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rauschte sie hinweg, scheu umherspähend, ob auch Niemand diese Drohung gehört. m
„Erbärmliche Schlange,"- murmelte Graf Wildenstein zwischen den Zähnen, „und sie meinte ich einst zu lieben! Wie glücklich bin ich, daß sie mich schon damals betrog und mich um Fürst Porscn« willen einst verschmähte. Was wäre ich an ihrer Seite geworden !"
Der Vorhang flog zum letzten Male in bte Höhe, das lieblichste all' der vorangegangenen Bilder zeigte sich den Zuschauern; Dornröschen schlief zwischen Rosen und Winden ihren tiefen Zauberschlaf. Die Bühne, ein durch eingeschobene Couliffenwände mit dem Hauptsaale verbundener und nun durch den Vorhang abgegrenzter Raum, stellte ein Bodenkämmerletn dar, in dem da» Prinzeßchen, die böse Spindel noch in den Händen, welche sie eingeschläfert, auf einem Schemel sitzt, das lockige Köpfchen in die Hand gestützt, im Schlummer lächelnd. Und durch all' die Rosenranken und Zweige schaute ihr gegenüber ein hübsches, neugieriges Jünglingsgesicht mit blitzenden Augen, der Retter und Bräutigam kam in's Zauberschloß, um sein holder Lieb zu wecken.
„Weich' ein Dornröschen," murmelte Hohenthal, an des Grafen Seite tretend, „sie ist die verkörperte Anmuth und Grazie!"
„Man könnte sich versucht fühlen, den milchbärtigen Knaben dort zu beneiden, der sie mit seinem Kuß in's Leben zurückrufen wird," flüsterte der Graf nachdenklich und ein unendlicher Liebesblick ruhte auf Nora, die im Schlafe lächelte. Dachte sie wohl an ihn?
Unter brausendem Beifallruf senkte sich der Vorhang, aber da» nicht enden wollende Händeklatschen verursachte, daß man ihn abermals emporzog. Es war Alles so wie vorhin, nur Wildensteins scharfes Auge bemerkte etwas Außergewöhnliches. Er war plötzlich todtenbleich und schritt hastig vor- wärts — im selben Moment, als drüben von der Bühne her ein Schrei des Entsetzens hörbar wurde: „Es brennt! Feuer! Feuer!" Sines der seitwärts dem Beschauer unsichtbaren Lichter war hinabgestürzt und — auf die Gazewolken von Dornröschen« Gewand.
Eine zuckende Bewegung des jungen Mädchens, Nora sprang empor und lief in Todesangst dem Saale zu, in dem das Publikum sich befand.
„Um Gottes willen nicht laufen! Niederwerfen I" schrieen einige entsetzte Stimmen, mehrere Damen fielen in Ohnmacht oder wichen scheu zurück vor dem in Flammen stehenden Dornröschen.
Aber ihre angstvollen Augen hatten schon Denjenigen gefunden, von dem fie Hilfe in Todesgefahr erwartete. — „Rudolf!" kam es noch über ihre zitternden Lippen, dann sank sie ohnmächtig in Graf Wildenstein» Arme, der sie fest umschloß, um dadurch die züngelnden Flammen zu ersticken.
„Einen Teppich, eine Decke, um Gottes Barmherzigkeit willen," stieß er athemlo» hervor und gleich darauf hatte er die Geliebte umhüllt, die Flammen verlöschten, doch leblos lag Nora in seinen Armen.
Da hob er die zarte Gestalt wie eine Feder empor und trug sie hinweg aus dem Saal, aus den Augen der fie neugierig umringenden Gesellschaft. In einem kleinen, entlegenen Boudoir legte er sie nieder und kniete vor ihr, das süße Gesicht mit Küssen bedeckend und mit tausend Schmetchelworten sie in's Leben zurückrufend.
„Nora, mein Liebling, wach' auf, ich bin bei Dir und ich will Dich nicht verlaffen, denn ich habe Dich mir gerettet! Du bist mein, meine liebe Braut, die Herrin des Wildensteins, wache auf!"
Nur zu rasch verflogen diese Augenblicke eines glückseligen Taumels, die rauhe Wirklichkeit trat in ihr Recht und als Nora die schönen Augen aufschlug, als sie lächelnd und er», röthend den Namen des heißgeliebten Mannes stammelte, da ertönten schwere, langsame Männerschritte und lauschend hob sie das Köpfchen.
„Der Papa kommt," flüsterte sie entsetzt.
„Ich bleibe," antwortete der Graf fest und noch einmal
glitt seine Hand liebkosend über ihr Haar, „meinst Du, ich hätte keinen Muth, um zu sagen, daß ich Dich liebe? Sri getrost, meine Nora, ich lasse nimmer von Dir."
Und dann stand der ehemalige Sänger finster drohend vor dem Grafen, der unbewegt an Noras Ruhebett stehen blieb und die Anrede des Eintretenden erwartete.
„Sie haben meiner Tochter das Leben gerettet, Graf Wildenstein," begann Stetten langsam, „und ich danke Ihnen dafür. Zugleich aber bitte ich Sie, sich zurückzuziehen, da - mein Kind sich nach Hause begeben muß; der Schreck hat Nora sehr angegriffen."
„Ich gehe nicht eher, als bis Sie mir dies Mädchen, welches ich gerettet, zu eigen geben: Ich bitte um Noras Hand."
Stetten richtete sich hoch auf, er sah sehr bleich aus.
„Nein," rief der Sänger zornig, „das Mädchen wird nicht die Ihre, das Band bleibt zerrissen zwischen dem Wilden« stein und seinen Herren und der Familie des bürgerlichen Sängers und ich schwöre mit einem furchtbaren Eide —"
Da legte sich eine kalte Hand schwer auf den Arm de, erregten Manne» und de» Baron» Stimme klang streng und drohend an sein Ohr: „Nicht weiter, Stetten, der Schwur könnte Sie eine» Tage» gereuen, edle Herzen, die zu einander gehören, reißt keine menschliche Härte auseinander. Dar haben Sie selbst erfahren. und sollten Gottes Gebot, welcher sich am schönsten in der Liebe offenbart, besser achten!"
Stetten taumelte bei dieser Mahnung Hohenthal« förmlich zurück und senkte den Blick zu Boden.
„Ich gehe," sagte der Graf Wildenstein und bot, um geachtet de» Vater», der Geliebten seine Hand, „vielleicht kehre ich eine» Tage» heim — wenn nicht, meine Nora, so bleibe mir treu wie ich Dir."
Und er nahm den Arm de» Baron», um ihn mit sich ;u ziehen, Vater und Tochter blieben allein.
„Komm' nach Hause, Nora," sagte Stetten jetzt beklommen und wollte ihre Hand ergreifen, „wir können nicht mehr in die Festräume zurückkehren, Dein Kleid ist arg beschädigt."
Aber schweigend wich sie ihm au» und hüllte sich in den Mantel, den Hohenthal» Fürsorge ihr gebracht; Thränen standen in den großen Augen, bitter zuckte der kleine Mund.
Wortlos fuhren sie heim, wortlos ging Nora in ihr Schlafzimmer, als aber am nächsten Morgen die treue Katharina hinein wollte, war es verschlossen und kein Rufen un> Bitten half. Man mußte die Thür öffnen, leblos fand mm das junge Mädchen auf dem Bett: ein tiefer Starrkrampi hielt sie umfangen. r ,
Erst nach vierundzwanzig Stunden kam sie zu sich, brach in heiße Thränen aus und begann wirre Fieberreden zu führen. Bedenklich schüttelte der herbeigeholte Arzt den Kops.
„Ich fürchte, daß eine heftige Gehirnentzündung im An- zuge ist. Das Fräulein hat gewiß einen starken Schreck gehabt?"
„Ja," sagte Stetten düster, „es brach bei dem Bilder- stellen, dem fie beiwohnte, Feuer aus und ihre Kleider begannen zu brennen." t , E.
Aber trotz dieser Worte war Stetten im Herzen doch st" überzeugt, daß etwas Anderes fein Kind so arg erschüttert habe; finster preßte er die Zähne zusammen und schwieg, « wollte nicht nachgeben.
Graf Rudolf hatte diese Nacht ebenfalls ruhelos verbracht; fein Koffer stand gepackt, er sandte ein Telegramm nach dem Wildenstein, damit man nun fein Kommen wisse und ihm den Wagen sende. Nun erwartete er Hohenthal, der ihn zur Bahn begleiten wollte. e
Endlich erschien derselbe sehr ernst und bleich und druckte dem Freunde bewegt die Hand.
„Armer Rudolf, Du büßest schwer, was Du damals an Therese gefehlt; weißt Du, daß Nora heftig erkrankt ist ?
„Nein!" stieß der Angeredete tonlos hervor. „Was fehlt ihr? Ist — Gefahr vorhanden?" , , a
„Bis jetzt nicht. Der Arzt fürchtet eine Gehirnentzündung, sie fiebert stark."
„Und ich Unglücklicher muß fern fein," stöhnte Wilden


