womit mir und Euch eine teuflische Falle gestellt war. Ihr habt mir mehr zu verdanken, Herr, als Ihr wißt."
„Mit solchem Schnickschnack mag Er alte Weiber unterhalten, nicht mich, Meister Hämmerlein I" rief Caspari. Seine Stimme klang aber sehr unstcher. „Nun ist es genug, binnen zwei Stunden muß das Gerüste weg sein, oder — —" Bei diesen Worten sah er nach einer großen Reiterpistole, die an der Wand hing.
„Macht eine Probe mit dem geladenen Karabiner, Herr I" antwortete der Henker mit Ueberlegenheit. „Schießt auf mich und ich bürge Euch dafür, daß ich Euch die Kugel in's Gesicht werfe. Was daraus folgt, weiß ich nicht. Wenn Ihr wollt, thue ich Euch die Pistole mit einem Spruche zu, daß es gar nicht knallt. Machet einen Versuch!"
„Seine Kunst soll später erprobt werden, ich laste eine Rotte Soldaten mit Musketen auf Ihn feuern, wollen dann schon sehen, war aus Ihm wird."
„Wie Ihr wollt, Herr, — doch das Gerüste könnten wir nur dann wegbringen, wenn wir es mir Pulver sprengen. Wegen des kranken Herrn geht das nicht. Schon die Axt- und Hämmerschlägs wurden verboten."
„Warum hast Du mir das nicht gleich gesagt, abscheulicher Cumpan!" rief Caspari.
„Wir sind erst jetzt daran gekommen, Herr. Ich wollte Euch doch mittheilen, was Ihr mir mit dem rechten Kopf auf der alten Beilstein Schulter verdankt. Ein Thaler Zehr- und Trinkgeld wäre für mich sehr wohl angebracht. Auch sollt Ihr misten, Herr, daß das Gerüste sehr gut als abscheuliches Exempel für alle Miffethäter, Trunkenbolde, Saufaus und Würfelbrüder gewirkt hat, denn seit den drei Abenden, daß das Ding da vornen thront, stehen die Wirthshäuser leer, Niemand traut sich vor die Thüre. Am Tage blitzen die kalten Sonnenstrahlen auf das röthliche Eis und Nachts huscht das bleiche Mondltcht drüber hin. Hu, Herr! Das steht greulich aus für die furchtsamen Menschlein, nur mich berührt es nicht. Mit Gewalt können wir auch nichts dagegen ausrichten. Erst wenn das liebe Sonnengsstirn höher steigt und warme Strahlen herniederfendet^ lasten die Kälteklammern ihre eisernen Klauen und Krallen los und geben die Bohlen und Balken frei. Ich kenne das, verlaßt Euch drauf."
„Man kann aber doch das scheußliche Gerüste nicht den ganzen Winter stehen lasten. Es befindet sich an der Hauptstraße, täglich gehen hunderte von Menschen vorüber--"
„Nein, Herr, so darf es nicht bleiben. Die Sache ist aber leicht zu machen. Ihr weiset mir einen oder zwei Wagen Stroh aus dem herrschaftlichen Vorrathe an. Mit meinen Knechten setze ich die Gebunde fein rund um das Gerüste, daß es unsichtbar wird. So kann es monatelang sitzen. Brauchen wir es im Frühjahre wieder, ist dis Arbeit des Aufrichtens gespart und wir haben das Ding gleich zur Hand. Was
„Fort jetzt, Mensch! Hier ist ein Thaler, setzt das Gerüste mit Stroh zu!" Krachend fuhr die Thüre vor Meister Zacharias Nase in's Schloß. -
Schmunzelnd zog der Henker ab. „Na, sind das alle Narren, daß sie sich vor dem Henker fürchten!" sprach er. „Der hochmözende, gestrenge Herr Commistarius bekam eine Gänsehaut nach der anderen, als ich ihm die verschiedenen Dinge vorschwatzte. Grade deshalb machte ich Alles so langsam und umständlich. Es ist herrlich, zu misten: der oberste Mann im Lande, der Jedem einen heimlichen Schrecken einjagt, fürchtet sich vor mir. Und was hat der Herr einen schönen, langen Hals! Wenn ich den einmal durchhauen dürfte, hu!"
Malwine saß bet der Schultheißin. „Wißt Ihr, wer- theste Jungfrau," sprach Letztere, „daß wir jetzt, nachdem die Beilstein weg ist, weniger Ruhe haben, als ehedem."
„Mir scheint das auch so, Frau Schultheißin und manchmal wird mir sehr unbehaglich dabei. Es sollen schreckliche Dinge vorgekommen sein. Herr Hofprediger Meles behauptet: Die Alte wäre ganz unschuldig gewesen- Was meint Ihr?"
| „Da kommt eben der Steckenreuter Heinz Rabenholt und bringt Briefe für meinen Mann. Wir wollen den Läufer ab« hören, er kommt im Lande herum und weiß alle Neuigkeiten."
Rabenholt trat ein und lieferte einige Schrisstücke ab; er machte steife Bücklinge und verzog sein dummdreistes Gesicht zu allerhand Grimassen.
„Was ist, Heinz, weißt Du uns nichts Neues mitzutheilen?" fragte die Schultheißin.
„Man schwätzt im ganzen Lande dummes Zeug, Frau Schultheißin. Die Leute sagen: die alte Beilstein wäre von Weibsleuten auf das Schaffot gehetzt worden. Aber das geschieht ihr recht, warum hat sie sich drauf Hetzen lassen."
„Richtig, Heinz!" rief Malwine. „Warum hat sie sich ihrer Haut nicht gewehrt. Was hältst Du aber von dem Bardenstetn und seiner Buhle?"
„Lauter Lumpenzeug, Jungfrau Malwine, gut, daß es weg ist."
„Das stimmt aber schlecht mit Deiner früheren Ansicht, Heinz!" fiel die Schultheißin dazwischen. „Hast Du nicht im vorigen Jahre erzählt, Bardenstein habe Dir oft Geld zu Brod für Deine sieben Trabanten gegeben? Hast Du nicht erzählt: Bardenstein habe Dir die fünfundzwanzig Thaler gegeben, die Dir im Dienste verloren gingen, welche Du aber wahrscheinlich verthan hast. Ohne diese Hülfe wärest Du weggejagt worden, denn Du hättest das Geld durchaus nicht auftreiben können. Sprich, Heinz, wohin ist das Geld gekommen? Hast Du es wirklich verloren?"
„Ach, Frau Schultheißin, sprecht doch solche Sachen nicht; hin ist hin und fort ist fort. Der Bardenstein kommt nicht mehr hierher, was soll ich mir da graue Haare wachsen lassen."
„Ganz recht, Heinz," versetzte Malwine; „derartige Leute wissen, warum sie Anderen helfen. Du hast ihm gewiß auch viele Gefallen gethan, aber davon wollen die Leute nichts wissen."
„Das ist ein wahres Wort, Jungfrau Malwine, Ihr habt Menschenkenntnisse gesammelt. Gehabt Euch wohl, ich muß in Dienst."
„Ein sauberer Vogel, dieser Heinz," sprach die Schultheißin, als der Postläufer verschwunden war. „So machen es die Menschen; wenn sie einen brauchen, erheben sie ihn in Himmel. Können sie keinen Vortheil mehr ziehen, bewerfen sie ihn mit Schmutz."
„Aber das Gerede, Frau Schultheißin," fiel Malwine ein. „Was meint Ihr dazu?"
„Mit dem finden wir uns leicht ab. Der Herr Landgraf ist schwer krank- Wer anders als die Beilstein hat dies dem hohen Herrn angethan. Das ist doch nicht anders — und ich sage Euch, die Leute glauben es lieber, als alles Andere. Sorgt dafür, daß es bekannt wird, gleich werden wir Ruhe haben. An die Unschuld dieser alten Hexe glauben die Leute doch nur sehr ungern."
„O freilich, das leuchtet mir selber schon ein. Doch warum habt Ihr den Heinz so scharf angegangen; den könnten wir gut gebrauchen."
„Grade aus diesem Grunde habe ich es gethan. Der Mensch muß wissen, daß ich seine Schlupfstreiche genau kenne, nur so hat er Furcht und thut, was er geheißen wird. Ist die Furcht und der Vortheil weg, bewirft er uns auch mit Schmutz und Steinen, wie er es Bardenstein gethan. Ihr wißt jetzt, wo ihn der Schuh drückt und damit haltet Ihr ihn am Gängelbande. Sorget, daß er die Nachricht mit der Krankheit des Durchleuchtigen Herrn verbreitet und macht Euch weiter keinen Kummer, es ist durchaus nicht nöthig. Was fragen die hohen Herren darnach, ob ein paar Bauern oder ein paar alte Weiber mehr oder weniger auf der buckeligen Welt herumlaufen. Nicht wahr? '
„Ihr seid eine Frau von großem Verstände, Frau Schultheißin; Ihr könntet ebenso gut einen Ort regieren, wie der gestrenge Herr Schultheiß selber."
„Habe ihm auch schon manchmal dabei geholfen, Heb' werthe Jungfrau!" versetzte die Schultheißin stolz. „Ohne nsuere Mitwirkung wäre der gestrenge Justizcommiffarius nie-


