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Rorddeutschland ist fle e« schon lange nicht mehr. Doch halten wir uns nicht bei der Sache auf; man ärgert sich nur darüber. Man muß sich Austern einfach abgewöhnen und sich lieber anderen Dingen zuwenden. Ich schwärme für den Plumpudding mit blau brennendem Rum. Ich halte ihn seine» edlen, festen Character«, seiner würdevollen Erscheinung und seine« majestätischen Auftreten« halber für den König der Mehlspeisen- Wie oft habe ich ihn gesehen in flammender Gestalt I Und welche süße Erinnerungen knüpfen sich an seine Rosinen I Die Anweisung zu seiner Bereitung nach echt englischer Art befindet fich unter den Mehlspeisen, die da« neue Kochbuch in der Zahl von mehr al« 500 bietet, neben 200 Bäckereien und mehr al« 100 Torten. Aehn- liche« von einem Kochbuch ist mir noch nicht vorgekommen.
Auch al« etwa« ganz Neue«, da« man anderswo so ausführlich und gewissenhaft kaum finden wird, ist dem neuen Buche ein Abschnitt beigegebdn, in welchem die Krankenkost behandelt wird. Die Gräfin Münster gibt nur einige Anweisungen für die Bereitung von Erfrischungsmitteln für Kranke, hier dagegen — der Abschnitt scheint von einem Arzte versaßt zu sein — sind die Nahrungsmittel ausdrücklich angegeben, die bei bestimmten Krankheiten zu nehmen und zu vermeiden sind, ja man findet förmliche Tagesordnungen und Menu« für AbdominaltyphU«, Cholera asiatica, Diph- theriti«, Gehirnaffectionen, Magengeschwüre, Gicht. »Hören Sie auf! . . .* Nun ja, meinetwegen. Ich möchte nur noch sagen, daß der Nutzen diese« Abschnittte« für die Kranken und ihre Pfleger einleuchtend ist und daß er einem g es und en Egoisten beim Durchlesen zwei Freuden bietet: die eine, weil er von diesen Krankheiten verschont geblieben, die andere, well er die schwächlich zarten, vorsichtigen Dinge nicht zu verzehren braucht und sich wieder dem feineren Thetle de« Buches zuwenden kann- Al« ich diesen Theil zuerst flüchtig durchblätterte, vermißte ich darin ein Menu für Seekranke und war über diesen Mangel recht betrübt. Bei längerem Nachdenken fand ich jedoch, daß der Verfafier ganz recht ge- than hat, er wegzulaffen, da der Seekranke doch Alles wieder von fich gibt, es also wirklich schade wäre um so ein Menu.
Leider habe ich bisher noch keine Gelegenheit gehabt, zu Köchinnen in nähere Beziehungen zu treten. Mit den Damen, die mich ihre» Umgangs« würdigen, find so viele andere Dinge zu erörtern, daß man auf die Angelegenheiten de« häuslichen Herdes und deffen Literatur nicht leicht kommt. Die einzigen Personen nun aus meinem Bekanntschrfttkreise, welche Kochbücher besitzen, sind Schiffscapitäne und Marineoffiziere. Vielleicht holen sie sich noch heute bei diesen Büchern Rath, aber es kann auch sein, daß die Uebermacht, welche die Dampfschifffahrt über die Segelschifffahrt allmälig gewonnen, auch darin Manche» geändert hat. Die Dampfer machen kürzere Reffen, deshalb ist die Verpflegung auf ihnen eine befferr. Die großen Paffagterdampfer haben sogar vorzügliche Restaurant«. Was soll man da mit einem Kochbuch machen? Auf den Seglern ist e« ander»; eine Reise nach Östafien, nach Peru oder Australien nimmt unter Leinwand hübsche Zeit in Anspruch. Wenn nicht schlechte» Wetter und sehr bewegte See die volle Aufmerksamkeit de» Capitänr und der Mannschaft fordern, sind die Tage oft endlos in ihrer Langweiligkeit und «erden durch die Mahlzeiten nur einförmig unterbrochen.
Was Wunder, wenn wenigstens der Eapitän seinen eulinarrzchen Neigungen ein wenig Spielraum gibt I Er nimmt sein Kochbuch her und blättert darin- Bald ist auch war gesundem Er läßt den Schlffskoch rufen- Das kann freilich schön werden, denn was versteht der, der während der ganzen langen Reise einen Tag Pökelfleisch mit Erbsen und den nächsten Tag Erbsen mit Pökelfleisch kocht, von der höheren Kochkunst! Aber er kommt-
„Jan Möller, hewt de Heuhner «ter leggt?"
„Ja, Srptain."
„So? Denn kvnt wi hüüe «ol «n Ghoeoladenauflaus maken?!i
„Eaptein, so'n Aaskram hsw ick miin Lewdag «ich makt. Schoklar hewt wi wol, aber en ... wo het dat?. - . en Auflauf, dar weet ick nix af."
„Jä, Jan Möller, hier fielt dat in dat nüe Wiener Kaakbok (Kochbuch): Man treibt 7 Deka Butter mit 4 Dottern — dat is dat Seele in dat Eie — 7 Deka Zucker mit Vanille . . ."
„Fanülle hewt wi nich an Board, Eaptein "
„Da könnt «t ja wol en beten Peper (Pfeffer) nehmen, Jan Möller... und 10 Deka geriebener Ehocolade ab, mischt den Schnee von 4 Eiklar — dat is dat Witte (Weiße) in dat Ei — und backt es in einer Schüffel, nachdem man e» gut mit Zucker bestreut hat."
„Nachdem man e» gut mit Sucker bestreut hat. Ja wol, Captein, dat will ick maken."
Zum Mittagessen kommt der Chocoladenauflauf in die Cajüte zur großen Freude des Kaottän» und der beiden Steuerleute. An anderen Tagen werden wieder andere Gerichte zusammengerührt, so weit die bescheidenen Bordmittel reichen. Natürlich, wenn die See hochgeht, vorne überdampst und über da» Deck wäscht, daß Allen Hören und Sehen vergeht, ist es mit der feinen Kocherei nichts. Dann bleibt das Kochbuch ruhig in der Schublade und träumt dort, leise vor sich hinschmorend, vom Backen und Braten, bi» der Himmel wieder klar und die See wieder glatt ist. So verbreitet da« neueste Erzeugniß der cultnarischen Literatur Vergnügen auf den Schiffen, schweift hinaus über den Oeean fernen Welttheilen zu und macht auch dort dis Menschen glücklicher und zufriedener-
Johanne» Ziegler.
Literarische»
Weg zum Glück. Sin Rathgeber und Führer durch da« Leben von Friedrich Kirchner. Stuttgart, Berlag von Levy L Müller. 300 S. Großoctav. Geh. Mk 8.60, in geschmackvollem Orig -Leinen band Mk. 4.50 Eine der vielen Krankheiten, an denen unsere Zeit leidet, und die die Zufriedenheit aus dem Herzen verbannt hat, ist die pessimistische Lebensanschauung. Die unerquicklichen politischen und sozialen Zustände, die zunehmende Heftigkeit des Kampfes ums Dasein und der daraus entspringende practisch-nüchterne Zug der Zeit — die« alles und noch manches andere sind die Ursache, daß die meisten Menschen trübe in die Zukunft blicken und zu keinem richtigen Genuß des Lebens kommen können. Und doch ist vom reichen Millionär bis hinab in die ärmlichen Hütten unseres Proletariats alles von dem einen Wunsche beseelt, glücklich zu werden. Die Wege, die gewöhnlich zur Verwirklichung dieses Strebens eingeschlagen werden, sind recht mannigfaltig, aber wenn man am Ziele angelangt ist, merkt man, daß das vermeintliche Glück nur ein Phantom gewesen ist, und die Leere im Herzen wird nur noch bitterer als vordem empfunden- Da scheint es uns denn ein löbliches, mit Beifall zu begrüßendes Unternehmen, wenn der bekannte Philosoph Friedrich Kirchner ein Buch unter dem Titel „Der Weg zum Glück" erscheinen läßt. In klarer, gewählter und packender Darstellung werden hier alle Lebensfragen behandelt, welche das Wesen des Glückes und den Weg, es zu erreichen, betreffen. Die Abschnitte „Erkenne dich selbst!", „Vom Tacte", „Selbsterziehung", „Lob der Einsamkeit", „Gemüthsruhe", „Freundschaft", „Die goldene Mittelstraße," „Arbeit und Erholung", „Der Umgang mit der Natur", „Die Kunst im Hause", „Religion im Leben" u. a. sind wahre Cabinett- stücke und enthalten eine Fülle überaus werthvoller praktischer Winke fürs Leben, so daß jeder, der sie befolgt, sicher sein kann, sich aus dem richtigen Wege nach den Gefilden des wahren Glückes zu befinden. Frei von aller Pedanterie und philisterhafter Moral, sind sämmtlich« Capitel überaus geistreich und doch in edler populärer Darstellung geschrieben und mit treffenden Stellen aus unfern Klassikern illustrirt, so daß sie nicht nur gründlich belehren, sondern auch vortrefflich unterhalten und das Interesse des Lesers bis zum Ende wach zu erhalten vermögen. Jedenfalls ist das Buch das sinnigste und fürs ganze Leben nützlichste Festgeschenk, das Eltern ihren Söhnen und Töchtern, der Bruder dem Bruder, der Gatte der Gattin widmen können, und verdient die weiteste Verbreitung, fiir die ihm unsere beste Empfehlung zur Seit« steht.
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