Ae Lefilircom im Berliner Königsschlofse.
Als der Kaiser und die Kaiserin am vorletzten Mittwoch die Thronstufen des Rittersaales betreten hatten, zeigte sich das große Hofbild wieder vollständig in seinem Glanze, seiner Pracht in den Toiletten und dem Farbenschimmer der Uniformen. Von allen Seiten strahlte Licht und Gold den Eintretenden entgegen, die vom Orchester mit rauschender Musik empfangen, durch ein Spalier von Hospagen, an den Prinzen und Prinzessinnen vorbei, bis vor die Stufen des Thrones schritten, um durch eine Verbeugung zunächst vor dem Kaiser und dann vor der Kaiserin ihren Throngruß zu entbieten. Neben ihrem Gemahl stand die Kaiserin, deren Gestalt von dem Purpursammet der Rückwand des Thronbaldachins sich prächtig abhob, in vollster Lebensfrische. Sie trug eine goldschillernde, siibergestickte Schleppe und Orangeband und Brillantstern des höchsten preußischen Ordens, mit den großen Kronbrillanten in Collier und Diadem und dem langen weißen Schleier, dem characteristischen Toilettenzeichen für den großen ceremoniellen Vorgang einer Cour. Von den Damen stand zunächst dem Thron die Prinzessin Heinrich mit heller Schleppe, Silberbrocat mit Lichtblau, und Schmuck von Brillanten in Collier und Diadem. Auf ihrer Seite die Frau Prinzessin Friedrich Karl in weißer gestickter Atlasrobe mit Schleppe drap d’argent mit Hermelin besetzt, dem Bande des russischen KathartneN'Ordcn», reichem Brillantdiadem und Halsgeschmeide. Die Prinzessin Friedrich Leopold war erschienen mit großer weißseidener Courschleppe mit kostbarer Silberstickerei, dazu Smaragden im Diadem und dem übrigen Schmuck. Prächtig war die Robe der Prinzessin Albrecht, mit einer Courschleppe in Sammet von ganz eigenartigem Roth mit erhabener Stickerei; kostbar war auch der Schmuck; da« Haupt zierte ein Diadem von großen Brillanten und herabhängenden birnenförmigen Perlen. Eine Reihe großer Boutons von Brillanten glänzte an d er rothsammetnen Taille, in deren Mitte eine Agraffe mit einem einzelnen koloflalen Brillant strahlte. Als eine sehr kostbare Schleppe muß ferner die der Prinzessin Friedrich von Hohenzollern bezeichnet werden, auf deren Grund die rosa Farbe mit der bläulichen changirte; die Schleppe war in ihrer ganzen Breite mit Spitzenarabesken bedeckt, die eigens nach den Angaben der Prinzessin gefertigt sind. Das Unterkleid war rosa Atlas mit rosa Sammet- rosetten besetzt, den Saum faßte Zobel mit rosa Sammet- besatz ein. Das Collier wurde aus Blättern gebildet, die, aus großen Brillanten zusammengesetzt, auf rosa Band geheftet waren, während ein Doppeldiadem das Haar schmückte. Prinzessin Victoria von Schaumburg-Lippe trug eine Silber- brocat-Schleppe mit Zobel, und ihre jüngere Schwester Prinzessin Friedrich Karl von Hessen eine lichtweiße Schleppe mit reicher Goldstickerei, dazu Brtllantdiadem und Brillantriviöre um den Hals. Die anderen fürstlichen Damen trugen meist helle Schleppen, doch alle mit reicher Gold- und Silberstickerei. Die Doyenne des diplomatischen Corps, Lady Ermyntrude Malet, die die Damen der anderen Botschaften vorstellte, erregte durch die Pracht und den Glanz ihrer Toilette die allgemeinste Bewunderung. Die Schleppe war aus hellgelbem Sammet gefertigt mit überreicher Goldstickerei und garniert mit echten Valeneiennes-Spitzen. Der Schmuck an Edelsteinen repräsentirte ein fürstliches Vermögen; das blätterartig zu- fammengestellte Collier mit den langen Brillantgehängen hat auf der letzten Pariser Weltausstellung den ersten Preis erhalten, die Brtllantkrone auf dem Haupte trug die Mylady bei der Cour zum ersten Mal; sie ist ein Geschenk ihrer Mutter und stammt ans dem Familienschatze der Herzöge von Bedford. In der Reihe der fürstlichen Damen vermißte man diesmal dir Fürstin zu Stolberg-Werntgerode. Fürstin Pleß hatte die grüne Farbe gewählt; auf der dunkelgrünen Schleppe erhob sich eine kostbare, erhabene Goldstickerei, mit der auch die Taille garnirt war. Etwas ganz Apartes war
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। eine goldgelbe Brocat - Solei! - Schleppe, deren Taille mit I echten Perlen traubenartig garnirt war, während feine seidene | Spitzen den Saum der Robe einfaßten. Man bezeichnete als Trägerin die Fürstin Hatzfeldt. Frau Minister von Boet- ticher erschien mit hellblauer silbergestickter Schleppe auf elfenbeinfarbigem Atlasunterkleid mit reicher Silberspitzengarnitur. Die elegante Erscheinung der Freifrau von Schrader trug eine Courschleppe aus drap d’or mit selten schönem Zobelbesatz; ebenso war das Unterkleid volantartig mit Zobelstreifen besetzt, das aus goldgesticktem Tüll, mit Blumen verziert, bestand. Gräfin Rechteren-Limpurg erschien mit einer Goldbrocatschleppe ä la Watteau über einem Unterkleids von ci6me Atlas mit alten venetianischen Spitzen garniert. Die bei Hose neu vorgestellte Gräfin ist eine große brünette Erscheinung von auffallender Schönheit. Von Jugendfrische strahlte die Gemahlin des niederländischen Legationssecretär» EyS van Lieden, die über einem weißen Brocatunterkleide eine Schleppe von veilchenblauem Sammet trug; Taille und Aermel zeigten reiche Silberstickerei.
VeviMehtes.
Die leidenschaftliche Sucht, alle Fremdwörter aus der deutschen Sprache auszumerzen, hat jetzt schon manchen „Kalauer" zu Wege gebracht. Die neuesten sind: „Wie sagt man für ortentiren?" — „Morgenländern." Und eine andere Scherzfrage lautet: „Wie heißt der deutsche Ausdruck für massiren?" — Antwort: „Kneten." — „Und wie heißt Masseur auf Deutsch?" — Antwort: — „Meine SchwesterI" (Ma soeur).
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Geistreiche Unterhaltung. Eine Dame fragt eine Freundin, die am Abend vorher von einem al» sehr einsilbig bekannten Herrn nach Hause begleitet worden ist: „Nun, Lieschen, hast Du Dich gestern mit Herrn S. gut unterhalten?" — Lieschen: „Ach nein, nur einmal, als ich stolperte, sagte er: — Hopsa!" s * ♦
Ueberboten. Erster Maler: „Da habe ich neulich ein dünnes Tannenbrettchen so natürlich wie Marmor bemalt, daß es, in'» Wasser geworfen, sofort untersank, wie ächter Marmor." — Zweiter Maler: „Ach was, als ich gestern an die Staffelei, worauf meine „Polargegend" steht, da» Thermometer hängte, fiel dasselbe gleich 20 Grad unter Null." — Dritter Maler: „Das ist nichts, mein letztes Portät des Barons Buffski ist so lebenswahr, daß e» wöchentlich zweimal rafirt werden muß."
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Schnell gefaßt. Chef (plötzlich ins Comptoir kommend): „Sie haben wohl geschlafen, Meier?' — Tommi«: „Nur einige Minuten, und da hab' ich vom Geschäft geträumt."
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Aul Der junge Meyer ist so farbenblind, daß er auf die Frage nach dem Erfinder de« Schießpulver« statt: Berthold Schwarz antwortet: „Anastastu» Grün!"
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Ein kluges Kind. Vater: „Siehste, Frau, das ist der Plan zu unserm neuen Haus. Da kommt der Garten hin, da der Pavillon und da der Springbrunnen." — Töchterchen: „Und wo kommt hin die Hypothek?"
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Resignation. Bauer (zu einem angelnden Berliner): „Sie, lieber Mann, Sie plagen sich umsonst, da giebt's keine Fische!" — Angler: „Schad't nicht! Ick thät' ja doch keene fangen, selbst wenn'» welche jä be!"
Kebattion: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


