Ausgabe 
31.5.1894
 
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Stimme, ihr Organ, vernahm er nicht. Sie erwiderte seine ehrerbietige Begrüßung und blieb stumm.

Graf N. wurde immer redseliger; er hoffte dadurch diejenige zum Sprechen hinzureißen, über deren Organ er nun doch in'S Klare kommen wollte.

Jetzt war es ihm gelungen! Ein inneres Aufjauchzen durchzuckte sein Herz - ja, sie war es, wenn es auch nur ein paar zaghafte Worte verrathen hatten.

Das war ihm aber jetzt auch genügend. Er hatte ja vorher genug gehört.Sie war es, sie ist es, und sie wird es ich hoffe es einst werden!" Diese Worte standen klar und leuchtend in seinem entflammten, gefangenen Herzen! Nicht das Aeußere Edla's, nein, in erster Linie ihr lieblich mildes Organ, voll echter Weiblichkeit hatte es ihm angechan.

Graf N. wiederholte seinen Besuch früher, als es fast üblich war. Aber man verzieh' ihm dies nicht nur, sondern nahm ihn huldvoller auf, als so manchen Anderen, und Edla's Wangen rötheten sich, ihr Herz schlug höher, wenn er eintrat.--

Einige Monate darauf feierte man in den glänzenden Räumen des Commandeurs ein Verlobungsfest. Graf R. und Edla gedachten einen Bund fürs Leben zu schließen.

Die Gäste waren noch nicht erschienen, da zog der Bräu­tigam die holde Braut an seine Seite und sagte warm und innig:

Ich bin stolz und glücklich, solch schöne Mädchenblume wie Dich, Edla, bald die Meine nennen zu können,- aber vernimm: zuerst habe ich mich doch in Dein Organ und Deine zierliche, reine Sprache verliebt! Welch' unsagbaren Zauber eine Frau damit auf den Mann ausübt, daß sie in jeder Stimmung und Lebenslage nicht aus den Schranken des Weiblichen tritt und Organ und Sprache zu beherrschen weiß; dies ahnt Ihr nicht! Bei Dir, holde Edla, ist Ton und Ausdrucksweise eine Wiederspiegelung Deiner schönen Seele, Deines klaren Verstandes und sorgfältigster Erziehung. Aber nicht Viele sind so reich bedacht, und was Dir von selbst kommt, müssen sich andere mit Mühe und größter Aufmerk­samkeit auf sich selbst erst anzueignen suchen. Wie der Gesang geschult wird und der Ton zu veredeln ist, kann es auch Organ und Sprache durch Fleiß. Es giebt aber auch Frauen mit dem denkbarsten Jndifferentismus, keine hervorsprudelnde Begeisteruug, kein Kampf für das Wahre und Schöne kann sie zu einem Mißton ihres angeborenen schönen Organs verleiten. Es sind dies nichtssagende, thatenlose Wesen, welche oft nur durch ein Paar Worte, ohne eigenen Verdienst, Herzen erobern, aber es währt nicht lange, dann erkalten die Klugen wieder. Und dennoch deckt das milde, weibliche ihrer Ausdrucksweise manche Fehler zu und entschädigt für glänzendere Reize und tiefere Gemüthsbildung!"

Edla hatte ihr Köpfchen an des Verlobten Schulter gelehnt und ihm aufmersam zugehört. Jetzt hob sie dasselbe ein wenig und fragte forschend:

Nicht wahr, Du sprachst nur von Frauen unseres Standes ?"

Nicht ganz, liebes Kind!" entgegnete der Graf.

Ich setze voraus, daß die Damen unseres Kreises so erzogen sind. Aber das Gesagte gilt für jeden Stand! Denke Dir, wie unangenehm es uns berührt, wenn wir auf der Straße an einer reich geputzten Frau Vorbeigehen, und dann plötzlich ein von ihr ausgehender, kreischender Ton ihrer Sprache unser Ohr beleidigt und wir vielleicht noch bei der scheinbar vornehmen Dame bemerken, daß sie garmir und mich" verwechselt!"

Edla lachte hell auf.Du hast Recht, Geliebter!" sprach sie weich;nicht nur das Kleid soll fein und zierlich sein, sondern auch die Redeweise! Das ist es ja, wovon man den Gebildeten von dem Ungebildeten unterscheidet, denn Sammt und Seide kann sich Mancher kaufen, zu dessen Aeu- ßerem und Wesen es nicht paßt!"

Aber sage mir", fuhr sie fort,wie lautet denn Dein Urtheil über Dialekt? Diese find doch nicht ganz aus der Welt zu räumen?

Ein reines Deutsch soll eigentlich ohne Dialekt sein!" gab Graf N. zur Antwort. Aber selten ist derselbe ganz zu verwischen, und der prononcirteste Dialekt vermag zu entzücken, wenn er auch in diesem Falle von einem lieblichen Organ, ohne Ausschreitungen desselben, unterstützt wird! Lieblich milde soll Herz und Gcmüth der Frauen sein, und auch ihre Offenbarung durch Worte,- nicht schroff wie kahle Felsen, ohne freundliche Baumzierde!"

Edla's Mutter war inzwischen unbemerkt in die Thür getreten und hatte die letzten Worte gehört.

Lächelnd näherte sie sich dem Bräutigam, drohte dem Schwiegersohn in spe mit dem Finger und sprach:

Wie, hörte ich recht? Es schien mir eben Ihre Rede ein wenig einer Gardinenpredigt ähnlich! Noch ist's Zeit, denn ich bestehe darauf, dies Vorrecht fällt einst der Frau zu- es ist dies bisweilen von größter Wichtigkeit."

Vermischtes.

Aus der Schule. Lehrer:Warum sollst Du nicht stolz sein auf Geld und Gut?" Schüler:Weil wir mchtr haben."

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Immer Geschäftsmann.Sieh' nur, Malwine, wie großartig dieser eine Stern dort links am Firmament an­der Million seiner Concurrenten herausfunkelt I"

Aus der Kaserne. Sergeant:Sie Esel, Sie Schafs« köpf, Sie Heuochs ... Sie ... Sie .. . Ja, wenn man Ihnen die Leviten liest, merkt man erst, wie arm unsere Sprache ist!"

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Unteroffizier:Werdet Ihr heutzutage in einer Schlacht verwundet, so wird die Wunde luftdicht verschlossen und in drei Tagen seid Ihr geheilt. Diese Erfindung haben wir dem berühmten Anton Septisch zu verdanken!"

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Abwehr. Arzt:Unverbesserlicher I Also zwei Pfund Spickaal mit Kartoffelsalat haben Sie gegeffen und sich damit selbstverständlich wieder den Magen gründlich verdorben!" Patient (ärgerlich):Natürlich, jetzt muß wieder der Spickaal daran schuld sein! Mir war vorher schon so miserabel!"

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Ein Schwerenöther. Lieutenant:Ach, wenn ich gewußt hätte, Fräulein, daß Sie im heutigen Lustspiel so lachen werden bei Gott, ich hält' es geschrieben!"

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Selbsttäuschung.Was doch die Pferde für kluge Thiere sind! Wirft mich neulich mein Gaul ab und wie ich auf die am Wege angebrachte Tafel sehe was steht droben: Reiten verboten!"

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Ausgleich. Conducteur (zu einem Schnorrer):Sie sind um eine Station weiter gefahren, als Ihr Billet reicht und müssen daher nachzahlen!" Passagier:Wie heißt nach­zahlen? Werd' ich einfach dafür mit dem nächsten Zug wieder fahren um eine Station retour!"

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Eine Ausnahme.Was ziehen Sie-vor, Herr Lieu­tenant, eine GeldHeirath oder eine Heirath aus Liebe?" Eine GeldHeirath!"So würden Sie mich also wegen des Geldes heirathen?"Nein, Fräulein, bei Ihnen würde ich eine Ausnahme machen!"

Redaction: A. Scheyda, Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.