Ausgabe 
1.1.1895
 
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Ihre

Familie Ehrhard, welcher sich Ihnen als Profeffor Carlien vorstellt, in dieser Sache vertrauen zu wollen."

Hamson zerrte nachdenklich an seinem Schnurroart.

Allerdings komme ich im Auftrage meines Freundes Ehrhard," versetzte er endlich,weiß jedoch nicht, ob er damit einverstanden ist, Ihnen zu vertrauen."

Er ist also hier in X.?"

,Wir sind vor einer Stunde eingetroffen. Ist er Ihnen persönlich bekannt, Herr Profeffor?"

Na, daa sollt' ich meinen," rief dieser lachend,der Willibald war mehr bet mir, als bei feinem Onkel. Wissen Sie was, mein lieber Herr? Ich gehe mit Ihnen, um ihn zu begrüßen. Die Luft wäre heute Abend nicht ganz rein hier für ihn, weil der Hauptmann gleich kommt. O, da höre ich ihn schon, warten Sie, daß ich das Fräulein instruire und reden Sie kein Wort von Ihrem Freund."

Er öffnete bei diesen halblaut gesprochenen Worten die Zimmerthür und rief:Entschuldigen Sie mich auf ein Stündchen, Fräulein Ehrhard! Ich gehe mit Herrn Hamson fort es ist Willibalds Freund," setzte er leise hinzu, werde ihn für einen Londoner Bekannten ausgeben. Ih" Gäste kommen soeben, da sind sie."

(Fortsetzung folgt.)

GeineinnNtziges.

Wie gewöhnst dn deine Kinder znm Ge­horsam. Wie erzieht man ein Kind ohne Ruthe und Stock frühzeitig zum Gehorsam? Das ist eine der wichtigsten Fragen der Erziehungskunst. Vor allem hüte man sich, mit dem Kinde über den Gegenstand des Ge» oder Verbotes Spaß zu treiben. Sobald man lacht, entsagt man der Herrschaft. ©Diele und scherze mit deinem Kinde und zeige ihm die zärt­lichste Liebe, aber alles zu seiner Zeit! Hast du aber in einem gewissen Punkte einmal Gehorsam verlangt, so sei ernst und fest: suche denselben nicht durch Bitten und Schmeicheln zu erlangen! Das Kind versucht tausend Wendungen, um deinen Widerstand zu besiegen. Derartige Versuche aber sind schon die Folge der Weichheit und Schlaffheit, womit man seinen Willen kundgegeben hat, und es steht bedenklich um deine Herrschaft, wenn du dich erst einmal hast besiegen laffen. Ein großer Fehler ist es, wenn zärtliche Mütter oder Väter glauben, sie dürsten ihren Liebling nicht auch einmal ein ernstes, strenge; Wort hören laffen. Ist man in seinen Be­fehlen ein» oder zweimal streng consequent geblieben, so wird man künftig nicht mehr in die Lage kommen, ernst und streng verfahren zu müffen; das elterliche Ansehen ist und bleibt gewahrt, die gegenseitige Liebe aber erleidet dadurch keme solche Einbuße, wie da, wo der Stock täglich und stündlich das Re» giment führt- Die Erziehung zum unbedingten Gehorsam ist - wir wiederholen es die wichtigste Grundlage aller guten Erziehung; sie ist zugleich die beste Vorbereitung für die Subordination in der Schule und für das spätere Leben.

* *

Winterarbeit. Alle empfindlichen Obstarten, wie Aprikosen, Psu siche, Mandeln und Feige» sind durch Ein» binden mit Tannen» oder Fichtenreisig zu schützen. Bei starkem Frost oder Schneefall wenden wir den Nestern der Winter» raupen unsere besondere Aufmerksamkeit zu und vertilgen die­selben. Die Bauwbänder werden untersucht und eventuell er» neuert, die Umzäunung untersucht und ausgebessert, im Obst» keller scharfe Wacht gehalten und alle angesteckten und faulen Früchle bei Zeiten entfernt.

*

Das Erfrieren der Kämme bei den Hühnern, namentlich solcher Raffen, welche fehr große Kämme tragen, kommt in kalten und windigen Wintertagen häufig vor. Um

dieses zu verhindern, halte man die Hühner bei großer Kälte und Wind im Stalle und füttere reichlich, bis die Witterung wieder milder geworden. Kommt es nun vor, daß den Hähnen die Kämme erfrieren, so halte man dieselben einige Tage ver­einzelt, damit nicht die anderen Hühner daran picken und be­streiche den Kamm sofort einige Male mit nachfolgender Ttnctur und die Circulation des Blutes wird wieder herge­stellt, der Kamm wird wieder roth und die Spitzen desselben werden nicht abtrocknen : Ein wenig Safrantinctur, dis gleiche Menge Kampferspiritus, ebenso viel Terpentin. Alles in einem Glase zusammengemischt und davon mit einem weichen Pinsel die erfrorenen Stellen bestrichen-

Wunden bei unseren Hausthieren müffen auch wenn sie ganz unbedeutend sind, mit reinem Wasser ausge­waschen werden; bluten sie stark, so setzt man dem Wasser etwas Alaun zu. Um Eiterung zu verhindern, überstreicht man die Wunde mit Kollodium, welches eine schützende Decke bildet, so daß die Heilung ungestört vor sich gehen kann.

Geschlachtetes Geflügel ist vor dem Rupfen nicht zu brühen, vielmehr ist das Rupfen sofort nach dem Schlachten, so lange das Thier noch warm ist, vorzunehmen. Das Brühen erleichtert allerdings das Ausziehen der Federn, aber die Haut wird dadurch unansehnlicher und mürbe, weßhalb sie dann beim Rupfen sehr leicht zerriffen wird.

Conservirung von Schuhsohlen. Die Dauer­haftigkeit der Schuhsohlen kann man durch mehrmaliges Ueber» streicheu mit Copalfirniß bedeutend erhöhen und das Leder wird dadurch wafferdicht. Sehr viel trägt zur Conservirung bei, die Sohlen vor der Benutzung ein Jahr alt werden zu laffen und 2 bis 3 Paar Schuhe zu benutzen, damit das Leder stets wieder aüstrocknen kann. Neue Sohlen, täglich gebraucht, werden in Kürze abgenutzt, weil dieselben stets

I feucht und bann nicht wiederstandsfähig sind.

Vermischtes.

Heber die großen Sorgen eines kleinenTheater­directors" belehrt uns ein Zwiegespräch, das in einem kleinen Städtchen jüngst belauscht worden. Bürgermeister:Sagen Sie 'mal, Herr Director, zu soner DirectionSführung ge­hört doch wohl viel Kapital?" Theaterdirector:Das will ich meenen, mei lutes Herrchen- Namentlich zu die Vor» schüffe. Da kommt sie der erschte Liebhaber und fordert fuffzig Fennige, die dr agische Liebhaberin braucht fimf Groschen, und wenn nun der dückische Jntrikuant niederträchtigerweise ooch noch sone Summe verlangt, da sin Se fuffzehn Silber­groschen weg, man weeß nich wie!"

Kindermund- lieber Tisch war einmal die Rede von einem großen Hofgut, das eine ausgedehnte Milchwirthschaft betreibt. Im Verlaufe des Gespräches fragte Mathilde, ob es auch noch andere Kühe gebe als Milchkühe. Frida aut» «ortete:Ja weißt, die wo de saure Rahm gebe." (Die, welche den sauren Rahm geben.)

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Das kranke Pferd. Ein Herr nimmt sich eine Drofchke auf Zeit. Nachdem der Kutscher ihn eine zeitlang im langsamsten Tempo dahingeschleppt hat, biegt sich der Fahrgast ungeduldig aus dem Fenster der Droschke und ruft: Weshalb fahren Sie denn so langsam?" "Mein Pferd ist krank."Was fehlt ihm denn?"Es hat die Schwind - sucht."Na, aber sicher nicht die galoppierende!

Redactwn: A. Schema. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Eichen.