Ausgabe 
29.12.1894
 
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Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, gnädige Frau, denn » das, was Sie damals thaten, geschah nicht allein ans eigenem j Antriebe. Ihnen gehört noch meins Freundschaft, ja, meins f Liebs und wenn Sie die Barmherzigkeit haben wollten, einem einsamen Manne das Leben zu verschönern, so würde ich meine Werbung um Ihre Hand wiederholen."

Wollen Sie wirklich so edel und großmüthig sein, und Diejenige als Wiitwe zu ihrer Gemahlin nehmen, welche Sie einst als Jungfrau verschmäht hat?" erwiderte die Baronin und reichte dem Commerzienrath die Hand.

Es ist der heißeste Wunsch meines Lebens, an Ihrer Seite noch in glücklicher Ehe zu leben," erwiderte Homberg innig und führte die Hand der Baronin an seine Lippen. Hilda, wollen. Sie mir diesen Wunsch erfüllen, wollen Sie meine Frau werden?"

In holdem Erröthen neigte sie ihren schönen Kopf nach der Brust des theuren Mannes und flüsterte dasJa" mit bebenden Lippen. * *

Der Maler Matthey hätte jetzt recht glücklich sein und noch glücklicher werden können, denn er war mit einem Schlage ein berühmter Portraitmaler geworden, und hatte außerdem das Bewußtsein, seinem Onkel, gegen den er sich schwer vergangen, zu seinem Glücke verhalfen zu haben, aber dunkle Schatten knüpften das Leben des Malers immer wieder an eine böse Vergangenheit und drohten sein ganzes Glück zu zermalmen.

Den Hazardspieler und Schurken Durau suchte Matthey von nun an zu meiden und hatte ihm nur einige Male Geld geschickt, um sich dessen Besuche in seiner Wohnung zu er» wehren. Das Geld reichte bei Durau aber nicht lange und dann versuchte er von Matthey immer wieder neues unter den schändlichsten Drohungen zu erpresien. Dieses schwach» volle Treiben Duraus mußte Matthey das Leben derartig verbittern, daß er eines Tages, als Durau brieflich wieder einen Erpreflungsversuch machte, einen verzweifelten Entschluß faßte.

Mit zwei Pistolen bewaffnet und eine schwarze und eine weiße Kugel in einem Lederbeutel mit sich nehmend, betrat er in der Dämmerstunde die abgelegene Wohnung Duraus.

Ich kann mich bis an das Ende meiner Tage nicht von Dir ausrauben laffen, Durau," so redete Matthey dm ver» brecherischen Menschen an und zog eine Pistole hervor.Einer von uns Beiden ist dem Anderen im Wege und einer von uns muß sterben, damit der Andere Ruhe bekommt. Zu einem gewöhnlichen Duell rathe ich nicht, denn Du bist ein schlechter Pistolenschütze, Durau, und mir würde es ein Leichtes sein, Dir eine Kugel im Duell in die Brust zu schießen. Ich schlage deshalb ein amerikanisches Duell vor. Hier in diesem Sacks sind zwei gleich große Kugeln, die eine weiß, die andere schwarz. Du kannst sie erst ansehen. Ziehst Du die weiße Kugel, so muß ich mich binnen einer halben Stunde erschießen, ziehst Du aber dis schwarze Kugel, so trifft Dich dasselbe Loos."

Gib mir noch zehntausend Mark und ich werde Europa für immer verlaffen," entgegnete Durau und blickte heim­tückisch auf den jungen Maler.

Nein," erwiderte Matthey mit eisiger Stimme,denn auf Deine Worte vertraue ich schon lange nicht mehr- Du machst aus den Erpreffungen ein förmliches Geschäft und dieses saubere Handwerk soll Dir gelegt werden. Nimmst Du das amerikanische Duell nicht an, so schicke ich hier diesen Brief, welcher die Beschreibung Deiner Schandthaten enthält, an die Polizei und ich fliehe in's Ausland oder schieße mir schlimm­sten Falls eine Kugel durch den Kopf."

Eine peinliche Paufe entstand und es schien, als wollte sich Durau gleich einem hinterlistigen Raubthiere auf Matthey stürzen, doch dieser behielt den Schändlichen scharf im Auge und hatte fortwährend eine Pistole schußbereit in der Hand.

Ich will eine Kugel ziehen," klang es endlich dumpf von Duraus Munde.

Matthey hielt ihm den Lederbeutel mit den Kugeln hin, Durau zog eine Kugel und legte sie auf den Tisch. Es war dis schwarze Kugel. Durau ballte dis Faust und stieß einen heiseren Fluch hervor.

Ich erwarte, daß Du noch ein Fünkchen Ehrgefühl aus der Zeit Deiner besseren Lebensjahre im Leibe hast," sagte Matthey und legte die zweite Pistole vor Durau auf den Tisch-In einer halben Stunde komme ich wieder und werde dann sehen, ob Du Deiner Verpflichtung nachgekommen bist."

Ich verlange Aufschub bis morgen," sagte Durau.

Nein, der kann Dir nicht gewährt werden- Du weißt, was ich noch heute thun werde, wenn Du das Duell nicht halten wirst."

Matthey verließ mit einem stummen Grube das Zimmer und stellte sich unten vor- der Hausthür auf die Lauer.

Nach wenigen Minuten krachte ein Schuß in dem Zimmer Duraus und Matthey eilte wieder in dasselbe zurück.

Einige Hausbewohner waren bereits in das Zimmer ge­eilt, aus dem der Schuß gedrungen war- Man fand dort Durau mit zerschmettertem Schädel tobt am Boden liegen mit der Pistole in der krampfhaft geballten Hand.

So fand ein Verbrechen seine Sühne, welches der irdischen Gerechtigkeit verborgen blieb. Und alle Schuld und Strafe war auf den teuflischen Verführer und Verbrecher zurück» gefallen- __________

Komische Anzeigen. Folgende Blumenlese entnehmen wir der Sammlung eines Liebhabers:Ich fordere den Tag­löhner Seitz auf, seinen Aufenthaltsort anzuzeigen, um mit ihm wegen der Theilung seiner verstorbenen Mutter zu ver­handeln."Ein Bierkeller ist wegen Altersschwäche zu ver- miethen."Fünf Thaler Belohnung demjenigen, der mir meinen am 24. d. M. abhanden gekommenen Hund so anzeigt, daß ich denselben gerichtlich belangen kann."Vom 1- Juni ab wohne ich mir gegenüber und bitte auch da um gütigen Zuspruch."Ein englicher Hühnerhund ist wegen Eintritt zum Militär zu verkaufen."

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Doppeldeutig.Ja Wachtmeischter, jetz' bringen Se mir de Schwadro' wieder in Käppli daher! Wie oft mueß V denn sage, Se füllet mit de Helmi ausrucke; über­haupt möcht' i' wisse, ob's immer blos Ihrem dumme Kopf nachgeht, oder dem mein'!" » »

Münchener Diätetik?Ach Gott, ist mirs heute so öde im Magen!"Du wirst wieder einen rechten Katzenjammer haben!"Im Gegentheil; keinen Rausch hab' ich gestern gehabt, und das ist, scheint's, mein Magen nicht gewöhnt!"

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EineEntdeckung in derSo mm erfrische. Mann: O, wie schade, daß wir von dieser köstlichen Alpenmilch nicht in der Stadt haben können!" Frau:Aber, lieber Adolph, warum denn nicht? Da kaufen wir einfach hier ein Faß voll und ziehen's dann zu Hause im Keller ab"

Beruhigung. Frau:Es ist gerade Zeit, daß Du heimkommst, eben schlägt's 1Uhr!" Mann:Aber, liebes Weiberl, weniger kann's jedoch nimmer schlagen, als Eins I"

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Vor Gericht. Richter zu einem Hausdiener, der be­schuldigt ist, seiner Herrschaft einen ausgestopften Vogel ent» wendet zu haben:Können Sie Ihr Alibi nachweisen?" Angeklagter:Entschuldigen Sitz, Herr Richter, es soll sich ja nur um einen Colibri handeln."

Redaction: A. Scheyds, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen,