1894
--H—(Sxz (T-EL1 Sx- 2x® iS-^ '* ^L> W'-----
Untevhaltnngsblatt jum Gietzeneo Anzeigev (Geneval-Anzeiger) "l V: __• , , „,„.. .........
Dienstag, den 30. Januar.
■ .^WWMMW^WH W
IT7- _. ’- ’*rrtiu, -WM'-.. P
^HWMMDLM-MrA^^Z
Das Glück des Lebens.
Novelle von U. Deis.
(Fortsetzung.)
Der Berg an Butterbröden war ein recht hoher geworden, denn schweigend war stets eins neben das des Gatten und Vaters gelegt worden, so oft der es für nöthig sand, für die Seinen, nicht für sich zu sorgen. Endlich war die Mahlzeit beendet.
„Nun möchten Sie am liebsten sofort nach Hause gehen," Hub Scheffler an- „Aber das paßt in meinen Plan nicht recht hinein. Sie können vielleicht verstehen, daß ich ein gewisses Interesse für Sie hege und darum möchte ich nun Näheres über Sie erfahren. Sagen Sie mir nur Eins: ist Ihre Frau ebenso verzweifelt wie Sie?"
Ein Kopfschütteln war die Antwort. „Meine Frau sagte mir noch heute Nachmittag: Gott wird helfen."
„Hm, das ist hübsch gedacht. Nun, da wird sie auch noch eine Stunde länger auf ihren Gatten warten. So lassen Sie mich denn Ihre Geschichte hören. Aber setzen wir uns in das Zimmer da vorne, da ist's bequemer als hier sür's Erzählen; Sie müssen's mir zu Gute halten, daß ich so eine Art Beichte chegehre, verspreche auch, ich will sie für mich behalten als das tiefste Geheimniß. — So! Setzen Sie sich mir gegenüber," redete er weiter, als er sich in einen Lehnstuhl niedergelassen hatte.
„Nehmen Sie eine Cigarre? — Nicht? — Nun, wie Sie wollen, dann muß ich allein rauchen. Nun, bitte, erzählen Sie."
Der Arme war in ein brütendes Schweigen versunken, aber der befehlende und andringende Ton verfehlte feine Wir« kung nicht. Anfangs stockend, dann fließender berichtete er. Es war eine Geschichte, wie sie oftmals sich abspielt. Müller hatte als Jnspector verschiedene Stellen gehabt, auf der letzten sich verheiratet; durch den Tod des Besitzers und Verkauf des Gutes stellenlos geworden, wandte er sich nach Berlin in der Hoffnung, dort irgendwie Beschäftigung zu finden, nachdem seine Bemühungen um eine Stelle wieder als Verwalter frucht« los geblieben waren- Aber auch in Berlin hatte er keinen Erfolg, Krankheit kehrte in seine Familie ein und bald war er von Mitteln völlig entblößt. Das hatte ihn zu dem verzweifelten Entschluß getrieben, seinem Leben ein Ende zu machen.
Der Zuhörer hatte doch nur wenige Züge aus seiner Cigarre gethan, sie war erloschen und erkaltet auf die Erde gefallen, dazu hatte es jetzt, als Jener mit niedergeschlagenen
Augen und monotoner Stimme von dem früheren Glücke, dem jetzigen Elend und Herzeleid, welches ihm das Herz zusammen» gekrampft habe, erzählte, in feinen Zügen mächtig gearbeitet, fast, als wolle er jetzt dem Beispiele seines Gegenübers von erst folgen. Ja, er ertappte sich darüber, daß er etwa« Nasses aus feinen Augen wischen mußte. Als der Erzähler schwieg, raffte er sich gewaltsam auf, entzündete die auf genommene Cigarre wieder an der Lampe und suchte so seine alte Festigkeit wieder zu gewinnen.
„Ich kann doch nur sagen," — die Stimme klang nach und nach rauh und kalt — „es war Feigheit von Ihnen, Ihre Frau und Kinder im Stiche zu lassen, um sich möglichst schnell aus diesem Elend loszumachen. Aber das ist nun ein« mal geschehen. Schlimm ist, daß ich im Augenblicke nicht weiß, was ich thun kann, Ihnen zu helfen; denn als Ihren Lebensretter sehe ich mich nun doch einmal an und möchte darum die That auch ganz thun. Aber morgen werde ich vielleicht schon klarer sehen. Sprechen Sie im Laufe des Tages — des Nachmittags — wieder bei mir vor, da werde ich Ihnen Weiteres sagen können. Meinen Anzug und Wäsche behalten Sie natürlich, mögen Sie das Ihre in einen Bündel schnüren, damit mein Diener nicht merkt, daß Sie mit meinen Sachen fortgegangen sind. Oder aber lassen Sie den Plunder hier, e« kommt ja nicht darauf an, Sie können ihn ja später holen oder holen lassen, wie Sie wollen."
Er ging zum Fenster und öffnete einen Flügel.
„Es ist jetzt trocken, Sie können nun den Heimweg an« treten. Nur das müssen Sie mir versprechen, keine Dummheiten wieder zu machen, wie die da hinten, wo wir uns trafen." Er wies mit dem Daumen die ungefähre Richtung. — „So viel ich für Sie thun kann, werde ich thun, das ist wenigstens ein Schimmer von Aussicht für Sie. Jetzt nehmen Sie Ihre Stullen und hier —" er ging hinaus und kam mit einer Flasche Wein unter dem Arm zurück — „das lassen Sie nur als Abmdtrank genießen, es wird auch Frau und Kindern bekommen. Und morgen für das Mittagessen?"
„O, wir behelfen uns hiermit reichlich."
„Nein, das geht nicht. Stecken Sie dies Zwanzigmark, stück zu sich, das langt besser zu. Und nun, bitte, keine Rühr- scenen. Sie sollen mir Alles wiedererstatten, wenn ich Sie irgendwo untergebracht habe. Grüßen Sie Ihre Frau und — aber halt, das geht ja nicht, dann müßten Sie ja die ganze Geschichte erzählen. Nun, Sie können sich ja unterwegs etwas Rührendes ausdenken, es kommt ja auf eine kleine Unwahrheit nicht an. Oder wissen Sie schon, was Sie sagen wollen?"
„Die Wahrheit," antwortete Jener leise, aber fest.
„Alle Wetteri Und wird denn Ihre Frau nicht ein tolles


