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Donnerstag, dm 31. Mai.

Die Hexe von Bingenheim.

Von Gg. Schäfer.

(Fortsetzung.)

An einem der äußersten Tische, weit weg von der Mustk und dem Tanzboden, saßen die alte Beilstein Wittwe und ihre Enkelin Sibille König.

Warum hast Du mich hierher geleitet," fragte die Alte. Man sieht hier nichts, nur wenige Menschen sitzen da, kaum wird sich ein Tänzer bis hierher in Deine Nähe verlieren."

Das ist der Grund, weshalb ich diesen Platz gewählt habe," antwortete Sibille.Am liebsten wäre ich ganz zu Hause geblieben, ungeachtet ich den Wald, sein Rauschen, seine Thiere so unaussprechlich liebe. Wohin wir kommen, starren uns die Menschen an und ich muß zuweilen das Zischeln ver­nehmen: Die Hexe von Bingenheim. Das dringt mir wie ein Dolchstich in's Herz und ich muß immer denken, wenn es keine schlimmeren Hexen gibt als ich, wollen wir zufrieden sein."

Beruhige Dich, mein Kind, das ganze Land weiß, daß Du keine Hexe bist, die gestraft werden muß. Die Leute wer» den von Dir behext, weil Du so brav und gut bist, wie man es nicht leicht wieder findet- Laß uns darum etwas mehr unter die Menschen gehen, mische Dich unter das junge Volk, tanze nach Herzenslust im Reigen mit, Du kannst es schöner und besser, als alle Anderen."

Sibille erhob sich und ging langsam mit der Großmutter dem Tanzplatze zu. Rentmeister Bardenstein begegnete ihnen und grüßte, man sah ihm an, daß ihn der Anblick des schönen, sittsamen Mädchens überraschte. Der Sohn des Schultheißen von Echzell kam und holte Sibille zum Tanze. Alle Blicke wandten sich nach der schönen Tänzerin, deren Füße den Boden kaum zu berühren schienen.

So wie die, kann es keine Andere," meinte ein biederer Ackerrmann aus Berstadt.Meiner Treu! Die könnte Einem den Kopf in feinen alten Tagen noch durcheinander machen."

Das ist ja die schöne Hexe von Bingenheim, Peter!' erklärte ihm sein Nachbar.Hast Du noch nichts von ihr, der alten Beilstein Enkelin, gehört? Dort steht die Alte, schau' hin! Ihr Gesicht strahlt vor Stolz und Vergnügen, daß ihre Enkelin alle übrigen Mägdlein aussticht."

Die Alte scheint mir hoffärtiger zu sein, als die Junge. Sieh' nur, wie das Mägdlein bescheiden und sittsam erscheint und Jedermann auswetcht, oder fein höflich und artig mit den Leuten spricht. Die könnte gut eine Prinzessin abgeben, wäre

mir aber auch als Schwiegertochter angenehm, denn keiner von den Burschen wagt es, zudringlich oder laut zu werden, wie es bei änderen Dirnen geschieht. Alle werden rücksichtsvoll, wo sich die schöne Hexe hinbewegt."

Ei, Peter, was würde Deine Alte zanken, wenn sie hören könnte, wie Du in Verzückung wegen des schönen Mägd­leins gerathen," bemerkte der Nachbar.

Meinetwegen auch, möchte sie immerhin," antwortete Peter.Ich spreche meine Freude aus, wenn ich eine schöne Blume, ein schönes Haus, eine schöne Gegend sehe, warum soll ich mich nicht aussprechen, wenn ich ein schönes Menschen­bild erblicke. Nichts Schöneres gibt es auf der Welt, als ein schönes Mägdlein."

Bardenstein, der Rentmeister, hatte diese Unterredung der beiden Landbewohner mit angehört, denn er stand dicht hinter ihnen. Da er aber Beide um eines Hauptes Länge überragte, konnte er bequem auf den Tanzplatz sehen und die Bewegungen des Mägdleins verfolgen. Nichts entging seinen scharfen Augen. Jetzt hob sie den Kopf ein wenig und schaute herüber, gerade in das Angesicht des Jünglings. Blick traf in Blick. Sibille wandte augenblicklich die Augen zur Seite, aber ein tiefes Roth flog über ihre lieblichen Züge-

Ais der Tanz zu Ende, ging Sibille zu der Großmutter und bat, auf ihren früheren Platz zurückgehen zu wollen.

Zu welch' Ende willst Du das?" fragte die Alte etwas vorwurfsvoll.Hier sehe ich das junge Volk munter im Reigen sich schwingen, Alles ist in Bewegung, noch eine Stunde wird der Reigen währen, tanze mit nach Herzenslust und lasse mir das Vergnügen, die Menschen und ihr Thun zu betrachten."

Ihr habt Recht, Großmutter, doch wisset, mir ist plötz­lich heiß geworden und ein heftig Herzklopfen droht mir die Brust zu zersprengen," antwortete die Enkelin.Gerne möchte ich mich ein wenig niederlaffen, so wird mir besser werden."

Armes Kind I" sprach die Alte besorgt,Dir ist wirklich nicht gut, nun wirst Du gar blaß und bleich. Komme hier weg. Ich sage Dir, Du mußt fleißiger unter die Menschen gehen, auch zuweilen einen Tanz mitmachen, das bekommt Dir gut, denn Bewegung eignet sich für die Jugend."

Am hintersten Tische, wo ste vorher gewesen und Niemand saß, ließen sich Beide nieder. Sibille athmete schwer, Blässe und Röthe wechselten in ihrem lieblichen Gesichtchen. Es ließen sich Schritte hören; Bardenstein, der Rentmeister, trat herzu.

Ihr habt Euch weit weg und ganz allein hierher gesetzt," sprach er freundlich und höflich grüßend.Wenn es erlaubt ist, möchte ich mich herzu setzen und ein wenig der Unterhaltung pflegen."

Da» Gesicht der alten Beilstein glänzte vor Vergnügen,