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das Haus meiner Nichte, seien Sie einem Mädchen Ihres Alters eine Gesellschafterin und Sie werben sehen, daß es so viel besser ist und Sie glücklich sein werden."
„Glücklich?" wiederholte sie. „Nie! Davon kann bei mir nicht die Rede sein. So lange ich ohne Bande, ohne Liebe in der Welt umherirre, kann ich nicht glücklich sein. Aber Alles das," fuhr sie rasch fort, „kümmert nur mich allein. Wollen Sie mir die Wahrheit sagen? Kennt Frau Digby Ihre Absicht und stimmt sie derselben bei?"
„Ich habe ihre volle Zustimmung. Ich will freilich nicht behaupten, daß sie nicht ein klein wenig eifersüchtig ist," entgegnete der aufrichtige alte Baron, „aber Sie werden sich ihre und Trissas Liebe bald gewinnen."
Cora war unschlüssiger denn je zuvor . . . auch als Lord Faro ihr einst dasselbe Anerbieten machte, hatte sie nicht so gezögert.
Jetzt entschied noch ein anderer Grund mit; jetzt trat auch noch die Frage betreffs ihres persönlichen Interesses und ihrer eigenen Sicherheit an sie heran, und Stolz und Angst waren in ihrem Innern noch in Streit.
„Darf ich erst mit Frau Digby sprechen? Darf ich erst so offen gegen Frau Digby sein, wie gegen Sie, bevor ich als Abhängige Ihr Haus betrete? Ich kann mich ihr nicht aufdrängen lassen ... mit Ihnen wäre es etwas Anderes. Zu Ihnen käme ich gleich und wäre glücklich . . . wenigstens so glücklich, wie ich es sein kann." -
Er lachte. „Doch Ihr Wunsch ist vollkommen gerecht- sertigt und ich werde Frau Digby sofort rufen lassen," sagte er dann.
„Aber ich möchte mit ihr allein sprachen," bat Cora. „Sie würde in Ihrem Beisein nicht so offen sein. Ich will ihr die volle Wahrheit sagen . . . dann trifft mich, was auch geschehen mag, doch kein Vorwurf. Ja, so sei es, sonst muß ich Ihr gütiges Anerbieten zurückweisen."
„Sie sind ein kleines eigensinnige» Geschöpf," rief Sir Fulke halb ärgerlich aus, „aber in meinen Augen ist nichts so schUmm wie Betrug . . . also, wenn sie entschlossen sind, sich selbst im Lichte zu stehen und meine Güte zu verscherzen, so ist es nicht meine Schuld."
„Ich bin nicht undankbar, aber ich habe zu viel gelitten," , "3$ will nicht Kummer verursachen, aber wenn Frau Digby mich aufrichtig willkommen heißen kann, nehme ich dankbar einen solchen Zufluchtsort an."
„Meinetwegen geschehe Ihr Wille," brummte Sir Fulke und verließ das Zimmer.
Cora befand sich in banger Erwartung während der wenigen Minuten, die vergingen, bevor die Thür wieder ge- öffnet wurde und Frau Digby mit kalter Miene eintrat.
„Sie wünschen mit mir zu sprechen, Miß Cora," begann Frau Digby. „Ich bin bereit, Alles zu hören, was Sie mir zu sagen haben, denn ich schulde Ihnen viel. Gern bin ich auch, bereit, Alles zu thun, womit ich Ihnen Ihre Thal lohnen
. ^Dan»'bitte, fdgen Sie mir die Wahrheit ... das ist mir der liebste Lohn!" erwiderte Cora ernst. „Sir Fulke hat 'E e ne H°imath in Ihrem Hause angeboten. Ich weiß, daß ba® ein Eindringen in Ihre Häuslichkeit wäre, Frau Diaby SV™6 ?fe eä N^ns seinetwegen 0Ut heißen würden, und 6fnen Gilgen Vorschlag nicht annehmen, wenn Sie »rJ1< ^tda9^xbo6 Sie mich gern aufnehmen. Sonst wäre "..„fir schrecklicher al» die größte Roth, die ich erdulden
Frau Digby hatte sich in den Schatten gesetzt, so daß Cora den Ausdruck ihres Gesichtes während der Pause die e ntQ«L° 9!e' »icht beobachten konnte. Aber sie errieth,' daß em Kampf in dem Mutterherzen stattfand 9
,,, den besten Weg gewählt, sich mein Vertrauen
sagte Frau Digby endlich. „Ich muß gestehen daß rch als mein Onkel von seiner Absicht sprach vor dem nnh?r” .^"ckschreckte, eine Fremde in mein Haus aufzunehmen L- M? «« i" «d-7-, Wq" b"w,-I«
’ - J er ”” Sie so heu und aufrichtig sind, wie Sie
stch in diesem Augenblicke zeigen, bin ich bereit, den versuch zu wagen. Sie sollen willkommen, aufrichtig willkommen in unserem Kreise sein und mit der Zeit, denke ich, werde ich Sie lieb gewinnen, wenn Sie es verdienen. Das Alle» wird von Ihrem Betragen in meinem Hause und davon abhängen, daß Sie sich bescheiden in den Grenzen Ihrer Stellung halten. Sind Sie damit zufrieden? . . . Verstehen Sie mich?"
„Ja," antwortete Cora leise, „ja, ich verstehe Sie und werde mein Möglichstes thun, Sie zu befriedigen."
„So wären wir einig und ich gehe, es meinem Onkel nntzutheilen und die nöthigen Vorkehrungen zu treffen," sagte Frau Digby und erhob sich.
Cora blieb allein in ihrem zukünftigen Daheim. Und als sie sich in dem eleganten Zimmer der verzogenen Trissa umschaute, da faltete sie die Hände in traurigem Zweifel über die Folgen ihrer Zustimmung. (Fortsetzung folgt.)
Madame Sans Göne.
Roman nach Victorisn Sardou und F. Morrea«.
Deutsch von Adel« Berger.
(Fortsetzung.)
Der magere, ausgehungerte Offizier, wie der nervöse erste Consul und der mächtige Kaiser hatte stets eine besondere Vorliebe für robuste Schönheiten.
Mit der etwas brutalen Galanterie, die er sich bereits angewöhnt hatte, trat er rasch auf die junge Wäscherin zu und streckte kühn eine Hand nach ihr au».
Catherine stieß einen leichten Schrei aus. Der künftige Sieger von Arcole war nicht fürs Zögern und begann den Angriff. Aber Catherine verschanzte sich rasch hinter ihren Korb und sagte zu dem überraschten Belagerer: „Nein, nein, Kapitän, e» ist zu spät! Was würde mein Mann sagen!"
„Richtig!" besann sich Bonaparte, innehaltend. Es wird also ernst mit dieser Heirath?"
„Sehr ernst — und ich wollte Ihnen auch außer meiner Heirath ankündigen, daß ich Ihre Wäsche nicht mehr waschen kann."
„Sie geben Ihr Geschäft auf, mein schönes Kind?" „Wäschereien gehen heutzutage so schlecht — und dann wollte ich meinem Manne folgen."
„Ins Regiment?" rief Bonaparte überrascht.
„Warum nicht?"
„Freilich, da» war schon da!" Und an Rense denkend, die sich Marcel zuliebe anwerben hatte lassen, murmelte er: „Sieh' da, die Armee wird jetzt lauter Ehepaare bekommen! Sie werden also das Schnellfeuern lernen und vielleicht auch das Bedienen der Kanonen?" fuhr er in spöttischem Ton fort:
„Ich kann mit einem Gewehr umgehen und was die Kanonen anlangt, könnte ich ja bei Ihnen Lectionen nehmen, Herr Kapitän, aber mein Mann ist bei der Infanterie," rief sie lachend. „Nein, ich werde nicht schießen, wenigstens nicht, wenn ich dazu gezwungen werde, aber es fehlt in den Bataillons an Marketenderinnen. Ich werde den Kameraden meines Mannes einen guten Tropfen einschänken — und ich hoffe auf Ihre Kundschaft, Herr Kapitän, wenn Sie in unsere Nähe kommen."
„Ich werde mich in Ihrer Cantine abonniren, aber nicht gleich. Der Minister erlaubt mir weder mich zu schlagen noch zu. . ."
Er wollte sagen: noch zu essen. Er hielt sich zurück und beendete einfach den Satz: „Noch in der Cantine Geld auszugeben. Also auf später — viel später, mein Kind!" fügte er mit einem Seufzer h nzu.
Und er kehrte, eine Beute seiner traurigen Gedanken, an seinen Tisch zurück. Catherine breitete langsam, ohne etwas zu sagen und etwa» betrübt über die Schwermuth des jungen Offiziers, dessen Armuth st« kannte, die mitge- brachte Wäsche auf dem Bette aus, so wie er es sie geheißen


