Ausgabe 
6.7.1895
 
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Redaktion: A. Scheyhg.

und Halbschatten erfüllte und murmelte nach genauer Unter­suchung des Papieres:Sie hat es selbst geschrieben, die Handschrift kann sie nicht ableugnen. Wie naiv dieses Kind ist! Sie wird es bereuen, war fie in einem Moment der Erregung und Ueberreizung der Nerven erzählt hat. Glücklicher­weise bin ich es, dem ste die Sorge für ihre Ehrs und ihr Glück anvertraut hat!"

Einen Moment schien er zu zögern, dann steckte er den Bries in die Tasche und sagte:Fräulein Blanche wird vielleicht eines Tages viel zahle», um diesen Brief zurückzu- bekommen später, wenn sie Baronin Lowendaal geworden sein wird dann werde ich sehen, was für einen Preis ich dafür zu stellen habe."

Und Leonard betastete, nachdem er sorgfältig seine Weste zugeknöpft hatte, den verrätherischen Brief, wie um sich zu vergewiffern, daß er noch immer im Bereiche seiner Hände sei, mit der geheimen und wilden Freude des Wucherers, wenn er den Wechsel betrachtet, der das unvor- sichtige Opfer, das ihm feine Unterschrift gegeben, in seine Macht liefert.

Dann begab er sich wieder zum Baron, der nach be- endetem Frühstück bereits ein wenig unruhig war, da sich vor dem Hofe des Hotels Neugierige ansammelten und die Postchaise betrachteten. Er hatte bereits zweimal gefragt, warum man nicht anspanne.

Leonard erklärte seine Abwesenheit damit, daß er Er« kundigungen eingezogen habe, ob sich auch kein Hinderniß der Abreise entgegenstelle.

Der Baron stieg ganz beruhigt und in sehr guter Laune in seine Postchatse, die bald donnernd über das Pflaster rollte, das nun nicht mehr dem Könige angehörte.

II.

Bei der Obsthändlerin.

Auf der Schwelle ihres Obstladens in der Rue de Montreuil in Versailles bediente Mutter Hoche ihre Kunden, indem ste dabei einen mütterlichen Blick auf einen kleinen rosigen, pausbäckigen Knaben warf, der unter Haufen von Kohl und hochaufgeschichteten Carotten auf dem Boden spielte.

Henriot! Henriotl Wirst Du das nicht in den Mund stecken! Du wirst Dir etwas thun!" rief sie zuweilen, wenn der Kleine versuchte, an einer Rübe zu saugen oder in eine Steckrübe zu beißen.

Dabei fuhr die gute Frau fort, den Forderungen der Hausfrauen zu entsprechen, indem sie vor sich hinbrummte: Was das kleine Zeug für einen Appetit hat! Alles rührt er an. Er ist aber doch reizend."

Plötzlich stieß sie, ihr heikles Geschäft unterbrechend, das darin bestand, einer Bürgerin, die Salat kaufte, Würz- kräuter zuzumeffen, einen lauten Schrei der Ueberrafchung

Auf der Schwelle der Thür, gefolgt von einem Lieutenant, der einer frischen und einnehmden jungen Frau im Sonntaas- staat, ganz emgewickelt in ein Muffelinkletd und auf dem Kopfe eine hohe, in Röhrenfalten getollte Haube, den Arm großer Mann mit stolzer Miene und martia- ft die Uniform eines Grenadier», lächelte und

streckte die Arme aus. uno

"Nun, Mutter Hoche, kennt man mich denn nicht mebr?" sagte er, rasch vortretend und die gute, gerührte unb greube unb Stolz zitternde Frau an die Brust drückend.

Die erstaunten Kunden betrachteten das einiae

** dem Laden stehende Kabriolet,das beniunVÄ seine beiden Begleiter von Paris gebracht batte. Man b,e. g??z neue Uniform, den Hut, die Schärve den Gürtel und die Goldquaste am Säbel deä jung?» Sol.'

»Er ist ein Kapitän," murmelten die Gevatterinnen.

Gewiß, ich kenne ihn," sagte eine,dar ist der kleine Lazare', der Reffe der Obsthändlerin, den st« wie ihren Sohn erzogen hat. Wir haben ihn mit seinen Spiel, kameraden auf dem Place d'armes spielen sehen und jetzt ist er Kapitän." 1

"3a, gute Mama," sagte Lazare Hoche zu seiner aus­gezeichneten Tante und Adoptivmutter,jetzt bin ich Kapitän- nicht wahr, das ist eine Ueberrafchung! Freilich bin ich erst gestern nach der Anciennität ernannt worden, aber ich werde die verlorene Zeit einholen, das schwöre ich Dir- Gleich nach der Ernennung bin ich hergeeilt, um Dich zu umarmen. Ich wollte, daß Du die erste seiest, die auf meine Ernennung iriukt denn ich lade mich mit meinen zwei Freunden bei Dir ein."

Und Hoche stellte seine Begleiter vor.

Francois Lefebvre, Lieutenant, ein Kamerad von der französischen Garde. Er hat mich einexerziert," sagte Hoche, indem er seinen Gefährten vertraulich auf die Schulter klopfte.

o. * W bist Du mein Vorgesetzter," antwortete Lefebvre fröhlich.

,,O, Du wirst mich schon noch einholen, vielleicht über- holen. Der Krieg ist eine Lotterie, wo Jeder eine gute Nummer ziehen kann wenn er am Leben bleibt. Aber laß mich die Vorstellung beendigen. Mama, da» ist die gute Catherine, die Frau meines Kameraden Lefebvre," fuhr Hoche fort, indem er auf die Exwäscherin au» der Rue Royale Saint-Roch zeigte.

Catherine trat lebhaft ein paar Schritte vor und hielt, ohne sich zu zieren, beide Wangen der Obsthändlerin hin, die sie warm küßte.

r "£ttb jetzt," sagte Hoche,da die Bekanntschaft schon geMoffen ist, wollen wir Dich einen Augenblick verlaffen,

Wie, Ihr geht schon?" sagte die gute Frau un- zufrieden.Da war es ja gar nicht der Mühe werth, zu kommen." . (Fortsetzung folgt.)

G-nreinnützigrs.

, . Sungc jgr&fcn nach französischer Art. Ma» bringt die Erbsen mit einem guten Stücke Butter, Zwiebel, Salz und einer kleinen Dosts Zucker in eine Kasserole, rührt ^steißig um und läßt sie gar werden, ohne eine andere Flüssigkeit als vier bis fünf Eßlöffel aufgelösten Liebig» Fleifchextract beizugeben, worauf man die Kasserole zudeckt Im Momente des Anrichten» verrührt man ein Eigelb in ^^M"r Butter, bringt diese Mischung auf eine Schüssel und schüttet die Erbsen darüber.

-...»,ww.

Literarische»

Die uns vorliegende neueste Nummer toon

b«r Hausfrau!" (Verlag Friedrich Schirme * Rerlin^W LVLLu» ä*

di- Ang-l-g-nheiten de, £au&ßaflBl8b«CK ti6k Zuschrift LeitartikelDas ce-Lte M ° b" Mode und Hanvarbeiten. Die feit" sind so recht aee-^t auä bem 4 B C der Reinlich,

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