Ausgabe 
5.2.1895
 
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itzeele noch fern und der Flügelschlag des Schicksals hatte ihre weiße Stirn noch nicht gestreift.

Es ist gut, daß sie getrennt wird von dieser Sidonle," sagte der Professor zu seiner Frau.Diese mysteriöse Person mit ihrer jedenfalls etwas dunklen Vergangenheit hat mir nie behagt als Umgang für Emmy."

Du bist doch ein wahrer Barbar! Hast Du denn gar kein Mitleid mit der armen Kranken?"

O, ihre Krankheit halte ich nicht für so schlimm, sie hat mir bisweilen einen ganz gesunden Eindruck gemacht. Ner­vosität, Unbefriedigthett mit sich und den Verhältnissen, wie man das jetzt so häufig bei unserer Jugend findet, das scheint mir ihr ganzes Leiden"

Emmy hatte sich jetzt den Beiden wieder zugewandt und in ihren braunen Augen blitzte es zornig auf bei den Worten ihres Schwagers.

Sidonie ist wohl krank!" rief sie.Wer weiß, ob sie jemals wieder gesund wird. Sie glaubt wenigstens wohl selbst kaum an ihre Genesung, sonst hätte sie mir ihr Tagebuch ge­wiß nicht vermacht."

Ach ja, das Tagebuch! Jedenfalls wird uns dasselbe einige Aufklärung geben über die interessante Person."

Glaubst Du denn, daß Deine profanen Augen je in diese jungfräulichen Geheimnisse eindringen werden?" rief Emmy ihrem Schwager lachend nach, der jetzt der Thür zu­schritt, um sich nach dem Strand hinaus zu begeben.

Derselbe war ziemlich leer und öde heute, und die hohe, kräftige Gestalt des Professors, dessen weiten Regenmantel der Wind aufblähte, nahm sich in der grauen, farblosen Beleuch­tung gar nicht wie ein Kind unserer modernen Zett au», son­dern glich eher einer Sagengestalt, einem Kühleborn oder sonst einem Meergott, der den brausenden Wellen entstiegen. Seine Gedanken jedoch waren desto moderner, so recht hineinpaffend in unsere Zeit. Die Frage Emmy», ob er um seine Frau geworben haben würde, wenn sie kein Vermögen gehabt, be­schäftigte ihn, und er mußte sich das beschämende Geständniß machen, daß, so sehr ihn ihre reizende Erscheinung auch ge- feffelt, er ihr doch, wenn sie arm gewesen, schwerlich einen Antrag gemacht haben würde. Glanz und Luxus waren ihm nun einmal unerläßliches Bedürfniß, mit Mark und Pfennig zu rechnen dünkte ihn entsetzlich. Seiner berechnenden Seele fehlte aber auch jede Begeisterung, jede rückhaltslose Hingabe für eine Sache, die man für gut und groß erkennt. Bisweilen fühlte er diesen Mangel und wie Neid beschlich es ihn dann feiner Schwägerin gegenüber, deren unberechnende Natur sich fo leicht zu begeistern vermochte für alles Große und Schöne. Ihr würde sich auch die Liebe einst nicht anders nahen, al« in all' dem göttlichen Zauber der Poesie und Romantik, wie sie ihm fremd geblieben, dafür war ihm aber auch das Er­wachen erspart aus solchem traumhaft schönen Dasein, und jedenfalls war das ganze Leben für die Länge der Zeit be­haglicher ohne derartige Träume und Emotionen.

So schritt er dahin am Meeresstrand, und so großartig, so gewaltig auch der Anblick de« Meeres war, ihm kam kein einziger großer Gedanke, der sich über das alltägliche er­hoben hätte.

In der Residenz hätte die Wintersaison begonnen; und trotzdem sich diefer Zeitabschnitt alle Jahr wiederholt, er be­hält doch immer den Reiz des neuen, wenn in den Schau­fenstern die neuesten Modethorheiten ausgestellt werden, wenn die elegante Damenwelt ihre modernen Costumes auf den Promenaden präfentirt, die Theater ihre Pforten öffnen, und die Salons derjenigen Glücklichen, die ihr Dasein nicht in engen Wohnungen zu fristen brauchen, sich für die Gesellschaft aufthun. In vielen Fällen geschieht das allerdings nur, um Glanz und Luxus zu entfalten, oder um nothwendigen Ver­pflichtungen nachzukommen. Eine wirkliche angenehme Ge­selligkeit, deren Zweck gemüthvolle und anregende Unterhaltung, findet man nicht allzu häufig. Grundbedingung derselben ist stet« eine behagliche Häuslichkeit und diese ist überall Sache der Frauen.

Frau Professor Bergen und ihre Schwester hatten es ver-

standen, ihrer Häuslichkeit ein solches behagliches Gepräge geben und ihre Empfangsabende wurden daher stets gern und ziemlich zahlreich befucht.

Der Professor hätte allerdings gern Alles ein wenig luxuriöser gewünscht, da er für wirklich vornehme Einfachheit wenig Verständniß hatte; Frau Elise aber ließ sich hier in ihren Rechten nicht beeinflussen und Emmy erklärte es geradezu für unfein, an solchen Empfangsabenden irgend welchen Luxus zu entfalten.Willst Du genau erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an," citirte sie mit fchalkhaster Miene und der gestrenge Hausherr mußte sich wohl oder übel dem Regiment der beiden Damen unterwerfen- Schließlich mußte er auch anerkennen, daß sie es wirklich in jeder Weife verstanden, es Jedem behaglich in seinem Hause zu machen.

Frau Eliie wußte auch die unbedeutendste Persönlichkeit in liebenswürdiger Weise in die Unterhaltung zu ziehen und Emmy wieder besaß ein liebenswürdiges musikalische« Talent. Wenn sie an dem Flügel saß und eine Beethoven'sche Sonate oder ein träumerisches Präludium von Chopin erklingen ließ, dann führte sie ihre Zuhörer mit fast bezwingender Macht in das Reich der Töne, man vergaß die Alltagssorgen und Mühen und glaubte in einer besseren, reineren Welt zu athmen. Um die junge Künstlerin aber schwebte der Zauber, den das Genie seinen Auserwählten verleiht.

Das melodiöse Adagio der ä-woU-Sonate war eben ver­klungen, als ein später Gast den Salon des Professors Bergen betrat. Man bemerkte ihn nicht weiter, da alle Blicks auf Emmy gerichtet waren, die jetzt das stürmische Allegro be­gann ; und auch seine Augen wurden sofort gefesselt von der anmuthigen Spielerin. Als die letzten Töne der Sonate ver­rauscht, wandte er sich an den Hausherrn.

Mein Gott, Bergen, wer ist die junge Dame, die so meisterhaft Beethoven zu spielen versteht?" fragte er voll In­teresse.Und wie kommst Du Mann der Prosa überhaupt zu solch' einem Salon, in welchem die Musen und Grazien heimisch zu sein scheinen? ' setzte er dann lächelnd hinzu.

Es freut mich, wenn mein Heim einen derartigen Ein­druck auf Dich macht," erwiderte Bergen.Hoffentlich wirst Du uns dann öfter das Vergnügen machen. Gezögert hast Du überhaupt lange genug, meiner Einladung zu folgen."

Offen gestanden, bester Freund, mir war ein wenig bange, ich versprach mir eben nicht viel anregende Unterhaltung hier, Deiner ganzen, so prosaischen Richtung nach."

Nun, Deine Offenheit läßt nichts zu wünschen übrig!" rief Bergen lachend, indem er seinen Gast zu den Damen hinüber geleitete, ihn dort vorzustellen.

Welch' ein Gegensatz I" dachte Emmy, als sich die beiden Herren ihr näherten. Der hübsche Mann war entschieden ihr Schwager, dessen classisches Profil, eingerahmt von dem blon­den, glänzenden Vollbart, unbedingt allen Schönheitsgesetzen gerecht wurde, aber was diesen Zügen fehlte, das war der Ausdruck inneren geistigen Lebens, wie er sich in dem genialen Antlitz seines Begleiters spiegelte.

Mein Freund Doctor Schmit," stellte Bergen den­selben vor.

Ah, endlich bekommt man diesen berühmten Freund einmal zu sehen," sagte Emmy,gehört haben wir ja schon oft von Ihnen."

Schwerlich aber wohl viel Gute«," meinte Schmit lächelnd.

Nun, wie man es nimmt," erwiderte Emmy.

Wer des alliäglichsn Getriebes auch bisweilen müde, der lauscht mit Entzücken solchen Schilderungen toller Streiche einer fröhlichen übersprudelnden Jugend. Aber jetzt, wo Sie in den Staatsdienst getreten und der Jugend ein ehrbares Beispiel geben sollen, ist es doch wohl vorbei mit dieser liebens­würdigen Genialität?"

Leider nein, mich leitet ein dunkles Gefühl, nämlich die Jugend und all' ihre Tollheiten festzuhalten für's Leben, dem Alter nie die geringsten Rechte einzuräumen, jung zu fein und zu bleiben in allem seinem Empfinden, das allein halte ich des Lebens werth." (Fortsetzung folgt.)