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.Untrrhaltungsblatt ?um Gießrnrr Anzeiger (Oenrrai-Anzeiger).
Die Tochter des Meeres.
Roman von «. Riovl«.
(Fortsetzvag.)
Lady Marian gab ihr kurz die Richtung und die Thür der Versteckes an, und Cora wandte sich zum Gehen.
„Aber kommen Sie gleich zurück. Ich bin in Todesangst, bis Sie wieder hier find," sagte Lady Marian noch hastig, als fie die Thür schloß.
Cora hörte sie entweder nicht oder sie achtete des Be- fehles nicht.
Das leichte, spöttische Lächeln, das um ihre Lippen spielte, als sie den Corridor hinabeilte, sprach mehr für die letztere Vermuthung.
Jedenfalls lief sie mit staunenswerther Sicherheit durch die ihr bezeichneten Gänge und Corridore, bis fie den Seitenflügel des Schlosses erreichte, der durch eine Treppe mit dem übrigen Hause verbunden war.
Sie flog fast die Stufen hinauf und in wenigen Minuten stand sie vor der eichengetäfelten Thür, die Marian ihr beschrieben hatte.
Sie holte tief Athem . . . dann schob sie den Schlüssel, den sie von Lady Marian erhalten hatte, in das Schlüsselloch und öffnete die Thür.
Es war ein seltsames Gefühl, einem Menschen gegenüberzutreten, dessen Hand erst kürzlich mit Blut bedeckt war und Mr den sie durch die Gefahr, in der er schwebte, und den Glauben, daß er sein Leben und mehr als sein Leben für sie gewagt hatte, ohne es selbst zu wissen, eine große Theilnahme empfand.
Aber im nächsten Augenblick hatte sie die Schwäche überwunden, und trat festen Schrittes und mit äußerlich ruhiger Miene in das Zimmer.
XV.
Lord Faros Hau», in dem vor wenigen Tagen noch Freude herrschte, war in düstere Trauer gehüllt, denn der edle Lord Faro war an den Folgen des unglückseligen Duells gestorben und gestern beerdigt worden.
Die Läden waren geschloffen und Alle im Hause bewegten sich nur leis« und mit gedämpftem Schritt.
„Liebe Netta, ich glaube, wir thäten am besten, den Ort hier bald zu verlassen. Das Unglück hat meine Nerven vollständig zerrüttet und Alles zu ordnen ist jetzt viel schwieriger, als wenn Dein Vater auf andere Weife gestorben wäre. Jetzt kann von einer Verbindung zwischen Dir und Lord Belfort nicht mehr die Rede sein, nachdem er den Tod Deines Vaters veranlaßt hat, wenn es auch vielleicht nicht seine Schuld ist; er war ja derselben Gefahr ausgesetzt. Schlimm freilich ist es, daß Dein Vater nicht lange genug lebte, um die Grafenwürde zu erhalten; dann hätte sich auch Dein Vermögen be- deutend vermehrt. Doch das läßt sich nicht mehr ändern und das Einzige, was wir thun können, ist, die Freundschaft mit Deinem Onkel, Graf Treville, so viel als möglich zu culti- viren. Ich dachte, wir gingen Deiner Gesundheit halber nach Cannes, dort hat er, wie Du weißt, die letzten fünf Jahre gelebt. Jede Minute erwarteten wir die Nachricht von seinem Tode; statt dessen stirbt Dein armer Vater noch vor ihm, und wie ich fürchte, durch seine eigene Schuld," sagte Tante Emily zu ihrer Nichte.
„Das ist nun vorbei," erwiderte Netta niedergeschlagen, „und es läßt sich nichts mehr daran ändern. Aber diese düsteren Zimmer ertrage ich nicht länger; ich muß ein wenig hinaus in die freie Luft gehen."
Und hastig, ohne die Einwände ihrer Tante zu achten, hüllte sich das junge Mädchen in ein leichtes Tuch und verließ das Haus.
Sie sah reizend aus in ihrem Traueranzug. Ihre frische Gesichtsfarbe contrastirte wunderbar mit dem schwarzen Kleide und ihr goldenes Haar trat, von dem schwarzen Schleier eingerahmt, den sie lose um den Kopf geschlungen hatte, besonders schön hervor.
„Die Trauer kleidet sie so gut, daß sie noch, bevor fie dieselbe wieder abgelegt hat, in die Welt eingeführt werden sollt»," dachte Lady Emily, als ihre Nichte von der Veranda in den Garten hinabging. „Daß sie erst fünfzehn Jahre alt ist, schadet nichts. Die Menschen heirathen jetzt sehr jung und gewiß wartet Jeder gern einige Monate auf eine schöne Erbin."
Und Lady Emily vergaß fast die traurige Umgebung in der Erwartung, eine unbestrittene Macht über die nächste Zukunft ihrer reizenden Nichte zu bekommen.


