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Md sie lebt Biet? Kein Wunder bann, daß sich des alten $ Hausglocke gezogen. Dann kamen Schritte die Treppe herauf Admiral» Gesellschaftsräume so füllen." | der Herzog von Dunbar wurde gemeldet und trat in dar
„Ich glaube nicht, daß sie bei ihm wohnt," versetzte der I Zimmer.
Graf. „Ich sah sie mit jener jungen Dame und dem neben I „Verzeihen Sie, daß ich etwas später als gewöhnlich ihr stehenden Herrn kommen." I komme," sagte er und hielt ihre Hand einen Moment länger,
Und er wies auf Trissa und Granville hin. 8 als nothwendig war, in der seinen, „aber ich habe gestern
Dar war dem Herzog nur eine unvollkommene Auskunft, I einen Besuch gemacht, der Sie interesstren dürfte. Entsinnen denn Triffa und Granville waren ihm völlig fremd. Aber I Sie sich noch meines seltsamen Abenteuers zwischen den Bergen?" er konnte ihren Namen erfahren und leicht eine Vorstellung j „O ja!" erwiderte sie kühl.
herbeiführen, ohne weiter Verdacht zu erregen, daß er sich | „Nun, ich hegte immer eine lebhafte Neugier, den Grund nach der seltsamen Doppelgängerin des Bergmädchens erkun. I zu erfahren, weshalb das seltsame Mädchen sich zu einer digen wollte. I demüthigenden Bitte herabgelassen hatte und was dann aus
„Sir Fulks, wollen Sie mich Ihrem jungen Neffen vor» I ihr wurde." .
Men?" sagte er nach einiger Zeit. I „Und haben Sie sie gefunden?" frug Marian erschreckend.
„Sie sind sehr freundlich, durchlauchtigster Herzog," ent- „Gestern Abend besuchte ich eine Gesellschaft bei Sir Fülle, segnete der alte Baron, „aber der junge Mann ist keine I Als ich mich dem Musiksaale näherte, hörte ich eine herrliche «affende Gesellschaft für Sie. Er muß sich seinen Weg selbst I Stimme und als ich mich durch die Menge drängte, sah ich, durch die Welt bahnen." I daß die Sängerin auch sehr schön war und ihre Züge glichen
„Nicht doch, lieber Baron!" entgegnete der Herzog sreund- I auffallend jenen des Mädchens, dem ich zwischen den Bergen lich. „Vielleicht kam ich ihm von Nutzen sein . . . jedenfalls I begegnete und das Sie für die Adoptivtochter des Lord Faro verspreche ich, ihm mit meiner zufällig hohen Stellung nicht | hielten. Sie können sich mein Erstaunen denken, den Kopf zu verdrehen. Doch, wenn Sie mir den Sohn nicht g „Und Ihre Freude! warf Lady Marian mißtrauisch ein.
anvertrauen wollen, so haben Sie vielleicht nichts dagegen, I „Und meine Freuds I" entgegnete der Herzog ruhig und
mich der Mutter vorzustellen?" setzte er mit liebenswürdigem I unbekümmert um den zornigen Blick Lady Marian».
Lächeln hinzu. I „Natürlich ließen Sie sich vorstellen?" fuhr die Erbin
Diese neue Bitte ließ den Baron ein wenig von der | bitter fort.
Wahrheit ahnen. I „Das gelang mir gerade nicht," versetzte er. „Doch ge»
So stellte er denn den jungen Herzog seiner Nichte vor. I lang es mir, mich der Dame vorstellen zu lassen, bei der sie
8 als Sir Fulkes Schützling lebt und die eine sehr hübsche XLI. | Tochter hat. Ich hoffte, all' meine Zweifel befriedigen zu
Lady Marian Biddulph war in dieser Saison die ®e* können. Man ließ mich aber gar nicht vermuthen, daß es
feiertste von all' den jungen Damen ihres Kreises gewesen. noch ein anderes Familienmitglied gab, so daß ich auch nicht
Und doch war sie gereizt und verstimmt. Sie hatte einen | wagen konnte, nach ihr zu fragen. Ich fiel in der That
stolzen Character und doch war sie sich in ihrem Innersten I gründlichst ^"schloß er ärgerlich.
bewußt, daß ihr der Muth fehlte, den ein namenloses Findel- I ^.ar anM ä^eI U^^ r^f lieber Sertoa?"
kind gezeigt hatte. Sie liebte den Herzog von Dunbar nicht I „Soll ich sagen, daß Ihnen recht geschah, lieber Herzog? und würde ihn vielleicht früher zurückgewiesen haben, wem I antwortete sre- „Ihr Besuch S^ah doch unter falschen Vor« er ihr einen förmlichen Antrag gemacht hätte. Doch auch Der- spiegelmgen. Es befremdet i«^brtzms, daß ckl FrmÄ ÄMZXSÄ ”» ÄXTXÄÄ’S LIÄ'M-'.
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Ladu Marian faßte sich, daß dis Schuld daran die un- | „Erstens nennen Sie mich nur den Freund Ihres Vaters - bekannte Fremde trug. I und ich kann nicht einsehen, was es mir schaden könnte, wenn
Alles hatte Cora verschuldet! Sie war das Gift ihres | ich in dem jungen Mädchen die Befreierin des interessanten Lebens, das Hemmniß ihres Glückes, die Zerstörerin ihres Lord Belfort wieder erkenne und dadurch. !ed« ftrn ren Friedens. | Seandal verhindere und Ihnen und Ihrem Vater jeden Aerger
Und wie sie daran dachte, galten ihr der Rang, der I erspare."
Reichthum, die Huldigung nichts, so lange diese Unbekannte die | Marian biß sich aus die Lippen. M r
Liebe Dessen besaß, der ihr scheinbar immer noch huldigte. | „Ich lasse Ihnen zu sehr Gerechtigkeit Zerfahren, ast
Diesem verwöhnten Kind des Glückes war seine Laune I daß ich glaubte, eine solche Kleinigkeit könne Ihnen Aergerniß vielleicht zu verzeihen. Es war hart, zu sehen, daß sie mit I bereiten," versetzte er Eg- ,
all' ihren Vorzügen sich nicht die freiwillige Liebe Dessen er» I „Und wenn ich diese Kleimgke t nun als Probe JJter Eben konnte den sie liebte. Zuneigung zu mir ansehe?" entgegnete Marian, bemüht, ihm
Doch hätte sie wohl kaum mit dem unglücklichen, aber | Aerger unter einem kalten Benehmen zu verbergen, bevorzugten Mädchen tauschen mögen, wenn sie damit auch | „Ich würde bedauern, daß eine so nichtssagende Veran auf ihren Rang und Reichthum, die sie jetzt für werthlos er» j lassung ms trennt," lautete die ruhige Antwort, achtete, hätte verzichten müssen. So saß sie in ihrem luxuriösen j „Sprechen Sie im Ernst, Herzog, oder ist e» eine An Boudoir und balaneirte den Zeichenstift müßig zwischen den I wort auf das, was Sie „nichtssagende Kleinigkeit nennen
Fingern, während sie sich trübseligen Gedanken an die Ver» I fragte sie stolz. „
gangenheit und Zukunft hingab. I „Das zu entscheiden überlasse ich ^Hnen, Lady M
Wo war Hugo, der Herzog von Dunbar, ihr jetziger Be- I „Das heißt, Sie sind gern bereit, ledes Band zu z
werber? Hatte auch er feine Huldigungen eingestellt? Viel- | reißen, das, wenn es auch noch so leicht war, zwischen un»
leicht wäre es doch klug von Marian gewesen, dem edlen I bestand?" fragte sie kalt. ,
jungen Herzog die Hand zu reichen? Aber gestern und heute „Ich bin bereit, mich Ihren ausgesprochenen Wünfchen war der Herzog noch nicht gekommen. | zu fügen, Lady Marian. Ich will weder mißverstanden
„Die Diener können meine Befehle doch nicht mißverstan- I noch mir Vorschriften machen lassen, obwohl ich bereit w den haben? Sie wissen doch, daß ich für den Herzog zu Hanse | zu warten, bis Sie sich für eine entscheidende Antwort Bin," murmelte Marian vor sich hin. ein Anerbieten entschließen würden, das ich die Ehre haue,
Aber als ihre Hand nach der Klingel griff, um diesen j Ihrem Herrn Vater, Lord Marston, für Sie! zu machen, möglichen Jrrthum zu beseitigen, wurde abermals an der " „Und das anzunehmen ich nie geneigt war! er


