- 868
Eindruck erhalten. Meinem Diener Leonard half es gar nichts, daß er meinen Instructionen gemäß die Handwerker und Bürger aufhetzte und ihnen tausend Schrecknisse erzählte. Sie glauben es nicht und dachten nur ungern an eine Kapitulation. — Morgen früh werden sie sie alle verlangen."
„Sie geben uns die Hoffnung wieder I"
„Ich sage Ihnen, Herr Präsident, man wird Sie zwingen, die Kapitulation zu unterzeichnen."
„Der Himmel erhöre Siel" seufzte der Präsident. „Aber der Gesandte des Herzogs von Braunschweig ist bereits ins Hauptquartier zurückgekehrt. Wieso bringt man ihn zurück? Er hat den Kapitulationsentwurf bei sich."
„Es genügt, wenn ein Vertrauenswürdiger in das österreichische Lager geht und das Duplikat, das Sie noch bei sich haben, mit der Versicherung hinträgt, daß der Generalissimus die Thore morgen offen finden wird."
„Aber wen soll man mit dieser Mission betrauen?"
„Mich!" sagte Lowendaal.
„Ah, Sie retten uns!" rief der Präsident und freudestrahlend aufspringend umarmte er ihn, als hätte er einen Boten des Sieges vor sich.
XI.
Die Mission Leonard«.
Einige Augenblicke später verließ Lowendaal mit dem Duplikate des Kapitulationsentwurfes in der Tasche das Stadthaus und suchte auf dem Markte Leonard auf, der ihn dort erwartete.
Mit leiser Stimme, obwohl Niemand zuhören konnte, ertheilte ihm der Baron einen ziemlich detaillierten Befehl, Leonard machte eine überraschende Bewegung, welche bewies, daß er den Auftrag verstehe, aber auch, daß er ihn in Verlegenheit setze und sogar etwas erschrecke. Er ließ ihn sich zweimal von seinem Herrn wiederholen.
Dieser fügte in strengem Tone hinzu: „Sie zögern, Leonard? Sie wissen doch, trotzdem wir uns in einer belagerten Stadt befinden, gibt es hier Gefängnisse und Gendarmen, welche die hinsühren könnten, die, wie ein Bekannter von mir, das Staatsstegel nachgemacht und den Steuerbeamten falsche Rezepiffe gegeben hatten."
„Leider weiß ich dar, Herr Baron," sagte Leonard in unterwürfigem Tone.
„Wenn Sie es wissen, vergessen Sie es nicht mehr," antwortete der Baron, etwas milder werdend. „Leonard, es ist mir unangenehm, einen so ergebenen Diener, wie Sie es find, erinnern zu müssen, daß ich ihn von der Galeere gerettet habe."
„Und daß Sie ihn wieder dorthin bringen können — o, Herr Baron, das werde ich nicht vergessen."
„Sie gehorchen also?"
«Ja, Herr Baron, aber bedenken Sie, wie ernst, wie schrecklich das ist, was Sie von mir verlangen."
„Sie übertreiben die Wichtigkeit dieses Auftrages. Leonard, Sie haben mich an mehr Fügsamkeit, an mehr Ergebung gewöhnt. Sie werden undankbar. Es ist ein großer Fehler, wenn man Wohlthaten vergißt."
„Herr Baron, ich werde ewig dankbar sein I" jammerte der Elende, den Lowendaal ertappt hatte, als er mit dem Beamten der Pachtungen mit Hilfe falscher Stempel gestohlen hatte. „Ich bin bereit, Ihnen zu gehorchen und überall zu folgen, wohin Sie mich führen wollen. Aber was Sie mir jetzt befehlen, ist . . ."
„Scheußlich? Sie haben jetzt gar Gewissensbisse?" sagte der Baron in drohendem Tone.
„Ich würde mir nicht erlauben, etwas, was der Herr Baron mir befiehlt, scheußlich zu finden- Ich wollte etwas anderes sagen."
„Und was wollten Sie sagen? Ich bin begierig, Ihre Ansicht kennen zu lernen."
„Herr Baron, die Sache ist gefährlich — o, nur für
mich allein," beeilte sich Leonard hinzuzufügen. „Denn, wenn ich gefangen werde, lasse ich mich lieber an einem Kohlenfeuer rösten, als zu sagen, was der Baron mir befohlen hat."
„Erstens würde man Ihnen nicht glauben," fiel der Baron trocken ein, „zweitens würde kein Beweis eines solchen Befehls vorgesundsn werden und drittens, das sage ich zu Ihrer Beruhigung, habe ich Dispositionen getroffen, um für den unwahrscheinlichen Fall, daß Sie entdeckt werden, Ihren Rückzug zu sichern."
„Wirklich, Herr Baron?' rief Leonard freudig.
„Meine Postchaise wird Sie beim Neuen Thor auf der Straße von Commercy erwarten; auf jener Seite wird nicht gekämpft."
„Aber wie komme ich hinaus?"
„Ein Auftrag de« Vsrtheidigungsrathe«. — Nehmen Sie diesen Schein und suchen Sie mich morgen gleich nach der Dämmerung im Lager de« Herzog« von Braunschweig auf."
Und Lowendaal übergab Leonard einen Blancopassier- schein der Munizipalität.
„Ich werde gehorchen," sagte Leonard etwas beruhigter.
„Trachten Sie, Ihre Mission nicht dummerweise zu compromittieren, indem Sie sich von den wüthenden Freiwilligen Beaurepaires fangen lassen. Wenn Sie arretiert werden, ist es mir unmöglich, über Ihr Vorleben zu schweigen. Vielleicht bedeutet das auch sofortigen Tod als Spion."
(Fortsetzung folgt.)
Vevn Echtes.
Aus den Fliegenden Blättern. Ausrede. Onkel: „ . . Ich hatte Dir versprochen, Deine sämmtlichen Gläubiger zu bezahlen, wenn Du Dein Examen machen würdest, und jetzt bist Du doch durchgefallen!" Neffe: „Die unverschämten Kerls verdienen es auch nicht, Onkel!" — Vorsichtig. Dichter (zum Verleger): „ . . Wollen Sie nicht gleich die zweite Auflage meiner Gedichte drucken? Die erste wird ja doch nie anerkannt!" — Ausgleich. Tochter (zu ihrer Mutter): „ . . Ich würde den Assessor ja ganz gern heirathen — aber der Name „Zaunlackel" genirt mich I.. Wenn er mir wenigstens „v. Zaunlacke!" hieße!" — Doppelsinnig. A.: „ . . Möchtest Du mir nicht mit 10 Mark unter die Arme greifen?" — B-: „Das ist eine kitzliche Sache!" — O die Weiber. Arzt: „ • . Meine Gnädige, gegen Ihre Nervenzerrüttung kann ich Ihnen nichts Andere» verordnen, als baden und wieder baden!" — Sie (zu Hause): „Lieber Victor, der Herr Doctor meint, gegen mein Leiden gebe es kein anderes Mittel, als „Baden-Baden"!" — Auch eine Beschäftigung. „ . . Na, was hast Du denn im vorigen Monat gemacht?" — „Auf den ersten gewartet!" — Auch eine Drohung. Kaufmann: „Schämen Sie sich nicht, in Ihrem Alter zu betteln?" — Bettler: „Nur keine Moralpredigt, oder ich lasse Sie stehen und gehe zu Ihrem Concurrenten!"— Peinlicher Anblick. Studiosus (zu seinem College», vor dem Postgebäude): „Geh'n wir weiter, ich kann das nicht sehen — jetzt werden die Geldbriefträger lorgelassenl" — Sonntags-Appell. „Krause!" — „Herr Feldwebel!" — (Eilt vor die Front.) — „Krause, heut' ist Sonntag!" — „Zu Befehl, Herr Feldwebel!" — „Heut Nachmittag gehen wir beide in den Zoologischen Garten!" — (Vergnügt): „Zu Befehl, Herr Feldwebel! — „Gestern habe ich Sie nämlich Rhinoceros geschimpft und das möchte ich dem guten Thier doch in Ihrer Gegenwart abbitten!"
♦ *
Im Selbstgespräch. Stromer: „Zeit ist Geld, heißt'« im Sprichwort, — so ein Unsinn, — Zeit hab ich so viel, und Geld gar kein«."
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversiMs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


