Donnerstag den 2. Mai

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jmit Gießener Anzeiger (Grnrral-AnMger).

Unebenbürtig.

Nvman von H. von Ziegler.

(Schluß.)

Der Tag des großen Festes bei dem Gesandten war herangerückt; zu Noras größtem Entsetzen hatte der Vater ihr am Morgen erklärt, er werde sie und Hohenthal zu dem Feste begleiten, denn er fühle sich wohl genug.

Das war eine große Enttäuschung für das arme Mäd­chen, denn sie hatte mit heimlichem Herzklopfen sich ausgemalt, wie schön es sein werde, den Geliebten im Gewühl des Festes recht ungestört zu sprechen; und nun kam der Vater mit, nun würden seine Argusaugen jeden ihrer Schritte bewachen!

Sie sah ganz reizend aus in dem märchenhaften Ideal- costüm, nur das Gesichtchen war lilienweiß. Stetten beobachtete sie unruhig, des Barons Worte fielen ihm ein und leise regte sich des Gewiffens Stimme.

Du mußt ein wenig Roth auflegen, Kind," meinte er endlich,denn Du siehst heute sehr, sehr bleich aus; nach dem Bilderstellen wird's schon besser werden, besonders wenn ge­tanzt wird. Auch der Wein hilft dabei."

O nein, Papa, ich schminke mich niemals. Wenn ich auch bleich aussehe, es schadet nichts," entgegnete das Mäd­chen nicht ohne Bitterkeit.

Hast Du schon gehört, Nora," fragte Baron Hohenthal ablenkend,daß Deine einstige Protectorin, die Fürstin Porscu, am Rande des Ruins steht?"

Nein, ich vernahm nie mehr etwas von ihr."

Nun, ihr Neffe, der ehrenwerthe Prinz Gregor, hat im Verein mit einer schönen Kunstreiterin auf der Fürstin Namen so viele Schulden gemacht, so daß des seligen Porscu Ver­mögensreste wohl gänzlich erschöpft sind. Man sagt nun, die Dame werde die dringenden Bewerbungen ihres Bankiers, Herrn Neumann, erhören und sich ein zweites Mal in die goldenen Fesseln der Ehe begeben."

Ich kann sie nicht bedauern," meinte Nora kalt.

Die junge Schauspielerin schlüpfte nach der Ankunft so­gleich in den Garderobenraum, wo bereits alle Darsteller sich bunt durcheinander drängten. Sie waren meist aus den ersten

Gesellschaftskreisen gewählt und nur einige Künstler und Bühnenmitglieder' befanden sich unter ihnen.

Unter rauschendem Orchestertufch flog der Vorhang empor, ein allgemeines Staunen und Entzücken begrüßte das erste Bild und als es vorüber, erscholl ein fast frenetisches Hände­klatschen, bis die Gardine sich nochmals hob.

Mit verschränkten Armen lehnte Graf Rudolf an einem Fensterpfeiler und starrte auf das Menschengewoge vor und um sich her. Seine ganzen Gedanken concentrirten sich auf sie, von der er heute für lange, lange scheiden sollte!

Da rauschte eine Schleppe neben ihm, süßlicher Parfüm­duft wogte um ihn her und eine dicke, ringgeschmückte Frauen­hand legte sich vertraulich auf seinen Arm.

Guten Abend, mein lieber Graf," grüßte die Fürstin Porscu, so holdselig lächelnd, als sei nie etwas zwischen ihnen vorgefallen.Wie freue ich mich, Sie einmal wiederzusehen, es ist eine Ewigkeit her, daß Sie mich nicht mehr besuchten."

Des Grafen Antlitz wurde bleich und leise flüsternd und kalt erwiderte er:Der Verkehr zwischen Ihnen und mir hat aufgehört, wie Sie wissen werden; ich habe keinerlei Ver­anlassung mehr, Ihre Schwelle zu betreten."

Ach, ich weiß, es war solch' eine alberne Thorheit meines Neffen Gregor, die Sie mir auch übel nehmen. Es ist eben ein leichtsinniger Knabe, der mir in letzter Zeit besonders viel Kummer und Sorge gemacht hat."

Frau Fürstin sehen jene damalige Angelegenheit von einem sehr leichten Standpunkte an. Prinz Porscus Hand­lungsweise war keine Thorheit, sondern ein Verbrechen, seine Flucht vor dem Duell aber erbärmliche Feigheit."

Alles wegen jener hübschen, kleinen Schauspielerin, Graf!" Lächelnd, drohend erhob sie den Finger.Sollten Sie wohl auch gar in deren Netze gefangen sein?"

Da fuhr Wildenstein empor, dunkle Gluth färbte sein Antlitz, seine Augen flammten und er sagte drohend:Sie sprachen von meiner Nichte, Frau Fürstin, ich muß sehr bitten, sich zu mäßigen in Ihren Aeußerungen, sonst könnte ich Veranlassung nehmen, ein gefälschtes Billet hervorzuziehen, welches eine gewisse Dame nach meiner Handschrift anfertigte."

Die elegante Dame ward kreideweiß und verlor momen­tan alle Fassung; ohne ihn nur noch einmal anzusehen,