Ausgabe 
2.7.1895
 
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hatte. Dann machte fle einen Knlx, ging zur Thür, öffnete sie und sagte, wie sich besinnend:Ach ja, ich habe eines Ihrer Hemden aus Ungeschicklichkeit versengt ich habe Ihnen ein anderes dafür gegeben, es liegt bei den Unter­hosen und Taschentüchern. Auf Wiedersehen, Herr Kapitän!"

Auf Wiedersehen in Ihrer Cantine, schönes Kindl" antwortete Bonaparte sich sofort wieder in seine Studien vertiefend.

Während Catherine die Treppe des Hotel de Metz hinab­stieg, murmelte sie vor sich hin:Ich hatte ihm auch die Rechnung mitgebracht, aber ich fand nicht den Muth, sie ihm zu geben- Pah, früher oder später wird er sie mir bezahlen, ich habe Vertrauen zu dem Jungen. Ich bin nicht wie der Bürger Fouch«, ich bin überzeugt, daß er seinen Weg machen wird!"

Dann lachte sie, durch eine amüsante Erinnerung in gute Laune gebracht, in sich hinein.

Wie er aus mich losging, der Kapitän! Er hat sich also doch von seinen Papieren ablenken laffen. Sehe Einer an, der versteht'«! Nun, es hat ihn doch ein bißchen zer­streut, der arme Junge hat nicht oft Gelegenheit zu Ver­gnügen!'" Uud ein wenig erröthend fügte sie hinzu:Wenn ich denke, daß, wenn er gewollt hätte : . . o, nicht jetzt, aber früher, ehe ich mich mit Lefebvre versprochen habe . . . Aber im Grunde denke ich nicht daran und er hat niemals daran gedacht! Wir wollen sehen, ob Lefebvre im Laden ist. Der liebt mich, das steht fest, und ich bin über­zeugt, daß et einen viel besseren Ehemann abgeben wird, als der Kapitän Bonaparte."

Kaum hatte ste ihren Laden betreten, so ertönten Geschrei und laute Vivats in der Straße.

Sie öffnete die Thür, um nachzusehen, was er gebe- Die ganze Nachbarschaft war in Aufruhr und nun bemerkte ste Lefebvre, ohne Flinte, ohne Bandoliere, aber seinen mit einer goldenen Quaste geschmückten Säbel in der Hand haltend.

Seine Kameraden umgaben ihn und schienen ihm ein Ehrengeleite zu geben. ,,

Catherine, ich bin Lieutenant!" rief er freudestrahlend und fiel seiner Verlobten um den Hals.

Es lebe der Lieutenant Lefebvre!" schrieen die Nationalgardisten, indem sie ihre Dreispitze und Piken er» hoben.

Fügt hinzu: Es lebe die Bürgerin Lefebvre!" sagte der neue Lieutenant, Catherine vorstellend.Denn das ist meine Frau! Nächste Woche heirathen wir."

Es lebe die Bürgerin Lefebvre!" schrieen die Garden begeistert.

Es lebe Madame Sans-GSne!" wiederholten die herbei­gelaufenen Nachbarn.

Wenn sie nur nicht so laut schreien wollten!" flüsterte Catherine ihrem Verlobten ins Ohr, an Neipperg denkend, der im Nebenzimmer schlief.Sie werden unseren Verwun­deten aufwecken I"

Mittlerweile ordnete in dem kleinen Zimmer de» Hötel de Metz der Artillerieoffizier ohne Gage und ohne Anstellung, nachdem er das Studium seiner Karte beendet hatte, die von Catherine gebrachte Wäsche methodisch auf ein Fichtenholzbrett. ,

Sieh' da, fle hat nicht einmal die Rechnung dagelaffen," sagte der zukünftige Kaiser, im Grunde des Herzens über diese Vergeßlichkeit erfreut, denn er wäre genöthigt gewesen, feine Zahlungsunfähigkeit einzugestehen, und im Geiste seine Schulden überschlagend, fügte er hinzu:Ich muß ihr wenigstens dreißig Franks schuldig sein, vielleicht noch mehr. Teufel, ich muß das regeln ... mit dem ersten Gelbe, das ich in die Hand bekomme- Diese Catherine ist ein gutes Mädchen, ich werde sie nicht vergessen I"

Und er kleidete sich an, um zu feinen Freunden, den Permons, diniren zu gehen.

Von dieser bescheidenen Forderung sollte Napoleon viele Jahre nichts hören.

Erst lange nachher wurde ihm in einem ganz uner­warteten Augenblick die vergeflene Rechnung der Wäscherin plötzlich vor Augen gehalten wie unsere Leser erfahren werden, wenn sie mit uns den abenteuerlichen und rühm- reichen Etappen der Wäscherin Catherine folgen wollen, 6f< zuerst Markedenterin im 13. Legerregiment, dann MarschaA Lefebvre, zuletzt Herzogin von Danzig wurde, immer jedotz sympathisch und populär, tapfer und großmüthig, heroisch und barmherzig blieb und immer den Pariser Spitznamen: Madame Sans-GSne" trug. (Fortsetzung folgt.)

GEernnÄtziges.

Reinigung gebrauchter Weinflaschen. Gewöhn« lich sind es dreierlei Verunreinigungen, welche gebrauchte Flaschen zeigen. Es sind entweder Weinreste in denselben geblieben, welche kahmig wurden, ober die Flasche zeigt Wein« steinkrusten ober endlich ist es der an den Wänden festhaftende Absatz rother Weine, welcher zu beseitigen ist. Im ersten Falle ist eine mechanische Reinigung mit Hilfe einer Flaschen­bürste und etwas Waffer ober mit Verwendung gewaschenen Wellsanbe» das allerbeste Mittel. Bleischrote soll man nie benutzen, ebensowenig Glasperlen; Sägespäne und Papier- schnitzel, welche mitunter empfohlen werden, haben nur bei Reinigung öliger ober petroleumsettiger Flaschen einen ZM. Weinsteinkrystalle lösen sich am leichtesten, wenn man etwa» verdünnte Salzsäure in die Flasche gibt. Doch muß man darauf achten, keinen guten Blechtrichter zum Eingießen z» verwenden, weil derselbe von der Säure etwas angegriffen wird. Handelt es sich um Rothweinabsatz, so kann man ebenfalls Salzsäure anwenden, weil der Absatz de» Farbstoffes fast immer mit Weinsteinkrystallen vermengt Ist, durch bereit Auflösung derselbe dann beim Schütteln mit Waffer locker wirb.

VeviiMehtes.

Unterschätzt.Schämen Sie sich, Sie könnten mch arbeiten."Glauben Sie denn, daß bei den schlechten Zeiten das Betteln keine Arbeit ist."

Umschrieben. Gatte (zu seiner jungen Frau, al« er beim Mittagstisch etwas ißt und nicht finden kann, was ei eigentlich sein soll):Du, Minna, ich bitt' Dich, koche etwas deutlicher!" _____________

Literarisches

Eine neue Mode. Wieder wird von Wien ans eine neue» lancirt, die ob ihrer Bequemlichkeit und Kleidsamkeit ebenso wie die Blouse berufen ist, zu beweisen, daß dieWiener Mode" bei aller Eleganz einfacher ist, als die ausländische. Es handelt sich um alleo liebste Jäckchen aus Lustre oder Seidenstoffen, die man ijj Patten ow Zacken auslanfend, anpassend oder halbweit, offen mit einer Weste, ie Directoireform mit Sammtrevers oder englisch Herstellen kann. S» soeben erschienene Heft Nr. 19 der »Wiener MoVt* mit dem « neues Quartal beginnt und das in allen Buchhandlungen zur AnM aufliegt, veröffentlicht nebst zahlreichen anderen kleidsamen ^Toiletten M geschmackvollen Handarbeiten über zwanzig verschiedene Formeni frei« neuartigen Jäckchen. Diesem Hefte liegt gratis dieWiener Kinver Mode" und ein Schnittmusterbogen bei. Im selben Verlage erlqjiei soeben die Sommerausgabe des farbigen Mode-Prachtalbums der"len® Wiener Modelle", die speoiell für bessere Fachkreise bestimmt ist uno allgemein als ein hervorragendes Fachwerk anerkannt wird.

Das illustrirte Familienjournal »Das Buch fftt Alls" bringt in seinem 24. Hefte einen Aufsatz unter dem TitelSchwänzen , dessen Seetüre wir allen unseren Lesern empfehlen möchten. Klar un allgemein verständlich werden darin die verwerflichen Großspeculatwn behandelt, wie solche zum Nachtheile der weitesten Kreise hin und wie auftauchen und soeben erst den großen, unseren Hausfrauen so un genehm fühlbaren Preisausschlag des Petroleums verursachten.

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und (Steinbruderei (Pietsch & Scheyda) in ließen.