Ausgabe 
3.10.1895
 
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Chicago, den 25. December 1886. Mein lieber Schwager!

denn ich störte Ne gewiß in Ihrer besten . Vorsichtig zog ich sie aus dem leichten Leben der großen ?rAe ,2war ist es eine wichtige Sache, die ich zu erledigen I Stadt und baute mir ein Häuschen mitten im schönsten nebmen" Mächte At0J ? SC^r.uJ I Walde, den ich bei meiner Ankunft in Amerika preiswerth

S or ?1 inÄ' °Aes uns überhaupt gelingen wird, I kaufte. Tüchtig habe ich dort geschafft - es war eine «eit "Obigen, das wird erst die I mühevolle Arbeit, aber Segen war der Mühe Preis. Frohe

Zeit lehren. Nun, so lassen Sie uns nach oben gehen, Herr I Stunden sollten mir auch wtederkehren, als ich einen jungen ro r Secretär ist I Mann in mein Geschäft aufnahm, der einen festen Willen und

nach Birk^im hinüber, um mit dem Förster Rudow den Fisch» I einen edlen Character besaß.

ottern nachzu^püren « I Mit Leichtigkeit verstand er er, die schwierigsten Geschäfte

b" Oberförster, als er an I und die verwickeltsten Angelegenheiten zu ordnen. Ich merkte A ? genommen.Ich habe den Auftrag | bald, daß dieser Mann meiner Tochter nicht gleichgiltig war htTfa ri! Herrn zu erkundigen, I und lange Zeit stellte ich ihn auf die Probe. Ich habe ihn

mh?E bestimmten Sache von größter I nicht geschont und ihn mehr arbeiten laffen, als jeden Anderen, ton« &ätte unJix8 ^eilich auch selbst thun I Mit großen Summen sandte ich ihn Hunderte von Meilen

q "Arbeiten derartig über» I weit monatelang weg, aber rein wie Gold kam er zurück und

Or«me ^er n<. Sicht ist, daß ich I auf sein Wort konnte man jederzeit bauen. Ec war ein Mann, ^iu"möglch abkommen kann und von den vielen Schreibe» | wie man vielleicht unter tausend nur einen findet. Diesen k:@c° ® ®ie, benn bitten, Herr | Mann liebte meine Tochter, er liebte fie ebenfalls und gern

äefem 6"en?u "kundigen und zwar I gab ich meinen Segen zu einem Bunde, von dem ich mir nur * Gaudenz, rote ich schon erwähnte, wohin Sie ja ziemlich I Gutes versprechen konnte.

häufig kommen. Aber es sollte nicht sein, es war anders bestimmt, ich

Ich erhielt nämlich ein Schreiben von einem Notar aus I hatte noch nicht genug gelitten.

^teago in einer wichtigen Angelegenheit; doch bevor ich Ihnen I Eines Abends erwarteten wir ihn - er war tief in den bavon Mtttheilung mache, muß ich Sie erst mit den näheren I Wäldern thätig, wo zu jener Zeit mehr denn hundert Leute Umständen vertraut machen. beschäftigt waren, - meine Tochter fuhr ihm entgegen, um

q. , Wie Sie schon wissen, Herr Baumeister, war ich vor I nach zwei Stunden sterbend zurückzukehren. Mein alter, treuer Jahren in Amerika zu einer Zett, als ich dort noch keine Ver» I Kutscher, mit dem ich oft in finsterer Nacht diesen Weg durch­wandten hatte, was jedoch bald der Fall war. I jagt, fuhr gegen einen Baumstumpf und mit schweren inneren

Zu jener Zeit war die Zwillingsschwester meiner seligen I Verletzungen hob er sie vom Boden auf. Bald war sie dahin Frau Gouvernante bei einem reichen Kaufmann in London. I und mit ihr starb auch meine Lust, mein Muth und meine »ort lernte sie den Disponenten dieses Hauses kennen und I Kraft zum Weiterarbeiten zum Weiterleben. Untröstlich ""en- I wie ich ging auch er umher, der bestimmt war, mein bischen

Dieser Mann war ein sehr ehrenwerther und tüchtiger I Glück voll zu machen.

?", nx a£u& fstcht unbemittelt von Hause an» war. I Schon nach einigen Tagen verließ er mich und den Oct, Sie liebten sich aufrichtig, heiratheten und gingen bald darauf I wo sein Glück und feine Ruhe begraben.

0<*u ; , m , I D, wie gern hätte ich ihm Alles gegeben, was ich be»

®on London aus erhielten wir einen Brief von meiner I feffen, wäre er nur bei mir geblieben, aber es war ihm nicht SrSSk "» bem sie uns ihr junges Glück in den schönsten I möglich und eine innere Unruhe trieb ihn fort. Bitter habe gorben fätlberte. Dieses Glück konnten wir wohl begreifen, I ich fein Scheiden empfunden, aber er hat recht gethan, denn denn wir waren auch erst kurze Zeit verheirathet. an seiner Stelle hätte ich es ebenso gemacht.

e nem pa^re "hielt ich eine Nachricht von I Was ich besaß, habe ich dann verkauft und mich in ein mirr?e Geburt einer Tochter stilles Landhaus am Michigan zurückgezogen. Ich fühlte meine uw 10 ben Sob ^iner lieben unvergeßlichen Frau I Kräfte schwinden und merkte, daß meine Lebensuhr bald ab» mtttyeute. I gelaufen war. Wenn ich mich des Abends niederlegte, sah

... . Seit dieser Zeit habe ich nie wieder etwas von ihm ge» I ich den Sensenmann gleich einer Schildwache an meinem Bette

hört und alle meine Briefe kamen unbestellbar zurück. I auf» und abgehen und er war mir herzlich willkommen. Ich

Aber ich konnte den Schmerz meine» Schwagers, den ich | machte mein Testament.

nie im Leben gesehen, wohl verstehen, denn zwei Monate früher | Alle Menschen, die mir im Leben lieb und theuer waren,

bettete auch ich mein treues Weib in die kühle Gruft; auch I habe ich bedacht. Meine Leute erhielten den Grund und

sie starb, al» meine Tochter geboren wurde. I Boden mit den Häusern, die sie bewohnten und die ich vor

Nach vielen Jahren erhielt ich nun gestern endlich eine I Jahren gebaut. Ihnen, mein lieber Schwager, vermachte ich

Nachricht von ihm seine Todesanzeige." I die Hälfte meines Vermögens im Betrage von zwelmalhundert»

Aus einem verschloffenen Schubfache nahm nun der Ober» I tausend Dollars, die Sie durch den Notar erhalten werden,

förster den Brief und las ihn dem Baumeister vor: | der Ihnen diesen Brief sendet. Die andere Hälfte habe ich

jenem Manne zugedacht, der einst bestimmt war, mein Sohn u werden. Wohl dürfte er wieder in unserer lieben Heimath

- , ., , n r , sein und ich bitte Sie, lieber Schwager, nach ihm Erkundigungen

Empfangen Sie die besten Grüße äus einer befferen I einzuziehen. Sein Name ist: Baron Dietrich Arthur von der Welt, denn wenn diese Zeilen in Ihre Hände gelangen, habe I Heyd, geboren am 10. Mai 1855 zu ©taubem in West» '4 ausgelitten, dann bin ich nicht mehr unter den Lebenden. I preußen.

Als meine theure Frau dahingegangen, gab es eine Zeit I Sollte es jedoch nicht gelingen, denselben innerhalb fünf für mich, in der ich nicht wußte, ob ich leben oder sterben I Jahren aufzufinden, so ist die Hälfte jener Summe den Armen sollte, denn alle Kraft und alle Lust zum Leben schien in mir I und Verwaisten Marienwerders, meiner Geburtsstadt, bestimmt versiegt. Und dennoch mußte ich weiter leben und weiter | und die andere Hälfte den Hospitälern Chicago; und den schaffen meiner Tochter wegen. Um mein Kind zu schützen, I Armen Milwaukees.

wollte ich arbeiten, damit sie einst vor aller Noth in Zukunft | Und nun, mein lieber Schwager, leben Sie wohl. Mögen gefichert sei, denn sie war mein einziger Trost und meine I Ihnen bessere Tage beschieden sein, als sie mir vergönnt waren, Hoffnung. Sie wuchs heran zu meiner Freude und zu | und möge Ihre Tochter glücklicher werden als die meine hier meinem Stolz, denn sie war begabt wie ihre Mutter und | auf Erden Ihr Schwager

hatte auch ein edle» Gemüth. I Richard Sandow."

3n ganz St. Louis und weit im Umkreise war kein I (Fortsetzung folgt.)

Mädchen so schön wie sie, denn sie Überstrahlte alle. I