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„Mademoiselle Friederike meineZich, Du liebe Einfalt!" lautete die Antwort.
m Da» Mädchen lachte und zeigte die weiße« Zähne. „Mamsell Rieke? Ja, die ist beinah so gut wie unser Herr» göttle!"
Da» war bezeichnend und wärmer empfing Wolfgang die zurückkehrende Geliebte.
Endlich war die Tafel fertig, Friederike sandte Lore heim und klatschte voll Entzücken in die Hände. Dann wandte sie H antJ®°Jfaan9: "Nun schauen Eie, Wolfgang, ist nicht Alle« hübsch vorbereitet? Nun vorwärt«, mein Ritter, denn dazu ernenne ich Sie heute!"
Wolfgang küßte ihre Hand. .Ich werde mich der zu- gethellten Rolle würdig zeigen!"
Friederike sah ihn unwillig an. „Zugethellte Rolle? O pfui, mein Freund! Ich dächte, Sie wüßten, daß meine .einzige Rolle" die Natürlichkeit ist! An die Zutheilung einer „Rolle" habe ich nicht gedacht, glaubte vielmehr, daß er Ihnen lieb wäre, an meiner Seite zu weilen!"
Der Moment war gekommen, überraschend wie ein Dieb in der Nacht, ungesucht, so oft ihn sonst Wolfgang herbei- zuführen bemüht gewesen «ar.
„Friederike," sagte er weich, „verzeihen Sie, er war ein Ausdruck der Galanterie, wie ihn die Gewohnheit unbewußt über die Lippen gleiten ließ!"
Dabei griff er nach ihrer Hand und zog da« Mädchen an sich. Sie ließ er geschehen und lehnte einen Moment selbstvergessen an seiner Schulter; dabei küßte er sie auf die Stirn und fühlte sie in seinen Armen zittern. Da rief er überquellend au«: „Friederike, theure« Mädchen, diese Stunde ist geweiht und heilig! Liebst Du mich, wie ich Dir auf ewig gut bin?"
Sie drängte sich dichter an ihn. Da hob er sanft ihr Kinn in die Höhe, sah ihr in die feucht schimmernden Augen und küßte sie auf den blühenden Mund. Die Nachtigallen sangen da« Brautlied dazu und ein Eichkätzchen kam au« dem Gipfel der beiden Buchen und sah den Liebenden neugierig zu.
Jetzt riß Friederike sich Io« und wollte fliehen, Wolfgang aber holte sie schnell ein und sagte: „Geliebtes Mädchen, nicht also! Lassen Sie uns das Glück dieser Stunde nicht durch eine Mittheilung an die Welt verkümmern! Süß ist der Liebe Heimlichkeit! Lassen Sie uns unser Geheimniß vor Anderen noch einige Zeit bewahren!"
Friederike hatte seinen Arm genommen und sagte, den Schritt heimwärts lenkend: „Wie Sie es wollen, Wolfgang! Ich glaubte nur, Diejenigen, welche uns zunächst stehen, Vater und Mutter, müßten an unserem Glücke thetlnehmen!"
„Gewiß," entgegnete Wolfgang herzlich, „das sollen sie; nur der große Haufen soll sich erst verlaufen und das Pfarrhaus wieder still werden, wie es sich zu unserer stillen Seligkeit schickt!'
Er küßte sie und sie ließ es hingebend geschehen.
So gelangten sie endlich in's Hau», wo sie die ganze Gesellschaft zu Tiscke riefen. Diese ordnete sich paarweise, Wolfgang aber ließ Friederike nicht lo», so daß Beide von manchem bedeutsamen Blicke getroffen wurden, ehe man da« Wäldchen und die Tafel erreichte. Bald hatte die ganze Gesellschaft Platz genommen, that den Speisen alle Ehre an und schonte auch de» Weines nicht. Die älteren Herren thaten des Guten bald allzuviel, so daß die Perrücken recht verdächtig schief faßen und Papa Brion ein gewaltig große« Wort führte, welchem die Frau Pfarrer gelegentlich einen kleinen Dämpfer aussetzte, indem sie verdächtig hustete. Den Hausherrn übertraf aber noch der Amts-Schulz von Räschwoog, ein guter Freund des Pfarrhauses, der offenbar auf dem Grunde de« großen Kelchglases die Frau Veritas suchte, welche im Wein wohnen soll und den Crystallbecher deshalb so oft bi« auf den Grund leerte. Er hielt Reden über Reden, welchen Ansprachen anderer aufgeheiterter Gemüther folgten; nur Einer redete nicht, dar war der sonst so witzige Goethe; er schmiegte sich enger an Friederike, worauf die Pfarrerin mit bedeutsamem Nicken Galomea aufmerksam machte. Nur einmal «ar Wolf-
i gang, einem plötzlichen Impulse folgend, aufgestanden. Gr hatte den Dorfschreiner aufgesucht und bei ihm eine große weiße Tafel bestellt, welche jetzt gebracht wurde. Man war eben beim Kaffee angelangt, al« Goethe erklärte, daß dieser herrliche Tag auf folgende Weise verewigt werden solle: Et» jeglicher der Anwesenden wolle auf diese weiße Tafel feinen Namen schreiben; so möge dieselbe zum ewigen Gedächtniß an den beiden Buchen aufgehangen werden. Der Gedanke fand Beifall und unter großem Lärm und viel Heiterkeit schrieb Jeder seinen Namen auf die Tafel, Goethe den feinigen zuletzt und darunter folgende Verse:
„Dem Himmel wachs' entgegen Du Baum, der Erde Stolz! Ihr Wetter, Stürme, Regen, Verschont das heil'ge Holz!
Und soll ein Name verderben,
I So nehmt die obern in Acht;
Es mag der Dichter sterben, Der diesen Reim gemacht!"
। Nun folgten Gesellschaftsspiele des junge» Volke», wäh- | rend die Alten noch dem Bacchus huldigten. Wolfgang war I stets Friederiken» Partner und so durften sich Beide unauffällig dem berauschenden Genüsse eine« Kusse« hingeben. Damals jubelte Wolfgangs Seele laut auf:
'"„Jetzt fühlt der Engel, was ich fühle, Ihr Herz gewann ich mir beim Spiele Und ist es von Herzen mein;
Du gabst mir, Schicksal, diese Freude, Nun laß auch morgen sein wie heute Und lehr' mich seiner würdig sein!"
(Fortsetzung folgt.)
Kn neues Kochbuch.
(Schluß.)
Da» Gericht brennt wohl ein wenig auf der Zunge, doch dem ist mit einem Glase Wein bald abgeholsen. E« kann auch darauf etwa« sehr Sanfter folgen, wie beispielsweise da« fricassirte Kalbrbrie« auf Seite 71: „Da« in Stücke geschnittene Brie« dünstet man mit Butter, fein geschnittenen Schalotten und Limonensaft, legt e« heraus, stäubt Mehl in da» Fett, läßt es anlaufen, vergießt es mit Suppe, rührt die Sauce mit Dottern ab und säuert sie mit Limonensaft "
Ich würde jetzt nichts mehr essen; mit den beiden Gerichten ist es vollkommen genug; aber ich möchte herzlich gern zusehen, wie meine Freunde das Roastbeef auf Seite 514 verzehren, von dem es heißt, daß es mindesten» drei Kilo wiegen müsse. „ . . . Der Braten muß außen eine braune Rinde bekommen und innen saftig bleiben und der beim An- stechen ausfließende Saft röthltch fein. Während des Schneiden« läßt man das in der Pfanne Angelegte mit etwas Suppe und Rothwein aufkochen und gibt diesen Bratensaft dann über da« Fleisch, welche« man au» den Beinen herauslöst, in Scheiben schneidet und mit Kartoffeln oder Rohscheiben garnirt."
Wenn da» Roastbeef al» ganzes Stück auf den Tisch kommt und dort angeschnitten wird, so daß man den herrlichen Saft rieseln sieht, ist e« mir lieber, doch da» macht mir nicht». Jetzt sollen meine lieben Freunde den gefüllten Kapaun von Seite 247 bekommen. „Man vermengt mit au-gestreifter Geflügelleber gleichviel geschälte, kleingeschnittene Trüffeln und frischen Speck, etwa» Salz und Pfeffer. Zu Austernfülle bereitet man feine Fasch von Geflügelleber Speck, Pfeffer, Salz, Petersilie, Sardellen und mischt die Austern darunter." Ja Austern! Hier gibt sich da» Kochbuch auch ein wenig splendid. Mit der Auster ist es jetzt schlimm bestellt; sie ist bei u»» eigentlich nur den Reichen zugänglich. Und nun Austern zur Fülle eine« Kapauns! I» Hamburg habe ich Austernsupps bekommen; aber wann war das? Die Nordamerikaner haben e» besser; bei ihnen ist die Auster noch Nolksnahrung; in England, Holland und


