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Ich we§ v»m tzmt'zen Lag Dir nicht« v«üe«uen, Wie sich iw 6ixn*t, Wünsch«,, Wähnen, Wollen Main treu«« Herz zu Dir hinüber Wendet:
So stand ich einst vor Dir, Dich anzuschauen, Und sagte nichts. Was hätt' ich sagen sollen? Mein ganzes Wesen war in sich vollendet!"
Vtn neuer Geist war über den Studenten Goethe gekommen- Salzmann schüttelte dazu den Kopf, denn so hatte Goethe nie studirt, al« jetzt. Und nun Herder gar! Er begriff den „spatzenhaften Schüler" kaum, deffen geringer Enthustatmu» plötzlich einer wahren Gluth der Begeisterung Platz gemacht, sodaß er sich immer tiefer in den Geist William Shakespeare» versenkte. Von seiner Liebe aber wagte Wolfgang dem strengen Tadler Herder nicht« mehr zu sagen.
V.
Dichters Liebeslenz.
„Frühling ift'S!" jauchzet die Welt und Lenz ist's auch in den Herzen;
Wte's drinnen grünet und sproßt; schon kommt die Blüthe hervor!
Der Winter war dahin und goldig blitzte die Sonne vom blauen Himmel über Feld und Au de« schönen Elsaß.
Mit den singenden Vögeln wetteiferte da« Herz Wolfgang Goethe», in welchem der schönste Dichterlenz aufgegangen war; Friederike Brio» durfte al« die Muse gelten, welche an diesen Felsen geklopft, so daß nun ein Sprudel echter Poesie darau« hervorstürzte. Da waren alle die Lieder erwacht und der srühere schüchterne Poet fühlte sich stärker und stärker al« echter, geborener Dichter.
Heute, kurz vor Pfingsten, fühlte sich Wolfgang in besonder» gehobener Stimmung, denn in der Hand trug er ein Brieslein von der blonden Pfarrerrtochter, da« ihm viel zu tatftn gab. Sie schrieb ihm:
„Lieber Freund!
Seit Ihrem letzten Besuch fühlen wir un» doppelt vereinsamt, da Allen der liebe Freund fehlt. Wie ost gedenke ich der schönen Christ- und Ostertage, in welcher Zeit Sie alle Herzen im Sesenheimer Pfarrhause an sich zu ziehen wußten. Der Papa fragt oft: „Kommt Herr Goethe noch nicht bald wieder? Ich vermisse seine Weise doch recht sehr! ' Die Mutter meint zuweilen: „Wie sinnig er doch für Alle» Einsicht, für Jeden ein freundliche« Wort und einen Scherz hat!" Selbst meine schulmeisternde Salo- mea singt Ihr Loblied in allen Tonarten, geschweige denn Sophie und Georg, die Sie vergöttern! Von mir will ich schweigen, denn e« wäre thöricht, Ihnen zu gestehen, was Sie längst wissen: daß ich Sie nicht am wenigsten willkommen hieße. Ich lese sehr viel in Ihren Büchern, einmal, weil ich recht klug und Ihrer würdig werden möchte, sodann auch, «eil Sie es gern sehen, dritten«, weil e« Ihre Bücher find und vierten«, weil ich dabei an Sie denken kann. Die Uebersetzung des Vicar thut mir beim Original gute Dienste, doch verstehe ich noch nicht jede Stelle darin; ebenso geht e« mit der deutschen Ilias; meine Helden, fürchte ich, fallen nach meiner Vorstellung gar nicht homerisch au«, denn sie tragen alle ein und dasselbe Gesicht mit zwei dunklen, prächtigen Augen. Aber wessen Züge es sind, darf ich nicht sagen; sein Spiegel wird e» ihm schon verrathen!
Auch habe ich alle Volkslieder, die Sie für mich gesammelt und gesendet haben, einstudirt, so daß ich Sie bei Ihrer Wiederkunft damit erfreuen kann-
Der Zweck meine« heutigen Schreiben», welche» Über die Gebühr lang geworden ist, besteht darin, daß ich Sie im Auftrage meiner guten Eltern hiermit zu einem kleinen Familienfeste, welcher wir überrheinischen Verwandten geben, einlade in der Hoffnung, daß Sie dieser Invitation Folge leisten.
Bi« auf Wiedersehen begrüße« wir Sie Alle herzlich, am meisten aber Ihre
Friederike Brion."
Wolfgang drückte den Brief entzückt an seine Rippen und warf dann folgende Verse Ms'» Papier:
„Bald seh' ich mein Riekchen wieder, Bald, ja bald umarm' ich sie; Munter tanzen meine Lieder Rach der schönsten Melodie.
O, wie schön hat eS geklungen, Wenn sie meine Lieder sang; Lange hab' ich nicht gesungen, Viel« lange Wochen lang.
Denn mich ängsten tiefe Schmerz«», Daß mein Mädchen mir entflieht; Dieser tiefe Gram im Herzen Geht auch über in mein Sieb.
Doch jetzt fing' ich und ich habe
Volle Freude, süß und rein;
Sa, ich gäbe diese Gabe
Nicht für aller Klöster Wein!"
Noch hatte Wolfgang dem theuren Mädchen nicht« gesagt, wa« bindend gewesen wäre; noch hatte e« ihm nicht« gestan« den, was ihn verpflichtet hätte. Gehörte ihm ihr Herz oder scherzte sie nur mit ihm, wie sie gegen Jedermann freundlich war? — Dieses Mädchen war entweder eine Sphinx oder man beeinflußte es von anderer Seite!
Die stahlgrauen Augen der Pfarrerin waren dem eapri- eiösen Wolfgang doch manchmal unbequem und Mademoiselle Salomeae Mißtrauen fühlte er au« so manchem spitzen Worte heran«.
Sinnend wanderte Wolfgang in seinem Logt« auf und ab; dann ward der Besuch beschlossene Sache. Schon am zweiten Tage darnach reiste Goethe mit dem ebenfall« geladenen Weyland ab.
Die Freunde wurden warm empfangen, wär um so weniger auffiel, al« es sich bereit» unruhig im Psarrhause regte, da schon Verwandte au« Saarbrücken, au« Fort Loutr und jenseits de» Rheine« eingetroffen waren, darunter junge», muthwillige», lebensfroher Volk.
Friederike Brion entzückte Goethen diese» Mal noch mehr als sonst durch ihre zauberische Persönlichkeit; sie schien die gute Fee de» Pfarrhauses zu sein, die Jedem seinen Platz anwie», Allen zurechthalf, den Zaghaften Muth eiusprach, die Zerstreuten sammelte, die Vergessenen herbetrief; sie war dar zusammenhaltende, belebende Element dieser großen Gesell« schäft; sie schlug Unterhaltungsspiele vor und überwachte dar Arrangement der Tafel, bei welch' letzterem Geschäfte ihr übrigens Wolfgang al» wohlerfahrener Cavalier und matte« de plaisir zur Seite stand.
Man hatte den langen Tisch mit blüthenweißem Linnen unter den beiden zusammengewachsenen Buchen, „die Schwestern" genannt, im Nachtigallenwäldchen gedeckt und wohl mit gutem Landwein und Speisen aller Art besetzt. Wr» an der Nur- wähl derselben fehlte, da« ersetzte die Qualität und Quantität vollständig, abgesehen davon, daß in einem solchen Speisesaal unter strahlendem, blauen Himmel und grünen Laubdächern wohl noch Niemand von der Gesellschaft gespeist hatte.
Lore, die elsässische Magd, mußte zur Handreichung Friederiken» dort sein; da dieses simple Geschöpf aber äußerst langsam war, so lief die Mamsell selbst schnell wie ein Reh zwischen dem Hause und dem Wäldchen hin und her, um Vergessene» zu holen und Fehlendes zu ergänzen. Wolfgang sah ihr dann lächelnd nach, zeigte sich doch ihre Anmuth hier im hellsten Lichte.
In einer solchen Pause fragte Wolfgang die Lore: „Sag', Mädchen, warum nennt Ihr denn das Wäldchen Nachtigallen- wäldle?"
Lore sah den Stadtherrn groß an und meinte: „Weil einmal die Nachtigallen drin so viel plärren, daß man kaum davor schlafen kann!'
Wolfgang lachte laut auf und fragte dann weiter: „Ist Deine Herrin gütig und lieb?"
Lore sah den monsieur l’etutiant schief von der Erste an und erwiderte: „Meint Monsieur die Frau Pfarrern oder Mamsell Salomea?"
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