Ausgabe 
30.6.1894
 
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SS 800 ----

haben," entgegnete er mit frohem Blick;jetzt gehe schlafen, Kind; vor Allem aber bitte ich Euch, tiefstes Schweigen zu beobachten."

Am folgenden Abend, als wir uns eben zu Tisch setzen wollten, wurde Fräulein Ziegenhals gemeldet. Sie wohnte ganz in unserer Nähe und pflegte zwei- bis dreimal wöchent­lich bei uns vorzusprechen undganz sans gene" den Abend mit uns zu verbringen. Papa stand auf, schob ihr einen Stuhl an den Tisch und schenkte ihr ein Glas Wein ein.

Liebes Fräulein Ziegenhals," sprach er,heute müffen Sie aus vollem Herzen mit mir anstoßen. Kinder, schenkt auch Ihr Euch noch einmal ein. Auf meine zukünftige Frau!"

Fräulein Ziegenhals folgte dieser Aufforderung mit etwas nervöser Aufregung.

Ich hoffe," fuhr mein Vater fort und dabei bemerkte ich, was mir bis dahin noch nie aufgefallen war, wie fabel­haft ähnlich Fritz' Augen den seinen waren, wenn der Vater sie so halb zukniff,ich hoffe meinem Hause bald eine Dame zuzuführen, die dieser Stellung mehr als würdig ist," hier glitt ein halb beschämt bittender Ausdruck über Fräulein Ziegenhals Gesicht,die meinen Kindern eine gute Mutter ist, welche es vergeht, durch größte Liebe deren volle Zuneigung zu erringen," hier machte Fräulein Ziegenhals eine Be­wegung, als wollte siediese lieben Kinder" zärtlich umarmen, und für mich selbst eine Frau zu gewinnen, die meine Freuden thettt und meine Sorgen lindert." Hier kam Fräu­lein Ziegenhals' Taschentuch in Thätigkeit.Schon lange habe ich gefühlt, daß es Eine und vielleicht nur diese Eine in der Welt gibt, die mir dies zu bieten vermag. Hier im Kreise meiner Familie" Fräulein Ziegenhals' unbeschäftigte Hand tastete blindlings nach meinem Vater hin, während es in dessen Augen immer bemerkbarer blinzelte,hier im Kreise meiner Familie darf ich wohl sagen, daß diese Dame keine Andere ist, als Frau Hiller."

Wer?" stieß Fräulein Ziegenhals mit unterdrückter Wuth und farblosem Gesicht hervor.

Keins von uns aber achtete ihrer in den nächsten Minuten. Mit einem Freudenausruf sprangen wir drei Geschwister auf, Grethe und ich schlangen unsere Arme um den Vater und er­stickten ihn fast mit unseren Küssen.

Eine Viertelstunde später verabschiedete Fräulein Ziegen­hals sich unter irgend einem nichtigen Vorwand.

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Wir bewahrten treu das Geheimniß des Antrags; unsere geliebte Stiefmutter hat nie erfahren, wer der wahre Urheber desselben war.

Jetzt ist sie schon seit mehreren Jahren tobt, unser Vater lebt aber noch und erst kürzlich gestand er mir von dem kleinen traulichen Abendessen zu Zweien, das so glücklich geendet hatte.

Sie hatte reizende Toilette gemacht," erzählte er,und die leichte Röthe der Verlegenheit auf ihrem frischen Gesicht ließen sie sehr hübsch und jung erscheinen."

Während der Mahlzeit schwand allmähltg ihre Verlegen­heit und sie plauderten über allerhand Tagesneuigkeiten, bis der Tisch abgedeckt war und die Dienerin sich entfernt hatte.

Darauf meinte mein Vater:Nun, meine liebe Frau Hiller, was meinen Sie zu meinem Vorschlag?"

Zu seinem Erstaunen ergoß sich bei dieser Frage eine dunkle Röthe über ihr Gesicht.

Es es war so unerwartet," stammelte sie.

Aber hoffentlich doch nicht unerwünscht?"

Hierauf blieb sie die Antwort schuldig; sinnend schlug sie die Augen nieder und spielte mit den Apfelsinenschalen auf ihrem Teller.

Es ist zweifellos eine sehr gute Idee," fuhr mein Vater lebhaft fort,und bedenken Sie, wie viel Gutes wir durch unsere Verbindung stiften können, wie meine Energie und Thätigkeit, von Ihrer Milde unterstützt, uns Beiden zum Segen gereichen würde."

Zu seiner größten Bestürzung brach Frau Hiller in Thränen aus, stand auf, schlug ihre Arme um seinen Hals und rief: Mein lieber Martin, ich habe Dich ja immer, immer geliebt!" Sein Erstes war, liebkosend über ihr weiches, braunes Haar zu streichen, das an seiner Schulter ruhte, dann aber dachte er:Was in aller Welt soll das Alles bedeuten?" st ä'ttich^ ®etnen Brief hundertmal gelesen," schluchzte Armes Ding, sie ist von Sinnen!" dachte mein Vater Währenddem glitt sein Arm um ihre schlanke Taille die Situation fing an, Reiz für ihn zu bekommen.

In dem Brief drückt sich so ganz Dein Cßaracter aus," fuhr sie fort,so rußig und überlegt, und dabei doch so Mia und rücksichtsvoll ausgedrückt."

Laß mich den Brief doch noch einmal sehen," sprach mein Vater, als er ein zartes rosa Billet, halb in ihrem Kleide ver­borgen, bemerkte und dasselbe hervorzog.

Die junge Wittwe barg ihr Gesicht an seiner Brust, während er das Briefchen las, und fester zog er sie an sich vielleicht um eine Minute Zeit zum Ueberlegen zu gewinnen.

Dann richtete er ihren Kopf auf und drückte einen zärt­lichen Kuß auf ihre Lippen.

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Mein Vater hat immer erklärt, daß er schon seit längerer Zeit eine ganz besondere Zuneigung zu Frau Hiller gehabt habe, wir seien mit unserem Anträge seinem eigenen Geständ- niß nur zuvor gekommen.

Dem sei nun, wie ihm wolle jedenfalls hat er den Schritt nie zu bereuen gehabt. Zwei Monate lang führte der Weg unseren Vater tagtäglich nach dem Häuschen am Weiden- teich; darnach stand dasselbe zum Verkaufe frei, und bei uns zog die Stiefmutter ein, wie wir sie uns immer gewünscht hatten

Verinischtes.

Unangenehm. Ungarischer Gutsbesitzer:Ebadta teremtete! Hob ich 900 Joch Grunbajgenthum und diese ver- dommte Flieg'» wajß kajn anderes Platz! zum Niedersitz'n, als auf Nos'n majniges!"

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Zerstreut. Professor (zu seinen Schülern):Wenn Sie jetzt hinaus in's akademische Leben treten, hüten Sie sich vor dem Saufen! Betrinken macht dumm. Denken Sie an mich."

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Ueberraschender Erfolg.Nun, haben Sie mit Ihren Einsendungen schon Erfolg gehabt?"O ja! Unlängst hab' ich einem Redacteur zwölf bayerische Gedichte eingesandt und dreizehn hab' ich zurückbekommen!"

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Unfrommer Wunsch. Lieutenant: (zum reichen Bankier):Sie wollen mir also wirklich nicht die Hand Ihrer Tochter geben? O, Herr Commerzienrath, könnte doch meine Qual ihr Herz erweichen I" Bankier:Bedaure sehr, Herr Lieutenant, ich folge in diesem Punkte nicht dem Herzen, sondern dem Verstände." Lieutenant:Und darf ich auf keine Gehirnerweichung hoffen?"

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Verschnappt. Kunde:Aber, Meister, wie kamen sie denn dazu, mir soviel Stoff zurückzubehalten?! Machten Sie sich denn kein Gewissen daraus?" Schneidermeister:Nein, aber ein Jaquet."

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Schmeichelhaft. Gattin:Das kann ich Dir sagen, wenn ich mal sterbe, solche Frau wie mich kriegst Du nie wieder." Gatte:Wer sagt Dir denn, daß ich eine solche Frau wieder haben will?"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.