir ein armer, bürgerliches Mädchen zur Braut erwählt, wird er es überwinden können, daß seine Schwiegertochter Stütze der Hausfrau bei fremden Leuten war und sich ihr Brod selbst verdienen mußte durch ihrer Hände Arbeit?"

Mein Vater weiß bereits, staß Du auf der ganzen weiten Welt das einzige Mädchen bist, das ich liebe und das ich immer zur Frau haben wollte und er billigt meine Wahl. Vor einer großen, starken und treuen Liebe müssen schließlich alle Vorurtheile und Standesrückfichten schwinden. Darum sei ruhig, Liebling meiner Seele, es gibt nichts auf der Welt, was uns noch einmal trennen kann, unser Bund ist fest ge* schlossen und besiegelt. Und nun nochmals Lebewohl bis morgenich werde die Minuten zählen, bis wir uns Wieder­sehen r

Endlich nach wiederholten stürmischen Umarmungen und zahllosen zärtlichen Küssen riß Curt sich los und verschwand auf einem Seitenwege, der zum Schlosse führte. Hanna ver- weilte noch minutenlang auf ihrem Platze und schaute dem Geliebten nach. Sie hielt die Hände gefaltet und in den schönen Blauaugen glänzte ein feuchter Schimmer- Sie weinte, aber es waren Freudenthränen, die sie vergoß, in ihrem Herzen war Frieden und he.lige Ruhs in ihrem Gemüth. Denn was sie so heiß ersehnt und schmerzlich für ewig verloren gewähnt, das hatte sie heute wiedergefunden.

G eM s iMNÄtziges.

Bade-Neeefiaire. Das nachfolgend beschriebene Ne­cessaire ist ungemein practisch für Damen, welche täglich zum Schwimmen gehen. Man schneidet aus grauem, groben und rauhen Stoff, wie er zu Brdehandtüchern genommen wird wo er nicht zu haben ist, kann man ein abgepaßtes englisches Brdehandtuch dazu verwenden ein Stück von 69 Centi- meter Länge und 26 Centimeter Breite und versieht 51 Cen- timeter davon mit einem Futter von Gummistoff. Die über­stehenden 18 Centimeter Grundstoff werden übergeklappt und bilden die größte Tasche zur Aufnahme des Handtuches. Sämmtliche Taschen, sowie das ganze Necessaire werden mit rothem Woll- oder Seidenband von 2 Centimeter Breite ein­gefaßt. An dem der großen Tasche entgegengesetzten Ende werden zwei kleinere, 13 Centimeter hoch und 13 Centimeter breit, angebracht. Sie dienen zur Aufbewahrung von Schwamm und Seisenbeutel. Weiter setzt man noch Taschen für Kämme, Haarbürste, Schuhknöpfer u. s. w auf. Die Maße dafür richten sich nach den Gegenständen, welche man in den Taschen unterbringen will. Zum Verschluß näht man ein rothes Seidenband an, welches so lang sein muß, daß man es zwei Mal um das gefüllte Necessaire schlingen und zur Schleife binden kann. In eleganterer Ausstattung empfiehlt sich das Necessaire auch für die Reise. Man wählt zur Außenseite Filz oder Plüsch und bringt am Verschluß ein großes Mo.w- gramm an. Für den Schwamm und die Seife kann man kleine Beutelchen stricken. Man nehme dazu keine Baumwolle, sondern Häkelgarn und zwar in der Farbe des grauen Außen­stoffes Auf einem Anschlag von zwanzig Maschen arbeitet man fortwährend dasselbe Muster; den Faden links vorge­schlagen, 2 Maschen rechts verschränkt zusammengestrickt. H it das Beutetchen die ausreichende Länge, so häkelt man eine Löcherreihe und dann eine Reihe Pikots. Durch die Löcher leitet man eine an den Enden mit Quästchen versehene Schnur.

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Der Käfig der Stubenvögel sei möglichst groß und leicht zu reinigen. Form: viereckig, länger und höher als tief: vermeide thurm- und glockenförmige! Das Draht­geflecht soll aus verzinntem oder verzinktem Eisendraht bestehen, nicht aus Kupfer- oder Messingdraht, da diese zu Vergiftungen Veranlassung geben können. Die Drahtstäbe sollen nie fo weit von einander entfernt sein, daß der Vogel, den Kopf hindurch-