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Doch nicht, ste ist auch i« Betreff des Festhaltens eines einmal gefaßten Vorsatzes eine echte Wildenstein."

Die nun folgende Unterredung war eine stürmische, wenn schon der Ton der Stimmen kein anderer, erhöhter wurde. Therese stand todtenbleich da, allein den Anderen gegenüber, doch fest und unerschütterlich.Ich kann nicht von ihm lassen," sagte ste tonlos, Thränen rannen über ihre Wangen,wenn Ihr mich von Euch stoßt, so gehe ich aber mit ihm und Eduard wird uns treu bleiben."

Du bist nicht mündig," fuhr der Graf kalt fort,bis zu Deinem Geburtstag im April stehst Du noch unter meiner Gewalt und ich gebe jene verrückte Parthie ein für allemal nicht zu."

So werde ich warten, Papa, aber nicht hier, sondern" Bei meiner Schwester, Gräfin Western," unterbrach Baron Hohenthal seine ehemalige Braut und trat an ihre Seite,sie wird Comteß mit offenen Armen aufnehmen."

Dein Heirathsgut erhältst Du am Geburtstage aus­gezahlt," sprach der Vater weiter, während die Mutter das Antlitz verhüllte,alle weiteren Ansprüche an ein späteres Erbe erlöschen von Stund an, denn ein Kind, welches dem Willen der Eltern trotzt, verliert dadurch das Anrecht an's Vaterhaus."

Ein gellender Schrei Theresens unterbrach den Mitleids« losen Ausspruch, sie flog zur Mutter, kniete bei ihr nieder und rief angstvoll:Mama, o Mamal Ist das wahr, stößt auch Du mich hinaus in die Welt, aus Deinem Herzen und Gedächtniß? Liebst Du mich denn auch nicht mehr, weil mein Herz einen herrlichen, edlen Mann gewählt?"

Diesem Appell an ihr Mutterherz vermochte die bleiche Frau nicht zu widerstehen; ohne das finstere Antlitz, die drohende Geberde ihres Gemahls zu beachten, öffnete sie beide Arme und zog die weinende Tochter an ihr Herz.

Therese, mein Liebling, mein Kindl Nein, nein, ich höre nicht auf, Dich zu lieben, ich kann'» nicht, was auch die Menschen sagen werden. Wenn Du jenen Mann liebst, so ziehe hin mein Segen wird den Fluch des Vaters aufheben, mein heißes Gebet Dich überall hin begleiten. Ja, ich bleibe Deine Mutter, mein armes Kind, geh' mit Gott l"

Dann sanken ihre Arme herab und sie schritt zur Thür hinaus, wankend, wie gebrochen; auf der Schwelle wandte sie sich nochmals um und warf der Tochter einen wehmüthigen Blick zu.

Lebe wohl, wir werden uns nie mehr sehen!" Leidenschaftlich aufschluchzend flog Therese ihr nach, doch die Thür fiel zu, das unglückliche Mädchen sank vor derselben bewußtlos zu Boden.

Baron Hohenthal stand sogleich neben ihr und hob sie auf. Der Graf blieb unbeweglich und auch Rudolf löste die verschränkten Arme nicht, um zu helfen - und doch litten Beide gleichfalls unsäglich.

,, , "Morgen früh reise ich mit Comteß ab," nahm Hohen« thal endlich das Wort und bot dem Grafen ernst die Hand »Enn ich auch ihren Entschluß, diesen Mann zu heirathen, nicht gutheißen kann, so muß ste doch, nachdem sie das Vater« Haus verloren, irgend eine Stütze haben, bis sie endlich bei« Wildenstein, wollen Sie mir sagen, daß ich recyr handle?

nnd warm preßte der Angeredete des Barons Hand.

.Gott lohne Ihnen, was Sie an meinem Kinde thun I Sie sind beffer, tauftndmal besser als ich, der ste hinausstoßen mebr Ruk-S willen Denn ich hätte nimmer, mehr Ruhe gehabt im Leben und im Sterben, wenn ich den Flecken nicht von memem Wappenschilds getilgt. Aber Sie lieben Therese und schlagen sich selbst mit Ruthen!"

Eben weil ich sie liebe, kann ich sie nicht unalücklich sehen, war siegt an mir? Ohne Liebe hätte ich ihren Schwur am Altäre doch nicht verlangt, es ist besser, daß Alle» jetzt so h,n« At spater. Morgen früh um neun Uhr komme Äff- ru holen; mag die Jungfer bis dahin ihren Koffer packen und Alle» ordnen."

Als Therese aus ihrer tiefen Ohnmacht wieder zu sich

kam, lag sie in ihrem Schlafzimmer auf der «haifelongue, und die Jungfer war um sie her beschäftigt.

Hier ist ein Billet vom Herrn Grafen," berichtete sie mit einem forschenden Blick auf ihre junge Herrin,er ist Besuch gekommen und die Herrschaften wollten Comteß nicht mehr stören."

Mit bebenden Fingern löste Therese da» Siegel des Billet«; auf wappengeschmücktem Bogen, gewiß nicht ohne Ab­sicht, hatte der Graf nur wenige Worte geschrieben:

Morgen früh neun Uhr fährt Hohenthal vor, um Dich und Dein Gepäck abzuholen zur Gräfin Western, woselbst Du bleiben sollst, bis Du Deinen jetzigen stolzen Namen ablegst. Sollte Dein Entschluß in der Hinsicht festsiehen, so bin ich erbötig, Dich eher majorenn erklären zu lassen, damit Du der Gräfin nicht länger zur Last fällst. Alle die zu Deiner Aussteuer für Hohenthal angeschafften Sachen stehen Dir jederzeit zur Verfügung, den noch nicht berühr« ten Theil der Ausstattungsgelder wird Dir mein Rechts­anwalt jederzeit auszuzahlen bereit sein. Um Uebrigen haben wir wohl miteinander nichts mehr aurzumachen; auch ein nochmaliger Abschied von Mama und mir unterbleibt wohl beffer. Ich hoffe, daß es Dir gut gehen möge im Leben unv werde mich bemühen, ohne Groll und Bitterkeit Deiner zu gedenken. Alexander Graf von Wildenstein."

Mit zuckenden Lippen faltete Therese das Billet zusammen und steckte es zu sich; hatte sie doch noch einige liebevolle Worte erwartet? Dann jedoch richtete sie sich empor, ihre Wangen glühten, ihr Stolz erwachte, und sie wandte sich ruhig zur Jungfer:Packen Sie doch sogleich meinen Koffer mit allem Röthigen, denn ich muß morgen früh um neun Uhr zur Gräfin Western reisen, Baron Hohenthals Schwesier. Der Baron wird mich selbst abholen kommen."

Wie Comteß befehlen. Auch die besseren Kleider?"

Aller," erwiderte Therese hastig und die Röthe schwand von ihren Wangen,was nicht in den Koffer geht, soll per Fracht nachgesandt werden. Ich gedenke sehr lange fort« zubleiben."

Da» Mädchen warf einen spähenden Blick in da» blaffe, verweinte Gesicht der jungen Gräfin, dann ging sie, den er« haltenen Befehl auszuführen; aber bis tief hinein in die Nacht ward im Domesttkenzimmer getuschelt und geflüstert: irgend etwas mußte bei der Herrschaft vorgefallen sein, nur ließ sich bis j-tzt nicht ergründen, was.

In dieser Nacht schlief kein einziges Mitglied der Wilden« stein'schen Familie; ruhelos verbrachten sie die bleiernen Stunden, bis endlich der Morgen heraufgraute der Morgen des Abschiedstages und eines neuen Lebens!

Therese hatte dem Geliebten in einigen Worten mitgetheilt, mie Alles gekommen, hatte ihn gebeten, sie doch bald einmal bei der Gräfin aufzusuchen, damit sie zusammen das Nähere besprechen könnten, denn von nun an sei sie seine Braut. Sie siegelte den Brief, Hohenthal sollte ihn besorgen, und machte sich endlich zitternd und bewegt zur Abreise fertig.

Die Jungfer brachte das Frühstück, die letzte Mahlzeit im Elternhause, und als sie gegangen, brach Therese fasi zu­sammen; erst nach einer sehr langen Weile hatte sie sich so weit gefaßt, um den Kaffee zu schlürfen und ein Brödchen fasi gewaltsam sich einzunöthigen. Die Uhr hob endlich zu neun aus, das arme Mädchen stand in Hut und Mantel, zitternd jedem Wagengeraffel lauschend, als die Thür sich öffnete und Rudolf eintrat. Er war bleich und finster, feine Stimme klang rauh, als er sprach:Ich bin gekommen, Dir Lebewohl zu sagen, Therese! Von heute an gehen unsere Wege auseinander, zum letzten Male stehen wir uns als Bruder und Schwester gegenüber."

Rudolf," schluchzte sie auf und lag an seiner Brust, ehe er es hindern konnte,Du kamst noch einmal zu mir! Du nimmst Abschied von mir, wie soll ich's Dir danken! O, Bruder, wie habe ich Dich lieb, wie schwer scheidet e» sich von all' Denen, die einem theuer sind!"

(Fortsetzung folgt.)