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Erste Liebe.
Novelette von Johanna Berger.
(Schluß.)
Es kamen trübe Tage voll schweren Kummers. Hanna- Vater, der würdige Seelsorger seiner kleinen Gemeinde, starb nach langem, schmerzlichem Siechthum- Ach, wie bitterlich die Kleine weinte, als sie Abschied nehmen mußte von dem traulichen Pfarrhause, das so lauschig zwischen den riesenhohen Lindenbäumen gelegen war und wie sehnsüchtig sie danach zurückblick-e, als sie mit der guten alten Tante Regina hinaus« ziehen mußte in das stille Magdalenenstift, das außerhalb vom Städtchen und weit entfernt vom Schlöffe am Rande des Hochwaldes lag.
Die prächtige alte Jungfrau wußte sich auch im Kloster Verehrung, Liebe und Würdigung zu verschaffen, sie sprang überall mit Wort und That hilfreich ein, wo es fehlte. Für Hanna ging das Leben eintönig vorüber. Die Tante unterrichtete sie in Handarbeiten, feiner Wäsche und tm Kochen. Die übrige Zeit nahm die Schule in Anspruch. Sie sollte und mußte Vielerlei lernen, um später einmal auf eigenen festen Füßen zu stehen und sich dar Brod selbst verdienen zu können, denn Geld und Gut hatte der Herr Pastor nicht hinterlaffen.
Der Verkehr zwischen beiden Kindern hatte jetzt gänzlich aufgehört. Der Landrath von Bartenstein fand es an der Zeit, seinem einzigen Sohne eine strengere, energischere Erziehung geben zu lassen, um ihn dem höheren Lebensberufe entgegenzuführen, zu welchem ihn seine aristokratische Geburt berechtigte. Ein wissenschaftlich gebildeter Lehrer wurde in'- Haus genommen, welcher den geweckten Knaben unterrichten muöte. Curt wurde nun nach allen Regeln der Pädagogik und Schulweisheit dresstrt und gemaßregelt. Er mußte von früh bis spät über den Lehrbüchern sitzen und hatte wenig Freistunden. Mitunter konnte er dem Verlangen und der Sehnsucht nach seiner kleinen Hanna nicht widerstehen, es drängte ihn stürmisch, zu ihr zu eilen, aber er durfte die herzige Gefährtin nicht besuchen. Es wurde ihm klar gemacht, daß zwischen einem großen, hochaufgeschossenen und wohl
erzogenen Knaben und einem kleinen dummen Mädchen keine Freundschaft mehr bestehen könne — und daß es geradezu lächerlich sein würde, wenn er die alten Jungfern mit ihren großen blauen Schürzen und den beständig klappernden Stricknadeln in den welken Händen im Magdalenenstift aufsuchen wollte, um mit der kleinen. Hanna Zwiesprache zu halten.
Der arme Curt fühlte sich anfangs unter der strengen Zucht seines Lehrers recht unglücklich, die Trennung von Hanna bereitete ihm großen Schmerz, aber er fügte sich stillschweigend in das Unabänderliche. Allmälig erwachte auch ein gewisser Jungenstolz in ihm und übte über sein Fühlen und Denken siegreiche Macht aus. Wenn er die ehemalige Gespielin »»fällig auf der Straße traf, vermied er es, mit ihr anzuknüpfen, er blickte scheu zu.r Seite und ging ihr aus dem Wege. Was in seiner jungen Seele vorging und daß er sie trotz alledem herzlich lieb hatte, durfte sie niemals ahnen, denn er schämte sich der weichen Regungen und drängte sie in sein tiefstes Innere zurück. Und diese widersprechenden Empfindungen machten ihn immer kälter, immer schroffer ihr gegenüber
Die unschuldige Hanna, noch von keinem Zwiespalt des Herzens berührt und dem Jugendgefährten nach wie vor treu ergeben, konnte sich sein seltsames Benehmen nicht deuten. Sie weinte heimlich manch' heiße Thräne über den wanke!« müthigen Freund.
Im raschen Fluge schwanden die Jahre dahin. Curt weilte schon längst nicht mehr in der Heimath. Ec studirte in Bonn und Göttingen die Jurisprudenz. Er besaß einen glühenden Ehrgeiz und hatte sich ein hohes Ziel gestellt. Darum besuchte er auf das Eifrigste die Hörsäle und Collegs der verschiedenen Universitäten, um überall aus dem Born der Belehrung und Weisheit das göttliche Jus zu schöpfen als feste Grundlage für eine segensreiche Zukunst. Trotzdem blieben ihm auch die Fechtböden und Kneipen, in welchen die Studenten verkehrten, nicht fremd, er war kein Pedant. Im Gegen« theil, er genoß sein Leben im jugendlichen Frohsinn und trank den sich ihm darbietenden Freudenbecher mit vollen Zügen. Doch mit klugem Sinn verstand er es, sich Herz und Seele rein und unberührt zu erhalten vor unlauteren, frivolen Genüssen und Vergnügungen. Seine ideal angelegte, feinfühlige Natur erkannte die Lügen, Jrrthümer und den falschen


