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Jer Kochzeits-Hutschein.
„Was haben Sie zur Hochzeit bekommen?" — „Nichts, als was ich mir wünschte, lauter praktische und meinem Geschmack durchaus entsprechende Sachen". — „Wie ist das möglich? Hat man Ihnen nicht ein oder zwei Dutzend Lampen, fünf oder zehn Theeservice», so und fo viel Bettvorleger u. s. w. verehrt, so daß Sie sich vor dem Embarres de richesse nicht zu retten totff en und gut einen Verkaufsbazar ausmachen könnten?" — „Keineswegs, ich habe nichts doppelt, nichts dreifach, habe nichts Ueberflüssiges und besonders gerade das Nothwendige bekommen". — „Wie geht das zu? Das müssen Sie mir erklären, es hört sich ja gerade wie ein Wunder an".
„Und ist doch so einfach wie möglich. Die Familienmitglieder, die Eingeladenen haben uns als Angebinde nur Anweisungen auf Präsente, nur Gutscheine geschenkt. Diese lauten wohl oft auf einen, bestimmten Gegenstand und geben die Höhe der dafür aufzuwendenden Summe an; doch ohne daß wir gezwungen sind, gerade das Bezeichnete zu kaufen, und doch sicher, daß wir es unserem Geschmack entsprechend erhalten, wenn wir dabei bleiben. Diese Sitte des Schenkens zur Hohzeit bürgert sich neuerdings in vielen Kreisen ein, und es läßt sich in der That wenig dagegen einwenden".
In diesem oder ähnlichem Zwiegespräch hörten wir jüngst, heißt es im „B. T.", eine moderne Einrichtung rühmen, der man wohl das Wort reden kann- Höchstens ließe sich das Eine dagegen, daß sie den poetischen Zauber des Gabentisches, auf welchem alle die dem jungen Paare zugedachten Herrlichkeiten aufgereiht sind, etwas zerstört, da an Stelle der Prunk- und nützlichen Gegenstände nur Zettel mit Summenziffern und Unterschriften sich befinden. Aber dieser Verlust wird ausgewogen besonders dadurch, daß den Beschenkten mancherlei Verdruß und den Schenkenden manches Kopfzerbrechen erspart bleibt. Die Wünsche und Bedürfnisse eines jungen Paares find schwer im Voraus zu ermitteln, und wenn sie von verschiedenen Seiten gleichzeitig in der nämlichen Weise befriedigt werden, dann ist das nicht viel besser, als wären sie überhaupt unberücksichtigt geblieben.
Man mag weiter entgegnen, daß in der Preisgabe der aufgewendeten Summe eine gewisse Pression auf den Geschenkgeber ausgeübt werde, über das ursprünglich Beabsichtigte hinauszugehen, womöglich über seine Verhältnisse hinaus sich anzustrengen. Nun thut das bei Hochzeitsgeschenken aber mehr oder weniger schon Jeder, und die Beschauer taxiren ja doch die Gegenstände auf ihren realen Werth, wobei meist gerade die kleinen, aber gediegenen Sachen unterschätzt werden. Auch ist ja nicht nöthig, die Gutscheine offen auszulegen, es läßt sich ja später von dem selbst Ausgesuchten erzählen: das hat mir der und der geschenkt.
Und bei dem ost unumgänglichen Umtausch der Maaren erfährt das junge Paar ja doch, was die Maaren gekostet haben, und hat obendrein unnütze Mühe, ohne sich doch der vollen Freiheit der Wahl innerhalb bestimmter Werthgrenzen zu erfreuen. Man muß zunächst abwarten, ob der „Hochzeits- Gutschein" sich weiter sein Feld erobern wird. Jedenfalls verspricht er das und die Neuerung im Präsentwesen ist wohl auch eine genügend interessante Erscheinung, um unsere Leser darauf aufmerksam zu machen.
GEHsnnRtziges.
Sehr gute Kürbitzfpeise. 3 Kilo geschälter und in Stückchen geschnittener Kürbiß wird mit wenig Wasser weich gekocht; wenn erkaltet, wird das dünnflüssige weggegossen und der dicke Kürbißbrei durch ein Sieb getrieben. 500 Gramm Reis werden mit 1 Liter Milch derb gekocht. 125 Gramm Butter werden schaumig gerührt, 6 Dotter,
250 Gramm Zucker, eine gute Prise gestoßener Zlmmt, die feingewiegte Schale von einer Citrone, 50 Gramm bittere, abgezogene feingewiegte Mandeln, dann der erkaltete Reis und Kürbißbrei und zuletzt der Schnee der 6 Eiweiß hin» zugefügt. Eine Pfanne oder Form wird dick mit Butter gestrichen, die Masse eingefüllt und schön braun gebacken. Man kann dieselbe kalt oder warm verzehren,
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Pfarmenkucherr von Buchweizenmehl. 3 gestrichene große Obertassen feines Buchweizenmehl, 3 Taffen heißes Waffer, 2 Tassen dicke sauere Sahne und Salz. Die« alles wird gut gerührt und sogleich, ohne den Teig hinzu- stellen, in recht heiß gewordener Butter gelbbraun gebacken.
Gebratenes Kaninchen. Man spickt das Kaninchen mit Speck und Sardellen, legt es in die Pfanne, bestreut es mit einem Eßlöffel Salz, übergießt es mit 100 Gramm Butter, beträufelt es mit Citronensaft und brät es auf starkem Feuer unter fleißigem Begießen eine halbe Stunde. Ist der Braten fertig, so nimmt man ihn heraus, rührt die Sauce zusammen, giebt sie durch ein Sieb, zieht sie mit einem halben Kaffeelöffel Kartoffelmehl ab, legt den Braten wieder in die Pfanne, gießt die Sauce darüber, läß Alle» recht heiß werden und richtet an.
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Kartoffelsuppe mit saurer Sahne. Geschälte, gut gewässerte Kartosseln werden mit etwas Sellerie, Petersilien- wurzeln und Mohrrüben gut weich gekocht, durch ein Sieb gedrückt (das Wurzelwerk bleibt zurück) und, mit dem nöthigen Wasser verdünnt, nochmals aufgekocht. Unterdessen rührt man ein Stück Butter zu Schaum, fügt eine Tasse dicke Sahne und 1 bis 2 Eidotter hinzu und schlägt die» mit der allmälig hinzugefüllten Suppe schaumig.
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Lebersuppe. Hierzu nehme man eine Kalbsleber und koche diese in siedendem Wasser 1/2 Stunde ab. Nun nimmt man. sie heraus, legt sie zum schnellen Abkühlen in kalte« Wasser und reibt sie dann auf einem Reibeisen; hierauf nimmt man entsprechend kochende Fleischbrühe, thut eine derbe Portion geschnittene Petersilie hinzu, nach Belieben ein wenig Majoran und läßt dies zusammen aufkochen. Man richtet nun die Suppe über geröstete Semmel- oder Brotschnitten und etwas Pfeffer an.
Literarisches
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P. Rosegger, Hans Wachenhusen, M. Janitschek, Liebscher und Otto Anthes, kritische Aufsätze über die Violinvirtuosen der Gegenwart von Hofkapellmeister A. Schultze (mit einem Bildnißtableau), über die tonmalerischen Momente in Schuberts Liederbegleitung von Karl Zuschneid, Über den Operngesang von H. Abel, über das englische Lied von A. Schreiber, über die Harmonien der Klassiker, über R. Wagner und die Wagnerianer von Cyrill Kistler, eine Reihe von Biographien mit Bildnissen, Briefe über musikalische Novitäten aus allen Großstädten Europas, Besprechungen neuerschienener Musikalien, musikgeschichtliche Anekdoten, Texte für Liedercomponisten von namhaften Dichtern, ein Gruppenbild mit den Mitgliedern der comischen Oper in Paris, musikpädagogische Artikel, eine Auswahl melodisch reizvoller und fein har- monisirter Klavierstücke, Lieder und Duos für Geige und Pianoforte und heitere Anekdoten aus dem Musikleben der Gegenwart. (Der Abonnementspreis beträgt nur 1 Mark vierteljäbrlich.) Probenummern versendet die Verlagsbuchhandlung von Karl Grüninger in Stuttgart kostenfrei.
Redaction: A. Echehda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstMS-Buch- und Stcindruckcrci (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


