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„Ein wunderschönes Paar!" hieß es dann, al» drinnen in der Kirche die Orgel erklang und auch die Woge« der Aufregung sich hier draußen beruhigten, um einer weihevollen Stimmung Raum zu geben.
„Na, der Amerikaner und seine Profeflorstochter können sich auch sehen lassen," meinte ein alter Herr. „Sie macht eine glänzende Partie, da er schwer reich sein soll."
„Aber er nimmt sie mit nach Amerika, begreife nicht, wie die Eltern, die doch sehr wohlhabend sind, da» einzige Kind so weit fortziehen lassen können."
„Bitte recht sehr," tönte es von anderer Seite dazwischen, „er hat die schöne Leonore nur unter der Bedingung bekommen, wenigstens in Europa seinen Wohnsitz zu nehmen. Ich weiß aus sicherster Quelle, daß er eine Filiale seines großen überseeischen Geschäfts in London errichten und sich auch an einer von dem jungen Herrn Ehrharb im großartigen Maßstab geplanten Maschinen-Fabrik betheiligen, also in London und hier am Ort seinen wechselnden Wohnsitz nehmen wird. Die Fabrik kann unserer Stadt einen ungeahnten Auffschwung geben."
„Seine Festungshaft hat er doch schon abgemacht?" fragte eine Dame.
„Natürlich, — das war doch nur pro forma und hat ihn nicht gedrückt. Mich wundert, daß er nicht sein Jahr noch abdienen muß."
„Allerdings muß er das, und zwar als Ingenieur, was ihm ebenfalls keine Schwierigkeiten bereiten wird. Nun, es existirt wohl keine Seele in der Stadt, welche sich über den Gnadenact unseres Herzogs nicht gefreut hat."
Diese Stimmen aus der Zuschauermenge hatten in allem den Nagel auf den Kopf getroffen. Es war so, wie man sagte; Willibald wollte hier in der Vaterstadt aus eigenen Mitteln eine Maschinenfabrik errichten, und Hamson, um derselben die nöthige Leistungsfähigkeit zu sichern, als Compagnon eintreten.
Zwei prachtvolle Landhäuser in der reich mit Waldung gesegneten Umgegend wurden bereits für die jungen Ehepaare gebaut, und während Willibald ein stilles Häuschen bis zur Vollendung des eigenen Heims sich gemiethet, wollte Hamson mit seiner Leonore in die schottischen Berge eilen, um dort in der romantischen Stille und Einsamkeit da» erste Jahr seines jungen Glücks zu verleben.
„Du ziehst mit Papa zu uns,ßTante Dorothea!" hatte Elisabeth decretirt.
„Nein, Kind, ich bleibe in meinem Asyl. Papa aber wird endlich ein festes Heim gefunden haben, woraus kein fremder Lärm ihn vertreiben kann."
Drinnen in der Kirche war mittlerweile die Doppeltrauung zu Ende, die Orgel verkündete in hehren Accorden den Schluß der heiligen Handlung. Die Wagen fuhren vor. Alle Hälse reckten sich, um einen Blick auf die Neuvermählten zu werfen, aus deren Augen das reinste Glück leuchtete.
Und dann erscholl wieder ein brausendes Hoch, welches dem alten Stelzfuß, der soeben die Schwelle des Gotteshauses überschritt, Thränen in's Auge lockte. Sich hastig umwendend, ergriff er die Hand der ihm folgenden, puritanisch gekleideten Bernhardine Melchior mit festem Druck. Ein glückliches Lächeln huschte über ihr blasses Gesicht wie ein Sonnenstrahl jener Liebe, welche vom Himmel stammt und sich gewaltsam durch die Lava und Asche der Selbstsucht Bahn bricht, wenn das Herz von der Hand der ewigen Allmacht getroffen wird.
G-ineinniWges.
Gefrorenes Obst wieder brauchbar zu machen. Man füllt einen großen Napf mit recht kaltem Wasser, legt das Obst hinein, entfernt die sich bildende Eiskruste und läßt es an der Luft trocknen.
Gefrorene Mer eßbar zu machen. Ma« vermischt Brunnenwasser mit Salz und legt die Eier hinein.
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Eier aufzubewahren. Man wähle hierzu solche, die frisch vom Nest kommen, oder nur getragen, aber nicht gefahren worden sind, am wenigsten solche, die mit der Bahn befördert wurden; dann lege man sie in eine Auflösung von 10 Theilen Wasser und ein Theil Kochsalz; nach Jahresfrist schmecken sie noch wie frische Eier. * •
Will man gutes Fett und zugleich einen saftigen Braten bereiten, so nimmt man am besten ein Eckschwanzstück von etwa 5 Pfund, das im Winter wenigsten» 8, im Sommer 3 bi» 4 Tage „altgeschlachtet" sein muß. Man reibe e» zunächst mit feinem Salz ein — zu viel Salz macht den Braten zähe. Hat man unterdessen 2 Pfund in kleine Würfel geschnittene» Nierenfett in einer sauberen Pfanne etwa» flüssig werden lassen, so legt man den Braten nebst einem Stück Butter hinein, fließt einen Theil des Fettes darüber und läßt das Fleisch bei öfterem Begießen und einmaligem Umwenden auf jeder Seite etwa drei Viertelstunden hindurch langsam braten. Das Fett muß hell bleiben, andrenfalls erhält die Sauce keinen feinen Geschmack. Nimmt man endlich den Braten heraus, so halte man ihn möglichst heiß. Den größten Theil des Fetts fülle man in einen Steintopf und gieße zu dem Rest in der Pfanne soviel kochendes Wasser, wie man Sauce haben will. Darauf siebt man das Ganze durch, giebt geschnittene Zwiebel, einige Wachholderbeeren und etwas Mehl hinzu und läßt das Fleisch noch 1 bis 1V2 Stunden in dieser Sauce schmoren.
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Gebratene Kartoffelbällchen. Mit Wasser und Salz weich gekochte, trocken abgegoflene Kartoffeln stampft man fein und verrührt das Gestampfte mit ein wenig guter Milch, einem Stückchen guter Butter, wenn man will, mit einigen Eiern, und etwas Muskatblüthe. Aus dieser Masse formt man kleine, nicht zu dicke Bällchen, bestreut sie mit geriebener Semmel und backt sie in Butter oder in Butter und Fett schön braungelb. Dies Gericht paßt zu jedem feinet« Gemüse und Braten, wie auch Abends zum Salat oder zum Thee.
VermMchtss.
Auguste: „Na Rieke! Bei so 'en Doctor Dienstmädchen zu sind, bet is gar zu schrecklich. Denke Dir, jeden Morgen hat er seine Knochen in dem ganzen Zimmer 'rum liegen." — Rieke: „Herrjeses! Nimmt sich denn der Mann bet Abenbs janz ausenanber?"
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Boshaft. Pfarrer (kahlköpfig): „Ja, Herr Registrator, jedes Haar auf unferm Haupte ist gezählt!" — Registrator: „Da waren die Ihrigen wohl mit fortlaufenden Nummern versehen?" ♦ ♦
Ein Glück. „Fünfhundert Thaler Gehalt hat Dein Bräutigam nur? Da könnt Ihr ja nicht einmal eine Köchin halten?" — „Ist auch gar nicht nöthig . . . Eduard kann selbst kochen!"
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Seine Krankheit. Arzt (zu einem Patienten, der gleich an der Thüre wieder umkehren will): „Was wollen Sie? So bleiben Sie doch da!" — Patient: „Ach nein! Sie können mir ja doch nicht helfen . . . Sie haben ja selbst eine rothe Nase!" ♦ ♦
Schön gesagt! Emma: „Du, Karl hat mir geschworen, daß ich auf seine Liebe bauen kann!" — Ella: „Da» ist doch der reine Bau-Schwindler!"
Rcbactien: A. Scheyda. — Druck unb Berlag brr Brühl'schm Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Eieß-n,


