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Novelle von U. Deis.
Ein Hundegebell ließ sich hören, ein schriller Pfiff folgte.
„Diana — alter Esell Guten Tag, Herr!" Neben dem Wagen stand ein alter Mann mit grauem Bart und Haar, die grüne Mütze in der Hand, die Flinte über der Schulter.
„Ach, guten Tag, Walter! Das ist hübsch, baß Du der
(Fortsetzung.)
Eine Strecke lang war man auf einer Chaussee in müdem Trab dahingefahren, jetzt bog das Gefährt von derselben ab in einen Sandweg, der durch einen Tannenwald führte. Sofort mäßigten die alten Gäule ihren Schritt und langsam nur bewegte sich der Wagen vorwärts, mit seinen Rädern tief in den losen Sand einschneidend. Die letzten Tage waren hier heiß und trocken gewesen, das ließ der lockere Sand erkennen. Heute freilich war es bedeckt und kühl, ein leichter Sprühregen begann zu fallen und hüllte die unschöne Gegend in eintöniges Grau.
Scheffler saß schweigend auf seinem Sitze. Der erste Eindruck, welcher ihm auf dem neuen Lebenspfade, den er jetzt einschlagen wollte, geboten wurde, war nicht gerade ermunterns. Wie trübe sah ihn Alles an. „Verkommen," so mußte er sprechen, wenn er mit einem Worte sein Urtheil geben wollte. Verkommen sah der Mann aus, welcher ihn auf seinen Besitz führen sollte, schäbig elegant das ganze Gefährt- Und er wußte, dieser Eindruck würde noch erhöht werden, wenn er erst nach Tannenhof selbst gelangt wäre. Tiefe Muthlosigkeit be- fiel ihn wieder. Da also sollte seine Aufgabe liegen, aus dieser Verkommenheit sollte er das Ganze herausarbeiten. — Würden seine Kräfte dazu reichen? Fast wollte es ihn gereuen, den Schritt gethan zu haben. Von Berlin aus hatte ihm die Sache viel leichter geschienen, ja, er hatte in sich einen fröhlichen und freudigen Schaffensdrang gefühlt. Aber jetzt, wo die trostlose, nackte Wirklichkeit sich wieder vor ihn stellte, hatten die Dinge ein anderes und viel häßlicheres Ansehen. Trübe sah er in den grauen Tag hinein. Da fiel sein Blick auf den vor ihm sitzenden Müller. Und wie Jener schon ein- mal in der bösesten Stunde seines Lebens umwandelnd auf ihn gewirkt hatte, so war es auch heute wieder. Er reckte sich auf aus seiner zusammengesunkenen Stellung. Ihm war nun eben diese Aufgabe geworden, er mußte und wollte sie durchkämpfen. Der Regen rieselte noch immer, ja, er war dichter geworden, als erst, aber er sah fast lustig hinein, ihm schien doch das Wetter Heller als erst.
Erste bist, den ich hier zu sehen bekomme. Da sind wir ja auch schon mitten im Tannenhöfer Revier. Wie geht's Dir, Alter?"
„Danke, gut, wenn auch manchmal die alten Knochen nicht mehr so wollen, wie sie sollen. — Mutter ist auch noch rüstig auf den Beinen und freut sich, daß sie den Herrn so bald wird begrüßen können. Sie kommen aber sehr früh in diesem Jahre. Die Jagd ist ja kaum offen, haben auch Niemanden mitgebracht. Oder kommen die anderen Herren nach?"
„Hat seine Gründe, Alter," war die lachend gegebene Antwort. „Erzähle ich Dir Alles, wenn ich morgen früh mit Dir durch die Forst gehe- Jetzt muß ich machen, daß ich Tannenhof erreiche. Grüße Deine Frau! Auf Wiedersehen morgen!"
Er schüttelte dem Alten die Hand und der Wagen rollte weiter.
„Den hatte ich ganz vergessen. Das ist doch gleich einer, der mir helfen wird. Und wenn's da in Tannenhof schlecht aussieht, hier im Walde wenigstens ist Ordnung." Scheffler sah wohlgefällig umher.
Der Wald hatte jetzt ein Ende, der Weg führte eine kleine Anhöhe hinab. Im Grunde sah man Tannenhof liegen. An sonnigen Tagen mochte der Blick von hier oben schön sein. Hinter den Häusern blickte dann ein mit Gehölz umgebener See hervor. Aber heute sah man ihn nicht, wie ein Rebel verhüllte der Regen die Gegend und als der Wagen über die unebene Dorfstraße rumpelte, sahen aus den baufälligen Häusern schmutzige Kinderköpfe hervor, die das trübe Bild nicht anziehender machten. Vor dem Hofhause standen die Pferde, welche zuletzt wieder in ihren müden Trab gefallen waren, auf den Ruck der Zügel. Auch hier derselbe trübe Eindruck des Verfalles. Wohl war's ein ganz stattlicher Bau, da« zweistöckige Haus. Aber der Putz war an vielen Stellen der Wände abgefallen, die Fenster ohne Anstrich mit blinden oder ganz fehlenden Scheiben, die breite Freitreppe vorn ausgetreten mit Strohhalmen und Schmutz bedeckt.
Aus der Hausthür war ein großer, breitschulteriger Mann mit rothem Gesichte getreten und stand jetzt, den Hut in der Hand, am Wagen.
„Guten Abend, lieber Malten. Ich komme in diesem Jahre etwa« früher als gewöhnlich, werde auch länger bleiben als sonst. Meine Zimmer sind doch fertig?"
„Jawohl, Herr Scheffler, Alles besorgt wie sonst."
„Auch für meinen Diener?"
„In der kleinen Stube neben der Ihrigen habe ich für ihn zurechtmachen lassen."
„Gut. Dann werde ich zunächst auf mein Zimmer gehen.
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1894.
Nr. 13
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Mm Giehenev Anzeiger (Genernl-Anzeiger)
Donnerstütz, dm 1. Februar.


