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Kania Cruz Schiffbruch litt, wobei sämmtliche Paffagiere mit Ausnahme des Kindes umkamen. Frau Biddulph oder die Wärterin, wie im Vorgefühl dessen, was auch wirklich geschah, nähte in des Kindes Kleider das Geburtszeugniß und eine Abschrift ihrer Trauungsurkunde ein, und diese Kleider, die Lord Belfort mit sich brachte, bilden nun de» ersten Beweis dafür, daß Miß Cora Graf Philipp Biddulphs eheliches Kind ist. Außerdem gibt es noch verschiedene andere Beweise in Gestalt kleiner Werthsachen und der auffallenden Aehnlichkeit der jungen Dame mit dem Porträt ihrer Mutter, welches in demselben Zimmer steht, in welchem sie Lord Belfort verborgen hatte."
„Und worin wohl der Hauptgrund liegt, daß mein armer Bruder sich unwissentlich zu ihr hingezogen fühlte," bemerkte Graf Treville, „ist daraus zu erkennen, daß er — das weiß ich — eines der Opfer von Miß Merricks Schönheit war. Liebe Marian, wenn Sie doch ahnten, welchen Schmerz und Kummer die Erinnerung an die Vergangenheit mix verursacht und wie aufrichtig ich Theil an Ihrem Mißgeschick nehme — Sie würden mich nicht so hart beurtheilen- Es gibt eine Person, die keinen Grund zur Reue hat — dieses edle Mädchen hier ausgenommen — sie kann vielleicht muthiger und mit mehr Erfolg um Ihre gütige Verzeihung für den Schmerz bitten, den wir Ihnen durch unsere nothgedrungene Handlungsweise verursacht haben. Cora, wollen Sie Ihre Bitte mit der des Lord Belfort vereinen?"
„Coral" wiederholte Marian. „Cora! So ist sie Ihre Verlobte, Lord Belfort?"
Der junge Edelmann schüttelte traurig den Kopf.
„Nein, Marian, nein! Auch in ihrer Verlassenheit stand Miß Cora in dem, was man den wahren Adel nennt, zu hoch über mir, als daß ich auf eine Erwiderung der Liebe hoffen könnte, die sie mir damals schon abgewann. Und jetzt, da sie Anspruch auf die Huldigungen der Höchsten und Vornehmsten machen kann — wie könnte ich da auch nur im Entferntesten auf ein so unverdientes Glück hoffen?"
Plötzlich aber erhellte sich Lord Belforts Gesicht und nahm einen glückstrahlenden Ausdruck an, denn es hatte sich eine Hand leise auf seinen Arm gelegt, ein bittender Blick traf ihn aus den schönen, ausdrucksvollen Augen und eine süße Stimme flüsterte ihm zu: „Ernst, Ihnen verdanke ich Alles. Wollen Sie das Glück zerstören, da» mir zu verschaffen Sie sich so sehr bemüht haben?"
Da legte Ernst Belfort die Hand seiner Braut in die seiner Mutter, die schon gelernt hatte, das schöne Mädchen wie eine eigene Tochter zu lieben.
Der Herzog hatte die ganze kleine Scene verstanden und es geschah, daß ein geheimer Schmerz sein Herz durchzuckte, der eines heilenden Balsams bedurfte, denn seine nächsten Worte klangen abgebrochen und gedämpft, als er sich zu der blassen bisherigen Gräfin von Marston, jetzigen Miß Biddulph, wandte.
„Marian, da ich glaube, wagen zu dürfen, öffentlich einen tiefen und geheimen Wunsch zu bekennen . . . darf auch ich Sie vielleicht nun um das Glück bitten, das Sie mir einst versagten, als ich es — ich gestehe es — in rückstchtrloser Weise, nur an meine eigenen Interessen denkend, von Ihnen erbat ? Jetzt ist es anders. Dieses edle Mädchen, das jetzt den Lohn für all' den erlittenen Kummer findet, hat mich gelehrt, was Liebe bedeutet und wenn Sie meine aufrichtigen, ernsten Gelöbnisse erhören wollen, können wir ein Glück kennen lernen, Marian, wie wir es nie in den Tagen ununterbrochenen Wohlergehens gefunden haben. In Gegenwart Derer, welche das größte Interesse an unserem, an Ihrem Schicksal haben, bitte rch Sie, meine geliebte Braut zu werden."
Marians Antwort war den Ohren der Umstehenden nicht hörbar, ausgenommen dem Bewerber, der um ihre Antwort bat Daß sie aber die uneigennützige Aufrichtigkeit des Herzogs zu schätzen wußte, mag aus der unbestreitbaren Thatfache hervorgehen, vaß zwei glänzende Hochzeiten an einem Tage in ?
der Kapelle von Schloß Biddulph und Villa Faro gefeiert wurden, und daß die beiden Bräute Cora, Gräfin von Marston, und Marian Biddulph waren. —
Madame Sans Gsne.
Roman «ach Victorten Sardou und F. Morr«««. Deutsch von Adel, Berger.
(Fortsetzung.)
Gofsin, der Bürgermeister, flüsterte dem Präsidenten ins Ohr: „Mein armer, lieber Termaux, wenn der Gesandte Braunschweigs alles sagt, ist dieser Schnapphahn von Beaure- paire im Stande, uns alle durch seine Briganten füsilieren zu lassen."
„Ja, mein armer Gofsin, das befürchte ich auch," antwortete der Präsident traurig.
Aber Neipperg begnügte sich, geschickt ausweichend, zu sagen: „Ich hatte nicht die Zeit, die Ansicht dieser Herren zu hören. Sie übernahmen ja die Antwort an den Generalissimus."
Diese Offenheit gefiel Beaurepaire, und er antwortete sogleich: „Ihre Mission ist also erfüllt, mein Herr! Wollen Sie mir gestatten, daß ich Sie selbst zu dem Vorposten geleite?"
„Commandant, ich stehe zu Befehl!"
Ehe Beaurepaire den Saal verließ, wandte er sich noch einmal zu dem Präsidenten und dem Bürgermeister.
„Meine Herren," sagte er, „ich habe meinen Leuten versprochen, mich mit ihnen eher unter den Ruinen von Verdun zu begraben, als die Stadt zu übergeben. Ich hoffe, daß Sie meine Ansicht theilen."
„Aber, Commandant, wenn die ganze Stadt kapitulieren wollte!" rief der Präsident- „Wenn die Einwohner sich weigerten, sich bombardieren zu lassen, würden Sie trotz einer ganzen Bevölkerung fortfahren, ein mörderisches Feuer zu unterhalten? Sagen Sie, was würden Sie thun? Wir erwarten Ihre Antwort."
Beaurepaire dachte einen Augenblick nach, und dann brach er los: „Wenn Sie mich zwingen, die Stadt zu übergeben, so will ich mir — hören Sie es meins Herren — ehe ich diese Schande ertrage, und meinen Schwur breche, lieber eine Kugel durch den Kopf schießen. Ich habe e» geschworen, Verdun bis zum Tode zu vertheidigen."
Er schritt der Thüre zu, dann kam er rasch wieder zurück, schlug mit der Faust kräftig auf den Tisch und wiederholte: „Ja, bis zum Tode, bis zum Tode!"
Er entfernte sich, von Neipperg gefolgt, und ließ die Honoratioren in großem Entsetzen zurück.
„Er will sich umbringen? Meiner Treu, daswäre eine große Erleichterung für alle Welt," sagte Lowendaal, der eben geräuschlos in den Berathungssaal ^zurück-gekehrt war.
Alles eilte auf ihn zu und befragte ihn, was in der Stadt vorgehe.
„Von beiden Seiten wird fest bombardirt," sagte er mit seinem skeptischen Lächeln. „Die Freiwilligen laufen wie Wiesel über die Wälle. Ach, diese Lassen vom 13.1 Sie haben eine Art weiblichen Teufel bei sich; die Frau des Kapitäns Lefebvre, sagte man mir, eine Marketenderin, die wie verrückt hin- und herläuft, Munition herbeiträgt, sich an die Geschütze spannt, aus den preußischen Granaten, die auf den Wellen niederfallen, die brennenden Lunten herausreißt — ich glaube wirklich, daß sie schon mehrmals die Gewehre von neben ihr gefallenen Voltigeuren aufgerafft mb sich nicht eher entfernt hat, als nachdem sie sie avgefeuert hatte wie ein Mann! Glücklicherweise gibt es nicht viele solcher Soldaten wie diese Amazone, sonst kämen die Oesterreicher nie herein."
„Sie hoffen also noch, Baron?" fragte der Präsident.
„Mehr als je. Ich sage Ihnen ja, das Bombardement war nothwendig. Die Einwohner halten noch keinen genügenden


