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Al» er in den Salon zurückkehrte, fand er Rudolf noch immer mit verschränkten Armen am Fenster stehend und regungslos in den düster werdenden Decemberabend starrend; theilnehmend legte er die Hand auf dessen Schulter.

Armer Freund," sagte er traurig,wer hätte gedacht, daß uns Allen so schweres Leid bevorstände!"

Und Du kannst so reden, Eduard," fuhr der Graf auf, Du, der Therese in ihrem Wahnfinn bestärkt."

Ich bleibe ihr treu in der Noth," antwortete der Baron einfach,das ist Alles! Denn stehst Du, Rudolf, so wie ich Therese kenne, wird ste zur Stetten, der übrigens ein durch­aus gediegener, feingebildeter Mann ist, treu bleiben, weil ste chn liebt genau so liebt, wie ich sie. Ihr Brief neulich bat mir das Herz zerrissen, hat all' die köstlichen Luftschlösser einer glückseligen Zukunft für immer vernichtet, aber zürnen kann ich ihr nicht, dazu habe ich sie viel, viel zu lieb."

Wildenstein kämpfte schwer mit sich, plötzlich warf er sich an des Freundes Brust.Hohenthal, Du bist besser als ich; ich bewundere Dich, Gott segne Deine Treue und Liebe für meine Schwester."

Der Baron hatte recht, das Schwerste kam noch, die Auseinandersetzung mit den Eltern. Voller Staunen begrüßten sie ihn, sie merkten sogleich, daß seine Anwesenheit, wie auch Rudolfs finstere Miene irgend einen Grund haben müsse und drangen auf Erklärung.Ich bin gekommen, meine Ver­lobung mit Therese aufzulösen," begann er nochmals,ste kann mich nicht lieben und ich will sie nicht unglücklich an meiner Seite wissen." ~ ,

Unsinn," fuhr der Graf in die Höhe,das hättet Ihr Euch Beide eher überlegen müssen, aber nun ist es zu spät, eine Wildenstein bricht ihr Wort nicht um einer mädchenhaften Grille wegen. Um Weihnachten heirathet Ihr und damit basta!"

Therese ist wie wahnsinnig, Vater," unterbrach ihn Rudolf düster,sie liebt einen anderen Mann und zwar einen bürgerlichen!" ,

Mag sie doch! Deswegen wird sie ihn noch lange nicht heirathen; sie ist eine Wildenstein, die ihrem Stand und Namen verpflichtet bleibt."

Eben weil sie eine Wildenstein ist," sagte Hohenthal schwer betonend,wird ste nicht von ihrer Liebe lassen. Des Wildenstein'schen Geschlechtes Wahlspruch ist: Getreu durch Leid."

Wo ist das Mädchen?" fragte der Graf, dessen Stirn- aber bedenklich anschwoll,sie soll selbst reden und e» wäre wunderbar, wenn sie keine Vernunft annähme."

Ich werde die Comteß benachrichtigen," bat der Baron, sich erhebend,aber Herr Graf, lassen Sie sich erbitten, schonen Sie sie. Sie ist schon furchtbar erregt durch diese ©eenen und Seelenkämpfe."

Und was sagen Sie von sich, Eduard?" fragte der Am geredete grollend.Ihr bleiches Gesicht spricht wahrer, als Ihr Mund: Sie leiden entsetzlich."

Dar habe ich nicht geleugnet und werde es nicht," gab der Baron ernst zurück,und dennoch bleibe ich Theresen» Freund gerade weil ich bis an mein Lebensende sie lieben muß und will." , .

Er ging, kopfschüttelnd schaute der Graf ihm nach und Rudolf sagte widerwillig bewundernd:Ein Phantast ist und bleibt der Eduard I Aber in der Sache selbst kann er sogar Therese nicht Recht geben. Sie will den Sänger zur Stetten heirathen."

Ich ahnte es seit nun acht Tagen," murmelte die Gräfin, welche gleich beim Beginn der Unterredung in einen Stuhl gesunken war.Seine Blicke nach unserer Loge, Theresens Erröthen fielen mir auf, aber dennoch hätte ich nie einen solchen Ausgang vermuthet." ,,

Es wird aber nichts daraus," rief der Graf, blauroty im Gesicht vor Wuth, und feine Faust fiel dröhnend auf den Tisch nieder,noch ist sie minderjährig und bi« zum Frühjahr wird ste zehnmal anderer Meinung."

de« blam« Mädchenaugen blickte sie ihn flehend an und, «äh- rend heiße Thränen über ihre Wangen rollten, sagte ste fest und deutlich:Ich liebe Friedrich zur Stetten und werde sein Weib werden- Rudolf, hast Du kein gutes Wort für mich?"

Er zuckte zusammen, eine Blutwelle schoß über die finstere Stirn und mit harter, zäher Bewegung schüttelte er ihre Hand ab.Wenn Du nicht im Wahnsinn redest, Therese, dann allerdings habe ich kein Wort für Dich - höchstens eines der tiefsten Verachtung." , .

Gemach, Rudolf," warnte Hohenthal, den Finger hebend, bedenke wohl, was Du sprichst! Ein Wort wiegt schwer int Leben."

Hohenthal," rief der Graf schneidend,Du sprichst für sie, Du, dessen ganzes Lebensglück dieser Bühnenheld ver» nichtete ? Hast Du denn Fischblut in den Adern, Mensch, oder hältst Du nichts mehr auf Namen und Wappenschild?"

O doch," sagte der Baron ernst, während seine Lippen schmerzlich zuckten,ich bin ein Aristokrat, der niemals einen Fleck auf dem Wappen dulden würde, was ihm die Vorfahren erworben haben, und wenn Du wüßtest, wie furchtbar ich ge­kämpft, dann würdest Du nicht von Fischblut reden."

Und dennoch willst Du Therese beistehen, ihr das Wort reden in dieser hirnverbrannten Liebesmarotte?"

Es ist keine Marotte, Rudolf, sondern Liebe," fiel die Eomteß mit bebenden Tönen ein.

Thörichtes Mädchen," seine Augen flammten wild, seine Fäuste ballten sich,ich bin kein unreifer Knabe, dem man den Mund stopft mit den Worten: Das verstehst Du nicht. Aber ich sage Dir, und wenn ich bis zum Wahnsinn liebte, ich schnitte mir eher die Adern auf und endete al« Selbstmörder, als daß ich einen Querbalken in mein gräflich Wappenschild aufnähme." t

Aber ich bin nur ein Mädchen," flehte sie hinreißend, was thut es dem Glanze des Stammbaumes, wenn ich den Mann heirathe, den ich liebe."

Es thut nichts," sprach Rudolf schneidend,nur der Name wird durchstrichen, Du selbst hinausgewiesen au« unserer Familie, denn so lange die Wildensteiner existiren, ist noch nie zuvor Eomödiantenblut unter ihnen gewesen. Doch halt, noch ein«, Du bist nicht mündig und der Vater wird es ein» 'Mer Du weißt wohl, Rudolf," warf Therese kalt da- zwischen,daß ich im Frühjahre einundzwanzig Jahre, mithin majorenn werde; nachher kann auch das väterliche Verbot mich nicht hindern, zu heirathen."

Wenn es nicht die Liebe zu Denienigen thut, die Dich erzogen und behütet haben," seufzte Wildenstein etwas mildes Therese, überlege den Schritt, welchen Du thust; wende Dich nicht von uns um jene, Mannes willen."

Aber ich kann ihn nicht lassen, Bruder," schluchzte sie bitterlich,ich liebe ihn mehr, al« Vater und Mutter, und wenn 'ch ihn verliere, so kann ich nicht leben und nicht glück- rix "

Nun denn," sagte er hart, während seine Hände in furchtbarem Weh sich zusammenballten,so wirst Du wenig- sten« lernen müssen, ohne Eltern und Bruder in der Welt

Rudolf," schrie Therese außer sich,sei nicht so er» barmungslo«! Kannst Du'« denn über'« Herz bringen, mich hinauszustoßen aus den Reihen der Familie?"

Ich kann'«," gab er eisig zurück, feine Stimme klang schneidend,um meiner Väter ererbte» uraltes Wappenschild fleckenlos zu erhalten, ist mir nichts zu schwer I"

Nun denn, Gräfin Therese," fiel Hohenthal vermittelnd ein,wenn sich Alles von Ihnen wendet, so bleibt Ihnen weniastens ein Freund. Gehen Sie nun ein wenig ausruhen; wenn" Ihre Eltern heimkehren, kommt noch das Allerschwerste

^Freundlich tröstend wie ein Kind führte er das schluch­zende Mädchen hinüber und verließ sie mit dem Versprechen, sobald er den Eltern die Sachlage mitgethM, sie hinein zu h-len-