Ausgabe 
5.10.1895
 
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NiNrrhiMungsblatt jitnt Gießener AMiger (Oeneral-Awriger).

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Ihr Vermächtniß.

Roma» »on Maximilian Maegeli»

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Schweigend legte der Oberförster den Brief zusammen und blickte den Baumeister an, der unbeweglich an einem Bücherregal gelehnt stand.

Und nun, Herr Baumeister," fuhr der Oberförster nach einigen Augenblicken fort,nun wollte ich Sie eben bitten, mir jenen Herrn suchen zu helfen, denn Sie kommen ja oft nach Graudenz, wo er wohl schnell zu finden ist, wenn er überhaupt dort ist, im anderen Falle werden wir ja dann weiter sehen."

Behutsam legte er die Briefe in das Schubfach und nahm etwas anderes heraus.

Diesem Briefe," sagte er und sah nach dem Bau­meister, waren auch zwei Bilder meiner Verwandten (beige* fügt," und er überreichte ihm das Eine.

Mit tiefer Wehmuth betrachtete Heyd lange das Bild wie traumverloren und nur mit Mühe konnte er seine Auf­regung verbergen.

Ehre dem Andenken dieses edlen Mannes Ruhe in Frieden," sagte der Baumeister mit bewegter Stimme und gab das Bild zurück.

Und hier ist das Bild seiner Tochter," sagte der Ober­förster und reichte es ihm.

Mit tiefster Rührung betrachtete es Heyd und Thränen fielen herab. Schweigend reichte er es dem Oberförster zurück, der des Baumeisters Rührung sah. Er wußte, daß Heyd ein weiches Gemüth hatte und hielt diese Theilnahme auf stch beziehend.

Werden Sie bald nach Graudenz kommen?" fragte er nach einer Weile-

Vielleicht bald," erwiderte Heyd und zog seine Brief­tasche heraus. Aus einer inneren Tasche entnahm er ein Bild und reichte es schweigend dem Oberförster-

»Herr Baumeister," rief dieser erschreckt,das ist ja das nämliche Bild meiner Nichte, woher haben Sie er!"

Still ruhten die Blicke der Männer wenige Sekunden auf einander, dann sagte er ruhig:

Ich bin der Baron Dietrich Arthur von der Heyd, Hertha Sandow war meine Brauti"

Erschrocken taumelte der Oberförster zur Sette, doch Heyd hatte ihn schnell erfaßt und beruhigte ihn.

O, Gott im Himmel, wie ist es nur möglich!" rief der Alte und faltete seine Hände.

Welch ein edler Mann!" Thränen glänzten in seinen Augen. Er sah wie abwesend hinüber zu den alten Buchen, die still ihre Wipfel hin und herneigten.

Schweigend fahen sich die Männer wieder ins Auge, dann reichte der Baumeister dem Alten die Hand und sagte: Lasten wir diese edlen Menschen in Frieden ruhen dem Auge fern dem Herzen ewig nah I Wunderbar sind die Schicksalsfäden der Menschen, die oft verworren nach schweren Kämpfen und bitteren Enttäuschungen endlich zurückkehren zur Hand des Allmächtigen, von dem sie ausgegangen! Fragen wir uns, warum der Schöpfer gerade jenen edlen Mann so schwer geprüft hat, den Mann, der seinen Mitmenschen so unendlich viele Wohlthaten erwiesen? Warum hat er ihn gerade so viel leiden lasten, ihn, der so oft seine Blicke nach oben richtete und auf den Höchsten baute? das war ihm bestimmt, das war sein Vermächtniß das war Gottes Wille und sein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden."

Der Oberförster wischte sich eine Thräne aus seinem ernsten Gesicht und blickte stumm auf Heyd. Dieser aber lächelte ein wenig und sah nach seiner Uhr.

Herr Oberförster, ich muß Sie nun vielmals um Ent­schuldigung bitten, so leid es mir auch thut, denn der Herr Baurath ist heute auf meiner Strecke, um mir die Bauten abzunehmen.

Am Sonntag werde ich dann wohl für lange Zeit zum letzten Mal zu Ihnen kommen, um Abschied zu nehmen von Ihnen und dem trauten Lindenheim."

Beide stiegen dann die Treppe hinab und Heyd sogleich in den angespannten Wagen.

Grüßen Sie mir, bitte, Ihr Fräulein Tochter und ß auf Wiedersehen am nächsten Sonntage, Herr Oberförster,"