Kie Männer gingen nun auf die Kanzlei, wo sie allein waren, und der Oberförster bat, Platz zu nehmen.
„Herr Baumeister," begann er, „wenn Jemand da ist, der mein ganzes Vertrauen besitzt, so sind Sie es und darum wollte ich Sie bitten, mich einige Augenblicke anzuhören.
Der Verlust meiner lieben Schwester ist mir sehr nahe gegangen, aber die Ursache ihres schnellen Todes noch bei Weitem mehr.
Vor zehn Jahren wurde meine Schwester gelähmt und sie hat seit dieser Zeit Schloß Walten nicht mehr verlaffen. An Stöcken konnte sie sich nur mühsam bewegen und es wurde ihr sehr schwer, bis in ihren Garten zu gelangen-
Mein Schwager war kein reicher Mann, doch besaß er so viel, daß er mehr als standesgemäß leben konnte. Sein Geld hatte er in sicheren Papieren auf der Reichsbank in Danzig niedergelegt, und aus seinen großen Ländereien, die er theils verpachtete, theils selbst bewirthschaftete, nahm er viel Geld ein. Er führte ein strammes Regiment, wie er selbst ein pünktlicher, tüchtiger und ordnungsliebender Mensch war. Seine Inspektoren waren fleißige Leute, die ihm nichts weiß machen konnten, da er in der Landwirthschaft genau Bescheid wußte.
Da kamen die Kriegsjahre und des Königs Ruf drang auch zu meinem Schwager. Als Lieutenant zog er hinaus in die blutige Schlacht und zwei Tage vor seines einzigen Sohnes neuntem Geburtstage empfingen wir die Nachricht von seinem Heldentode bei Vtonville-
Meine Schwester war wie vernichtet und lange Zeit war fie für Niemandem zu sprechen. Tagelang schloß sie sich in ihr Zimmer, bis es mir endlich gelang, sie wieder in ruhigere Bahnen zu leiten. Die beiden Jnspectoren wirthschasteten nun weiter, aber die Erträgnisse unv Einkünfte wurden von Jahr zu Jahr geringer- Meine Schwester, die Niemandem etwas Unrechtes zutrauen konnte, am allerwenigsten diesen Leuten, hat auch nie erfahren, daß diese Menschen in ihre eigenen Taschen arbeiteten und da» Vertrauen so schändlich mißbrauchten,
Aber das war noch nicht das Schlimmste.
Arthur besuchte bald die Kadettenschule in Kulm, au» der er al» Lieutenant hervorging. Ich habe den Jungen geliebt wie mein eigen Kind, wiewohl mir sein Benehmen oft nicht gefiel. Indessen gelobte er immer Besserung auf mein Vermahnen, nie ober im Leben hatte ich auch nur die geringste Ahnung, daß er ein — Spieler war," sagte der Oberförster erregt und zwei große Thränen fielen in seinen grauen Bart.
„Bll' das Vermögen von Walten wurde nach und nach geringer. Hypotheken auf Hypotheken wurden ausgenommen und die Güter dadurch verpfändet; über meiner Schwester gingen die Augen nicht auf und nie hat ste mit einer Silbe davon zu mir gesprochen. Nie hat sie mir gesagt, daß sie für ihren Sohn oft große Summen bezahlte, einmal sogar zwanzigtausend Mark.
Ich habe auch nie begreifen können, daß Arthur in den letzten Jahren stets das dritte Wort meiner Cousine, der Frau Doctor Weiler, war. Immer glaubte ich an ihre Voreingenommenheit für den Soldatenstand. Jetzt freilich bin ich anderer Meinung, nun ist mir Alles klar, denn auch ihr ganzes Verwögen ist dem Nimmersatten Teufel des Spieles geopfert- Allerdings gab er ihr Schuldscheine, auf denen die Zinsen reichlich eingerechnet waren, aber diese Scheine brennen vielleicht schlechter, als gewöhnliche Fidibusse.
Vor vierzehn Tagen hat er nun wieder so unsinnig gespielt und hunderttausend Mark — sage hunderttausend Mark — verloren. Seine Mutter konnte ihm nichts mehr geben, wiewohl sie es vielleicht gern gethan hätte; er konnte zur bestimmten Frist sein Ehrenwort nicht einlösen, er nahm seinen Abschied und heute ist er auf dem Wege nach Australien, ohne seine Mutter, ohne uns noch einmal zu sehen.
Hier ist der Wisch — sein letzter Brief — mit dem Ringe, den er uns sandte." Und der Oberförster nahm Beides an» einem verschlossenen Schub.
„Seiner Mutter hat er ähnliche Mittheilung gesandt und
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al» ste inne wurde, welchen Schimpf er ihr und ihrem Haufe angethan, war ste aus'» Höchste erregt und nach zwei Stunden lag sie vom Schlage getroffen vor dem Bilde ihres Mannes.
O, Herr Baumeister, was ich in diesen Stunden gelitten, das kann ich Ihnen nicht sagen und daher bin ich froh, daß Sie heute gekommen. Nun fühle ich mich erleichtert, denn der Mensch braucht in solcher Verfassung ein Herz, dem er sich ausspricht." —
Ruhig hatte Heyd zugehört, dankte ihm für das Vertrauen, das er ihm geschenkt und sagte: „Fürwahr, es ist ein schwerer Schlag, der Sie getroffen; wohl aber Ihrer Schwester, die nun dahin ist, sie hat genug gelitten, die Erde wird ihr leicht sein, sie wird in Frieden ruhen und Ehre ihrem Andenken.
Was bas Verschwinden Ihres Neffen anbetrifft, so hat mich diese Mittheilung auf's Höchste überrascht.
Wieder ist es die alte Geschichte: Jugend, Leichtsinn, Verwöhnung, Eitelkeit, die Sucht, zu „repräsentiren" und e» Anderen nachzuthun, der „Club", das „Jeu“ und Aehnliches, was so viele stolze, hoffnungsvolle Offiziere in's Verderben und schließlich über's Meer treibt. Leider nur die wenigsten finden in ihrem Ehrgefühl noch die Energie, sich durch harte Arbeit im fremden Lande wieder emporzurichten, die meisten aber gehen schimpflich unter. Ihrem Neffen, Herr Oberförster, hat die strenge Erziehung gefehlt, denn wäre sein Vater noch am Leben, so hätten Sie gewiß bald mit Stolz auf Ihre Kinder blicken können, denn Curt hat kein schlechtes Gemüt h. Von Hause aus standen ihm aber viele Mittel zur Verfügung und so ist e» ganz natüilich, daß diese zum Wohlleben und Leichtsinn führten, denn diese „noblen Passionen", bei denen Spiel und Wetten obenan stehen, sind doch fast ausschließlich das Privilegium dieser Kreise.
Curt von Walten war nicht der Erste, der diesem Moloch zum Opfer fiel und er wird auch nicht der Letzte sein; hätten wir, Herr Oberförster, das Leben von der nämlichen Seite kennen gelernt, so wäre es doch zum Mindesten fraglich gewesen, ob wir nicht denselben Weg gegangen wären-
Mir war sein Leben und Treiben nicht unbekannt und dennoch wäre es tactlos gewesen, Ihnen davon Mittheilung zu machen, denn ich konnte ja nicht einmal wissen, ob Sie nicht ebenso unterrichtet waren wie ich. Auch hieße er wohl zu viel Vertrauen von mir heraurgenommen, mit Ihne« davon, zu sprechen, und das hatte ich wohl überlegt."
(Fortsetzung folgt.)
Zur Weeren-WerwerMng.
In den mannigfachen Beerensträuchern, die wir im Garten, im Felde und im Walde antreffen, liegt ein Reich- thum, der von den meisten Menschen nocht nicht in dem richtigen Maße anerkannt wird. Wenn uns der Obstbaum und die Weinrebe im Stiche läßt, so finden wir zahllose Beeren, welche uns durch ihre Säfte in gesunden und kranken Tagen Labsal und Hülfe verschaffen.
Da nun jetzt die beste Zeit ist, die Beeren der verschiedensten Arten zu sammeln, z- B. Schlehen und Hagebutten, so glauben wir es angebracht zu finden, unseren Lesern einige Winke über die mannigfachste Art und Weise der Benützung der eßbaren Beeren für die Küche und für den Haushalt zu geben.
lieber die Verwerthung der Johannis-, Stachel- und Himbeeren haben wir schon in früheren Nummern Rezepte gebracht, weßhalb wir uns heute nur mit den noch am meisten vernachlässigen wild wachsenden Beeren beschäftigen werden:
Brombeeren. Will man Brombeerensaft mit Zucker conserviren, so zerstampfe man die reifen Beeren, presse den Saft aus und nehme auf je ein Liter desselben 1 Kilo Zucker. Diese Vermengung setze man aufs Feuer und koche es so lange, bis kein Schaum sich mehr abscheidet; die erkaltete Flüsigkeit aber fülle man auf Flaschen. — Gelös aus Bromberen: i/3 Kilo Saft wird mit 500 bi» 600 Gramm


