Ausgabe 
30.8.1894
 
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Annie sagte zu diesen Klagen der Mutter kein Wort. Sie saß still und theilnahmrlos da. Ihren Geisteskräften war das schwere Leid, das sie betroffen, zu viel geworden. Nichts konnte sie aus ihrer Stumpfheit aufrütteln. Nur einmal zuckte es leidenschaftlich in ihren Zügen auf, als zufällig ihr Blick auf Lucia Campello fiel, die in Begleitung mehrerer um ihre Gunst sich bewerbender Offiziere dicht an ihrem Platze vorüberschritt. Die schöne Mexikanerin stellte das junge Mäd­chen, auf dessen Gesicht eine wächserne Blässe lag, heute völlig in den Schatten. Sie trug ein Kleid von schillernder Seide, welches ihren pikanten Teint noch vortheilhafter hervorhob. Vorn an der Brust und am Gürtel hatte sie Purpurrosen be­festigt. Die schwarzen Augen, die gestern Thränen geweint, strahlten schon wieder in Uebermuth und Lebenslust. Lucia Campello bewegte sich zierlich, lebhaft, graciös und lachte, plauderte und kokettirte mit ihren Begleitern mit so viel echt nationalem Feuer, wie sie es an Bernthal und viele Andere verschwendet hatte.

Bernthal hatte Recht gehabt, die schöne Mexikanerin war eine wetterwendische, launenhafte Queckstlbernatur, ein gleißen­des Irrlicht ohne jedes tiefere Empfinden.

Secundenlang folgten Annies Augen der reizenden Frauen­gestalt, dann wandte sie den Blick von ihr ab. Ihre Ge­danken verloren sich wieder und waren bei ihrem unsagbaren Leid.

Ach, wenn ich nur weinen könnte," so rief es von Neuem in ihr mit brennendem Verlangen.

Ja, weinen und Alleinsein, sich ausweinen I Das wäre ein Labsal für Annies gequältes Herz gewesen.

Wiederholt ließ der Professor seine gutmüthigen Augen mit Wohlgefallen auf dem bleichen Mädchen ruhen. Trotz ihres sonderbaren Wesens bewunderte er sie und glaubte niemals auf Erden ein liebreizenderes Geschöpf gesehen zu haben. Aber er war ein ruhigdenkender, nüchterner Verstandsmensch und verlor sich niemals in unerfüllbare Träume, wenn feine Phan­tasie ihm auch zuweilen welche vorgaukeln wollte. Klar und ernst wie seine Redeweise war auch sein Denken und Empfin­den. Aber auch bei seinen klaren, nüchternen Gedanken konnte es der Professor doch nicht verhindern, daß ihm Annie sehr gefiel und daß er es nicht für ganz unmöglich hielt, daß sie vielleicht doch seine Frau werden könnte.

Der Morgen war vorgeschritten. Die Gruppen der kaffeetrinkenden Badegesellschaft hatten stch zerstreut, und die Frau Rath Göhren machte den Vorschlag, jetzt gleichfalls auf­zubrechen und bis zum Mittagsmahl einen Spaziergang zu unternehmen. Der Professor war gleicher Meinung und ver­sicherte, daß ihm nichts willkommener fein könnte, als den schönen Morgen in angenehmer Gesellschaft zu verleben. Vor Tisch langweile er sich überhaupt, weil ihm hier in Karlsbad seine Bücher und anregende Lectüre fehlten.

So machten sie sich denn auf den Weg in's herrliche grüne Teplthal. Langsam und behaglich schlenderten sie dahin, der Professor mit der Frau Rath am Arm voran und Annie mit müdem Schritt hinterher.

Etwa zehn Minuten vom Freundschaftsfaal entfernt -wölbte sich eine Brücke mit einem eisernen Geländer über den Fluß. Seitwärts, hart am Ufer unter fchattigen Buchen, stand eine Ruhebank. Annie ließ stch matt darauf nieder und bat, hier ausruhen zu dürfen.

Was fehlt Dir, Kind?" fragte die Mutter jetzt besorgt. Es ist mir so weh im Kopf, Mama," sagte das Mädchen. Nach kurzem Bedenken willigte die Frau Rath ein, daß Annie hier ein wenig ausruhen solle, versprach, nach einer halben Stunde wieder an die Bank zu kommen und setzte mit dem Professor ihren Spaziergang fort-

Annie starrte träumerisch auf das sonst sanft rauschende Gewässer. Die Sonne glitzerte auf den klaren Wellen. Kleine Fische schnellten über den Wasserspiegel empor und zeigten ihre silbernen Schuppen- Der Morgenwind raunte und flü.erte in den Baumwipfeln und hielt Zwiegespräch mit den Blumen, die am Rande des Flusses blühten.

Das Mädchen saß regungslos da. Ihre Gedanken waren

bei dem fernen Geliebten, dem ihr ganzes Herz gehörte. Weshalb liebte sie ihn nur so sehr, den Mann, den sie nicht Jahre, nicht Wochen gekannt, nein, nur wenige Tage. Sie wußte nicht, weshalb warum? Sie wußte nur, daß sie hn liebte, daß sie ihn ewig lieben würde und daß sie ihn ver­loren hatte.

Und nun brach plötzlich ein krampfhaftes Schluchzen aus ihrer Brust, das sie nicht zurückhalten konnte und dann kamen auch die Thränen, die erlösenden Thränen. Wie ein entfessel» ter Strom stürzten sie ihr aus den Augen. Und hier in der Einsamkeit des Waldes weinte sie lange und bitterlich, weinte sie sich allen Schmerz und alle Trauer von der Seele.

Aber dann wurde ihr leichter ums Herz. Sie hob den Kopf und strich sich das Haar aus der Stirn. Noch war sie halb betäubt, aber schon faßte sie frischen Muth.

Fahr' wohl, fahr' wohl, Du herziger Mannl Geh' in die Fremde unter Gottes Hut und er sei mit Dir auf allen Wegen!" So flüsterte sie, den Blick nach Süden gewendet, wo sie wohl glaubte, ihn suchen zu müssen.

Dann trocknete sie sich mit ihrem Tuch die nassen Augen und wieder zu neuem Leben erwachend, lauschte sie auch jetzt den Stimmen der Natur. Sie hörte die Vögel singen und die Bäume rauschen, sie sah, wie das Bächlein so rasch dahinschoß, und daß die silbernen Fische Forellen waren, sie sah auch die Blumen am Ufer. Es waren goldgelbe Himmelsschlüssel und blaue Vergißmeinnicht darunter der Mama Lieblingsblumen.

Die gute Mama! Es kam sie jetzt gewiß hart an, daß ihr Liebling sein Herz an den fremden Mann gehängt nachdem sie bisher immer die Erste und Beste darin gewesen, und daß dieser ihr mehr werth war, als sie und Alles. Sie grämte sich ihretwegen sicher mehr, als sie in.Worten aus­sprechen konnte.

Nachdem Annie mit ihren Gedanken so weit gekommen war, sprang sie auf und wischte stch energisch die letzte Thräne aus den Augen. Dann pflückte sie blaue Vergißmeinnicht und frischgrüne Farrenwedel und band einen geschmackvollen Strauß-

Als die Räthin mit ihrem Begleiter nach fast einer Stunde vom Spaziergang zurückkehrte, eilte ihr Annie mit dem Blumensträuße in der Hand und einem lieblichen Roth auf den Wangen freudig entgegen.

Du befindest Dich jetzt besser, mein Kind?" fragte Jene liebevoll.

Ja, Mama," war die Antwort.Ja, mir ist besser, liebe Mama!" wiederholteste und blickte fie mit einem sanften Lächeln an.Gräme Dich nicht mehr meinetwegen ich will von jetzt an guten Muthes bleiben."

Meine liebe Annie, ich freue mich, daß Du die Schwer- muth überwunden hast," sagte leise und gerührt die alte Dame. Dann schloß fie ihr Kind in die Arme und küßte es.

Tage und Wochen schwanden nun rasch dahin man wußte kaum, wie schnell fie vergingen. Nicht lange dauerte es mehr und der Tag der Abreise war da. Aber in Karls­bad wurde es immer schöner und anmuthiger und die Frau Rath hatte nichts mehr an der Kur auszusetzen, denn dieselbe hatte bereits Wunder gethan. Die alte Dame fühlte sich kräftig und wohl.

Die Tage verflossen ganz vorschriftsmäßig: des Morgens frühzeitig am Brunnen, dann wurde im Freien Kaffee ge­trunken und eine Promenade über die Berge oder durch das romantische Teplthal gemacht bis zum Mittagseffen- Darauf folgte eine kurze Ruhepause. Am Nachmittage besuchten die Damen dann ein Concert oder unternahmen einen neuen Spaziergang. Theater und die sich jeden Samstag wieder­holenden Reunions besuchten sie nicht-

Annie war die beständige treue Begleiterin der Mutter auf allen Wegen. Sie blieb guten Muthes, wie sie versprochen, anfangs mit keinem sehr großen Erfolge, aber niemals gewann ihr heimliches Leid wieder die Uebermacht. Sie lernte all« mählig ihre Empfindungen beherrschen und ihren Schmerz in das tiefste Innere zu senken, wie in ein Grab-

Professor Hiller gesellte sich bei jeder passenden Gelegen­heit den beiden Damen als Begleiter zu. Die Frau Rath