Ausgabe 
4.5.1895
 
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nachdenklich vor sich nieder.

Der junge Mann biß sich ärgerlich auf die Lippen, er stützte den Kopf mit unmuthigem Gesichtsausdruck in die Hand und lehnte sich stumm in die Polster zurück.

So verharrten Beide geraume Zeit in tiefem Schweigen, sinnend, in tiefe Gedanken verloren, aber halbscheue Blicke, welche sich hin und wieder wehmüthig und in verborgener Gluth von Äug' zu Auge stahlen, berauschten Beide bis zum Vergeffen alles Deffen, was hemmend zwischen ihnen lag.

Alle Thore der Vergangenheit sprangen vor ihnen auf, einen weiche, träumerische Stimmung bemächtigte sich ihrer und theure, süße Erinnerungen an die froh verlebte Jugend­zeit wurden wieder wach irnd lebendig in ihrem Herzen, wie eine gewaltige Fluth strömten sie über sie hin.

Dort drüben in den grünen Harzbergen, deren majestä-

Im Winter, wenn es bitter kalt war im rauhen Harz­gebirge, wenn wilde Stürme um die Berggipfel tobten und Wald und Thal ein weißes Leichentuch deckte, dann saßen die Kinder fröhlich beisammen in der warmen Wohnstube des alten Pfarrhauses. In der Ofenröhre brieten Aepfel und ihr feiner, aromatischer Duft erfüllte das ganze Zimmer mit Wohlgeruch. Der Herr Pastor saß nebenan im kleinen Studierstübchen, aber Tante Regina, des alten Herrn ledige Schwester, welche ihm seit dem frühen Tode der geliebten Gattin die Wirthschaft führte, leistete den beiden Kindern ge- treulch Gesellschaft. Diese milde, still bescheidene, alte Jung­frau hatte ein Herz wie Gold; rastlos thätiz im Haushalt,

tische Felsenkuppen aus bläulichem Nebeldust so vertraut zu ihnen herübergrüßten, hatten Beide das Licht der Welt er­blickt. Dort befand sich ein gar freundliches Städtlein mit niedrigen, spitzgiebeligm Häusern und einem altersgrauen Schlosse, das mit feinem in edlem Stil gehaltenen Gemäuer frei und stolz auf die rothen, bescheidenen Dächer des kleinen Ortes herniedersah. Droben in dem feinen, vornehmen Ritter- schlosse hatte einstmals es war schon lange her Land- raths Curt gewohnt und weit abseits in dem von Weinreben umsponnenen schlichten Pfarrhause Pastors kleine Hanna.

Beide Kinder waren einst unzertrennliche Gefährten ge­wesen, gleichsam ein Herz, eine Seele. Das eine war so jugendfroh, so frisch, so wild und so unschuldig wie das andere. Sie spielten, jubelten und lachten miteinander, sie liefen zu­sammen in den Wald und kletterten auf die Berge, im Winter und Sommer, bei Sonnenschein und Regen, ohne Unterlaß Sie hatten sich lieb und hatten sich gern, für andere Kinder fanden sie kein Interesse. Daß Landraths Curt sechs Jahre mehr zählte, als die kleine Hanna, das that ihrer treuen Freundschast und Kameradschaft keinen Abbruch.

Curt wanderte täglich in's Pfarrhaus, um beim Herrn Pastor Lateinisch und Griechisch zu lernen. Kaum waren aber die Stunden beendigt, dann warf er freudig die langweiligen Bücher bei Seite und lief mit der herzigen Spielgefährtin in's Freie.

erregter Stimme. ,,D»

klar werden zwilchen uns. Allerdings muß ich mich in Vielem schuldig und nachlässig bekennen und ich werde Alles auf­bieten/ um Deins Verzeihung zu erlangen. Du mit Deinem empfindlichen Feingefühl hast Dich durch meine Zurückhaltung beleidigt gefunden, er kränkte Dich, daß unser Verkehr jäh abgebrochen wurde, daß ich Dir kühl begegnete. Dein Mädchen- stolz litt darunter, aber ich ich litt nicht weniger als Du, «»» um *».»--

ich stand Qualen aus, die mich manchmal niederschmetterten I kessel liegt, vom Hexentanz auf dem Brocken in der Walpurgis- und die ich nur mit eiserner Willenskraft und Energie zu | nacht, vom Mägdesprung und der Roßtrappe, sie war erne überwinden vermochte." I unermüdliche Erzählerin und Curt und Hanna lauichten mit

Lassen Sie doch das Vergangene ruhen, ich bitte Sie," ! brennenden Wangen und leuchtenden Augen und schmiegten unterbrach ihn das Mädchen mit mattem Ton.Wozu das I sich dann vor Gruseln noch fester aneinander.

heraufbeschwören, was schmerzlich ist. Emmal Geschehenes i Was waren das noch für wonnige, glückselige Stunden

läßt sich nicht ungeschehen machen P I und Tage gewesen, so voll unbeschreiblicher, durch kemen

Sie preßte die zusammengeflochteneu Hände fest gegen die | Schatten getrübter Seligkeit, daß noch jetzt in der Ermnerung

Brust, wendete den Kopf von ihm ab und blickte ernst und I daran den beiden, so kalt und fremd einander gegenüberfitzen-

-- - 1 den Menschen das Herz stürmisch in der Brust hämmerte.

Doch Alles auf der Welt ist dem Wechsel und der Vergänglich­keit unterworfen, auch Curts und Hannas Glück und Seligkeit nahmen frühzeitig ein Ende. (Schluß folgt.)

sagte: Ich hätte schreiben sollen- ich an Sie? Und glauben Sie, daß ich Ihnen jemals mit meinen Angeleger- heilen lästig gesallen wäre?"

Aber mein Gott, ich war doch Dein bester, nächster Freund, liebe Hanna! Es wäre ganz natürlich gewesen, wenn Du Dich an mich gewendet hättest. Ich würde Dir sofort zu Hilfe gekommen sein und"

Das Mädchen machte eine abwehrende Handbewsgung und ihre schön gezeichneten Augenbrauen zogen sich finster zusammen, als sie sagte:Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre freundliche Absicht, Herr von Bartenstein, aber wir sind uns fremd geworden. Sie haben mich während vieler Jahre , ... .

gemieden wie eine ansteckend Kranke und lieber hätte ich Salz | vertrat sie mit warmem, zärtlichem Empfinden Mutterstelle und Brod gegessen als Ihre Hilfe in Anspruch genommen." ! bei der kleinen Hanna. Ab-r auch Curt, dem gleichfalls die

Aber H»nna weshalb diese Bitte-keit V rief er mit | Mutterliebe fehlte der Landrath war Wittwer hatte

" - Du beurtheilst mich falsch. Doch es soll | sie ihr gütiges Herz zugewendet. Für die beiden kleinen

" "'' ' * Durchgänger so nannte sie die Kinder hielt sie stets

etwas Gutes bereit, Nüsse, süßes Backwerk, saftig. S Obst und anderes Naschwerk, und wie glücklich strahlten ihre Augen auf, wenn es ihren Lieblingen schmeckte, was übrigens immer der Fall war. Auch herrliche Märchen verstand sie zu erzählen und wunderbare Harzsagen vom verwunschenen Ritter Goto und der holden Prinzessin Ilse, deren goldene Krone im Bode-

Kypnotismus.

(Schluß.)

Seltener sind dis unwillkürlichen Bewegungen der Suggestion zugänglich. Ob dis Athmung und der Puls während der Hypnose spontane Aenderungen zeigen, ist fraglich. Manche Schwankungen erklären sich durch die psychische Er­regung, sind mithin nicht von der Hypnose abhängig. Ueber den Einfluß der Suggestion auf das Herz liegen wenig Unter­suchungen vor. Hingegen konnte man öfter durch Suggestion die Athmung auf einige Zeit unterbrechen. Auch ist e» möglich, suggestiv Erbrechen und Stuhlgang zu erzeugen. Amßerst selten gelang es, organische Veränderungen durch Suggestion hervorzubringen. Hierher gehörige Versuche wurden unter anderem von Forel und Moll veröffentlicht, bedürfen aber, wie beide Autoren hervorheben, einer genauem Controlls, als sie gewöhnlich stattfand.

Während man früher annahm, daß nach Aufhöcen der Hypnose die Erinnerung an das während derselben Vor­gefallene fehle, hat man später erkannt, daß in den meisten Fällen keine Erinnerungslosigkeit besteht; von der vollkommenen Erinnernng bis zur Amnesie (Erinnerungslosigkeit) gibt es allerdings zahlreiche Zwischenstufen. Wenn auch im wachen Leben Amnesie besteht, so erinnert sich die V rfuchsperson in einer spätem Hypnose fast stets dessen, was in rüheren Hyp. nosen vorgegangen ist. J-i dieser besteht aber auch Erinnerung an das, was während des wachen Lebens vorfiel, so daß der hypnotische und der nichthypaotische Zustand einen ver­schiedenen Bewußtseinsinhalt haben. Man nennt diese Er­scheinung doppeltes Bewußtsein. Durch Suggestion kann man das Gedächtnis in der Hypnose beeinflussen: man kann den Hypnotischen einzelne Vorgänge vergessen lassen, andre fälschlicherweise an deren Stelle setzen, wodurch Erinnerungs­täuschungen, die retroaetiven Suggestionen, entstehen.