Nnt«chaltungrblatt znin (Siebener Anzrig«» (Gen«val»rlnz«rg«v)

M. 127.

1894.

Ȋ

«s /' ',:äi'l

LWckd-^MZ SB

WWM^^

Dienstag, den 30. October.

Lola.

Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen.

lFortsetzung.)

Sie erzählen reizend," sagt plötzlich der Fürst mit einer kleinen Verbeugung zu Lola.Sie besitzen die Verve und Grazie der Französin."

Lächelnd schüttelt sie das lockige Haupt.

Wenn das ein Compliment sein soll, mein Fürst, so weise ich es zurück. Ich kann nicht zugeben, daß die Fran­zösinnen mehr Verve besitzen, als die Engländerinnen."

Gleichen sie Alle Ihnen, dann gewiß nicht."

Sie sprechen Englisch sehr gut."

»Ich spreche Russisch weit besser. Doch hatte ich eng­lische Bonnen und einen englischen Erzieher. Meine Mutter, die eine Griechin war, liebte diese Sprache."

»Ich hörte, die englischen Frauen haben Sie enttäuscht.

Es war so."

Seine Augen sagen mehr als die wenigen Worte.

Als die Herzogin die Tafel beendet und die Damen sich zurückziehen, öffnet der Fürst die Thür mit einer tiefen Ver­beugung. Lola fragt sich, ob dieselbe ihr oder der Gastgeberin oder einer der anderen Damen gilt. Sein Blick hatte es nicht verrathen.

Wie gefällt Ihnen Fürst Orlowsky?" fragt die Her­zogin leise.

Sehr gut," entgegnet Lola ebenso.Er hat etwas un­endlich Vornehmes in seinem Wesen. Man kann merken, daß er geboren ist, um zu herrschen."

Gewiß, Baronin."

Und die Herzogin lächelt ein wenig spöttisch.

Da es ein kühler Aprilabend ist und der Wind durch die kahlen Zweige vor den Fenstern pfeift, flackern lustige Feuer in den Kaminen. Die Damen lassen sich Sessel heran- Acker» und nehmen Platz. Die großen Crystallkronen und Armleuchter werfen bunte Reflexe auf die schönen Gesichter. Sie spielen mit Lolas lockigem Haar, so daß es wie Gold erglänzt, mit ihrem unbehandschuhtem Arm, der, seiner Hülle oaar, nachlässig auf dem dunkelblauen Sammt des Sessels ruht.

Als die Herren eintreten, fällt eines Jeden Blick unwill- Arlich zuerst auf dies unvergleichlich liebliche Bild. Lord Rawdon, der kaum ein Wort mit Lola gewechselt hatte, sieht ein wenig genirt aus, als der Fürst sich ihr nähert.

Wie angenehm die englischen Kamine sind," sagt letz- ter er, indem er einen Stuhl heranzieht und sich neben Lola niederläßt.

Sie haben Recht," entgegnet sie lebhaft,ich kann mir kein gemüthliches Zimmer ohne Kamin vorstellen."

Eine kleine Pause entsteht. Der Fürst blickt nachdenklich in das ihm voll zugewandte liebliche Gesicht.

Woran denken Sie?" fragt Lola neckisch.Ich sehe es Ihnen an, Sie möchten mich etwas fragen."

Er lächelt ein wenig.

Wie scharfblickend Sie sind. In der That, ich möchte Sie etwas fragen, aber"

So fragen Sie immerhin. Ich behalte mir vor, ob ich antworte oder nicht."

Run gut. Ich glaube an das alte Sprichwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt I Ich will wagen."

Und indem er sich tiefer zu der aufhorchenden Lola niederbeugt, fährt er leise fort:Ihr Benehmen gegen Lord Rawdon ist ein so eigenthümlicher, daß ich wohl fragen darf: Hat er jemals das Unglück gehabt, Ihnen zu mißfallen?"

Ja, einmal. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen."

Roch immer umspielt jenes seltsame Lächeln die feinen Lippen des Fürsten.

Verzeihen Sie mir! Ich hatte einen Grund zu dieser Frage."

Einen Grund? Welchen?"

Einen Grund oder vielmehr eine Erinnerung. Ich bin seit meiner Anwesenheit in London fast täglich mit Lord Rawdon zusammen gewesen, und ich muß sagen, ich schätze ihn sehr hoch. Er hat mir kürzlich eine lange Vorlesung über blendende Lichter und Motten gehalten, nach welcher ich an­nehme, daß er Sie für dar blendende Licht und mich für eine außerordentlich große und blinde Motte hält."

Jetzt lacht Lola höchlichst amüfirt hell auf.

Run, und"

Ich entgegnete ihm, daß wir Russen keine solche Motten sind, die sich die Flügel verbrennen mit anderen Worten, daß wir niemals an unglücklicher Liebe zu Grunde gehen. Verwundeter Ehrgeiz, verletzter Stolz, äußeres Elend alle» Dies vermag uns in den Tod zu treiben, aber niemals un­glückliche Liebe."

So verlieben sich Ihre Landsleute niemals?" fragt Lola ein wenig piktrt.

O, doch. Aber die Liebe übt keinen nachhaltigen Ein­fluß auf uns aus. Wir leihen unsere Kraft den politischen Kämpfen; wir vergießen unser Blut für das Vaterland. Aber niemals geben wir uns besondere Mühe, die Liebe eines Wei-