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gebracht hatte.
LXVIII.
ent» dem un-
und sein Auge auf das vornehme und interessante, doch schieden nicht mehr junge Gesicht der Same, die neben Herzog von Dunbar stand, fiel, da war ihm Alles noch
erklärlicher wie bisher.
„Verstand ich recht? Ist diese Dame die Gräfin Belfort?" fragte er bei der Begrüßung den Grafen etwas
erstaunt.
„Ganz recht, Graf Treville," erwiderte Ernst Belfort, „nur mit dem kleinen Zusatz, daß sie die Mutter und nicht die Gemahlin des jungen Mannes ist, über dem so lange eine Gewitterwolke geschwebt hat. Das ist ohne Einfluß auf die Angelegenheit, die uns hierhergeführt hat, da der unglückliche Streit zwischen mir und Ihrem Bruder nicht nur längst beigelegt ist, sondern auch ernste Zweifel über die wahre Ursache von Lord Faros Tod aufsteigen. Und erlauben Sie mir zu sagen, daß die Natur dieser Verhältniffe derart ist, daß sie wohl kaum die Oeffentlichkeit vertragen," setzte er mit einem Blick auf Lady Belfort bedeutungsvoll hinzu.
„Nun, das beruht auf Ansichten. Jedenfalls habe ich mich bisher jeder Maßregel, meines Bruders Tod zu rächen, enthalten," lautete die Antwort des Grafen. „Darf ich Sie bitten, zur Sache zu kommen? Ist diese Dame, die so lange für tobt gehalten wurde, wieder erschienen, um sich von ihres Sohnes Sicherheit zu überzeugen?"
„Doch nicht so ganz," sagte jetzt die Gräfin. „Eine weniger selbstsüchtige Angelegenheit war es, die mich herführte, Mylord. Und doch steht sie in naher Beziehung zu Ihrem verstorbenen Bruder und der vermeintlichen Ursache seines Todes. Ich spreche von der namenlosen Waise, die er in sein Haus nahm, von Cora vom Meere- Es sind sehr bemerkens- werthe Ereignifie an's Licht gekommen. Es ist sehr viel Grund zu der Vermuthung vorhanden, daß die in Frage stehende junge Dame die Erbin eines alten Namens und großer Besitz« thümer und die rechtmäßige Eigenthümerin einer Pairschaft ist, die jetzt eine Andere besitzt. Und da Ihr Sohn der Erste war, der sie aus ihrer hoffnungslosen Gefangenschaft rettete, hielt ich es für eine keineswegs unschickliche oder unnütze Förmlichkeit, Ihnen die Thatsachen mitzutheilen, die wir entdeckt haben und Sie zum Beistand aufzufordern."
Und als Graf Trevilles Züge allmälig weicher wurden und sein Auge dringend um weitere Erklärung bat, da gaben die unerwarteten Gäste in freundlicher Weise Bericht über die Einzelheiten der seltsamen Behauptung, welche die lang abwesende Mutter Ernst Belforts durch Zufall in Erfahrung
Lady Marston stand vor den Bildern, vor welchen Cora damals gestanden, als Frau Aston sie überraschte. Sie studirte die Gestchtszüge der schönen Frau mit einem neuen, unerklärlichen Interesse. Nicht nur die Schönheit war es, welche die Gräfin jetzt so mächtig anzog, sondern die auffallende Aehnlich« keit mit einem Mädchen, das sie nicht vergessen konnte: Die namenlose und doch so mächtige Cora! Das Porträt hatte eine wunderbare Aehnlichkeit mit dem unbekannten Findling.
Es bemächtigte sich Lady Martans eins Angst, welche sie sich nicht zu erklären wußte.
„Diese Ungewißheit ist entsetzlich!" murmelte sie. „Ach, wenn ich doch nur die Wahrheit wüßte!"
Kaum hatte sie die Worte gesprochen, so hörte man
„Gräfin Belfort!" rief Netta erregt. „Gerechter Gott! Rupert . . . Ernst ist doch nicht schon verheirathet? Wer in aller Welt könnte es sonst sein? Soll ich gehen und nachsehen?"
Und hastig sprang sie auf, um ihre Absicht auszusühren, aber Graf Treville mischte sich ernst dazwischen.
„Nein, Netta, es ist vielleicht ein Jrrthum . . . aber jedenfalls ist es nicht Deine Sache, zu sehen, wer Lord Belforts Gemahlin ist und was sie von mir wünscht."
Und sie von der Thür wegschiebend, die sie inzwischen erreicht hatte, öffnete er dieselbe und schloß sie mit festem Griffe wieder hinter sich, während Rupert und seine Gemahlin aus's Höchste neugierig und überrascht zurückblieben.
Als Graf Treville die Thür zum Bibliothekzimmer öffnete
einen Wagen sich rasch nähern und schließlich vor dem Thole halten.
Einen Moment stand sie zögernd und unentschlossen da, aber im nächsten Moment flog sie nach der Thür, verschloß sie hastig hinter sich und begab sich rasch in ihre Gemächer zurück.
Dort wartete bereits ein Bote auf sie in Gestalt der treuen Frau Aston, die ihr mit bleichem Gesicht und vor Aufregung zitternden Lippen entgegentrat.
„Ach, meine theure Lady," sagte sie erregt, „bereiten Sie sich auf etwas Schlimmes vor! Es sind Gäste da, die ohne sehr wichtigen Grund nicht kommen würden . . . Graf Tre- ville, der Herzog von Dunbar, Lord Belfort, Miß Cora und noch eine Dame ... sie wünschen Sie in wichtigen Angelegenheiten zu sprechen und meinten, ich könne bei Ihnen bleiben, da es möglich sei, daß ich gebraucht würde. Mein liebes, liebes Kind — denn ich liebe Sie wie eine Mutter, Mylady, — fassen Sie Muth und vergessen Sie nicht, daß Sie zu der alten Familie gehören, wenn auch nicht in direeter Linie, und daß Sie sich unter allen Umständen als eine wahre Biddulph zeigen müssen."
Wenn Marian Biddulph je ihrer Geburt würdig aus- gesehen hatte, so war es in dem Augenblick, als sie mit stolzer Anmuth die beiden Edelleute begrüßte und sich dann mit halb fragender, kalter Miene zu Cora und der unbekannten Dame wandte.
„Bermuthlich erfahre ich bald, welcher Veranlassung ich diese ungewohnte Zahl Gäste verdanke?" sagte sie kalt und stolz. „Ich kann kaum annehmen, Graf Treville, daß es nur ein Beweis freundschaftlicher Aufmerksamkeit ist."
„Sie haben recht, meine liebe Lady," sagte der Graf, „es ist keine gewöhnliche und in vielen Beziehungen auch keine angenehme Angelegenheit, die uns heute herführt, aber ich glaube, wir erweisen Ihnen mit der quälenden Erwartung keinen Gefallen und darum will ich sofort zur Sache kommen: Diese Dame hier ist Lord Belforts Mutter, die man für tobt gehalten," schaltete er mit einer leichten V-rbeugung gegen diese ein, „aber in diesem Augenblick haben wir nichts direct mit ihr zu thun. Sie werden sich erinnern, daß ich Ihnen vor nicht langer Zeit andeutele, man habe ein eheliches. Kind Philipp Biddulphs und Ida Merricks entdeckt. Die Beweise für die Abstammung dieses Kindes liegen nun vor und dasselbe ist demnach Erbin der Titel und Besitzungen, deren Sie sich eine Zeit lang erfreut haben. Es ist ein schmerzlicher Umschwung, meine liebe junge Lady, den aber glücklicherweise nicht die geringste Schande ober der leiseste Vorwurf begleitet, und ich hoffe, daß noch eine höhere und glänzendere Stellung Ihrer harrt."
Jetzt waren Marians Lippen leichenblaß, aber ihre Stimme zitterte nicht, als sie antwortete: „Wer ist meine Rivalin? Wo sind die Beweise, Graf Treville?"
„Bermuthlich sind Sie ziemlich im Klaren darüber, wer Ihre neue Verwandte ist," erwiderte der Lord. „Miß Cara, treten Sie näher und erlauben Sie, daß ich Sie Ihrer Cousine als die jetzige Gräfin Marston vorstelle."
Cora trat mit einer Schüchternheit näher, die sie als das namenlose Findelkind nie gezeigt hatte.
„Können Sie mir verzeihen? Können Sie mir freundlich gesinnt sein?" sagte sie. „Ich habe so viel gelitten und doch ist mein einziges Vergehen, daß ich am Leben geblieben bin, um Ihnen Ihre Stellung zu entreißen."
Der freundliche Ton und die demüthige Miene Coras rührten Marians Herz ein wenig, aber die Prüfung war dach eine zu harte, um sie geduldig zu ertragen.
„Erst muß ich Beweise haben . . . Beweise!" sagte sie- „Dann ist es Zeit genug, von Verzeihung und Freundschaft zu sprechen. Graf Treville, Sie Ernst, der Herzog sind vielleicht so freundlich, mich aufzuklären."
„Die einfachen Thatsachen sind folgende," nahm der Herzog das Wort. „Es hat sich ganz unbestreitbar heraus- gestellt, daß sich Graf Philipp Biddulph und seine Gemahlin mit ihrem Kinde an Bord der „Seemöve" befanden, die bet


