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Zwei Tage später saß der Major Lingen am Bette Hombergs und sagte mit freudigem Lächeln: „Ich freue mich wirklich außerordentlich, lieber Commerzienrath, daß Ihre Genesung so gute Fmtschritte macht. Ihr Leben und Ihre Gesundheit können heute als gerettet angesehen werden, wie mir die Aerzte versicherten, und ich kann sagen, daß diese Mittheilung mir gerade doppelt angenehm ist. Denken Sie sich, lieber Commerzienrath, mein guter, braver Bruder hat sich gestern mit Fräulein von Helborn verlobt, und diese Verlobung ist ein reiner Herzensbund, obwohl mein Bruder fast ohne Vermögen und seine Braut sehr reich ist."
„Meinen herzlichen Glückwunsch, lieber Major," erwiderte der Commerzienrath lebhaft, „ich freue mich immer ganz be- sonders, wenn sich ein Herz zum Herzen findet, obwohl mir selbst dieses Glück nicht vergönnt war."
„Nun wer weiß, was nicht noch Alles geschieht, wenn Sie erst vollständig wieder gesund sind," bemerkte der Major
time Freundin ihr nicht nahe legen, daß sie eine so glänzende Parthie nicht ausschlagen darf, und noch heute Abend dem General Gelegenheit zu einer Erklärung geben, die der Ge- neral dann morgen in aller Form wiederholen muß." „Dazu muß ich unbedingt meine Mitwirkung versagen, Frau Geheimrath," entgegnete jetzt die Baronin mit einer solchen Betonung, daß deren Begleiterin erschrocken zurücktrat. „Die Verheiratung Jutta's mit dem General würde nach meiner Ueberzeugung kein Glück für Jutta werden, denn es würde keine Heirath aus Liebe, sondern nur eine Convenienzehe, aus Gründen der Eitelkeit, des Geldes und des flüchtigen Glanzes fein. Zudem scheint Jutta einen anderen Cavalier, der viel besser als ihr Gatte paßt als der alternde General bereits zu lieben. Sie sind erstaunt über diese offenen Worte, Frau Geheimrath. Sie werden nicht mehr staunen, wenn ich Ihnen sage, daß ich aus Erfahrung spreche, daß ich selbst einst, übel berathen, wie ich war, die treue Liebe eines edeln, schlichten Mannes verschmähte, um eine söge» nannte glänzende Parthie zu machen, und während meiner Ehe nie glücklich war.
Die Frau Geheimrath zitterte bei dieser Eröffnung vor Aerger, Zorn und Beschämung, denn daß ihr deutlich die Augen über ihre ehrgeizigen und eitel« Bestrebungen geöffnet worden, empfand sie bitter-
„Wir haben uns nach dieser Erklärung nichts mehr zu sagen, gnädige Frau," entgegnete dann scharf die Frau Ge- Heimrath und wandte sich mit einem grollenden Blick ab. Ich wußte es, daß es zum Bruche zwischen uns kommen mußte, wenn ich ihr einmal die Wahrheit sagte," dachte die Baronin, „aber mein Pflichtgefühl zwang mich zum Reden, und es ist gut so, denn die Situation ist nun geklärt"
Hastig suchte sie jetzt Jutta von Helborn auf und führte sie in den Nebensaal, Wo Hauptmann Lingen noch einsam und traurig weilte. ,
„Ich verlasse in einer halben Stunde die Gesellschaft und wünsche sehr, daß Du mich begleitest, Jutta," sagte die Baronin noch und eilte nach der Gardarobe, denn es war ihr peinlich noch länger im Hause der Frau Geheimrath zu weilen, auch wollte sie Jutta sobald als möglich deren Einfluß entziehen. Eilig kleidete sich die Baronin in der Gar« derobe zur Heimfahrt um und ließ durch einen Diener eine Lohnkutsche bestellen. Dann wartete die Dame noch einige Minuten auf die Freundin, und Jutta kam ganz aufgelöst vor Rührung und fiel Freudenthränen weinend, der Baronin ! um den Hals.
„Mein Herz hat endlich gesiegt und mein Herz hat ge» wählt!" flüsterte Jutta der Freundin zu, „und Du sollst morgen die Zeugin meiner Verlobung mit dem Hauptmann Lingen sein."
„Ich gratulire Dir von Herzen zu diesem Entschlüsse," erwiderte die Baronin ebenfalls mit glänzenden Augen und küßte die Freundin, mit der sie alsbald heimkehrte.
Palle und sah nur, die Freundin beobachtend, von ferne zu. Auch noch ein Anderer tanzte nicht, der Hauptmann Lingen, der auch zugegen war und eben die Baronin ritterlich begrüßt hatte, dann aber mit einem schweren Seufzer weiter ging.
„Wie mag es dem Aermsten um's Herz zu Muthe fein, dachte die Baronin, „er darf heute nicht einmal risktren, dem General gegenüber deutlich als Nebenbuhler aufzutreten. Doch ich werde dem Hauptmann beistehen, soviel ich kann."
Als die Polonaise zu Ende war, kam Jutta zu der Baronin geeilt, zog diese in eine Nische und rief ihr erröthend zu: „Rathe mir, hilf mir, liebste Hilda aus dem Widerstreite meines Herzens. Der General hat mir foviel Liebes und Gutes gesagt, daß ich wirklich nicht weiß, was ich thun soll, wenn er nochmal» ernstlich um meine Hand anhält. Er ist doch auch einer der ersten Würdenträger in der Residenz und noch ein sehr stattlicher Herr."
„Suche bei mir keinen entscheidenden Rath, Jutta, entgegnete die Baronin unwillig, „denn ich habe Dir schon wiederholt erklärt, daß ich ihn Dir nicht geben kann- Auch kann ich es nicht verhindern, wenn Du den General wirklich liebst und den Hauptmann vergißt."
„Aber Du solltest mir dieserhalb doch mcht zürnen, Hilda, ich wünsche nur Deinen Rath als treue Freundin!"
„Nun gut, ich will Dir einen guten Rath geben," sagte die Baronin und ein plötzlicher Gedanke schoß ihr durch den Kopf. „Sprich Dich erst noch einmal mit Lingen, dessen Herz Dir wirklich gehört und der das Deinige wenigstens er- obert zu haben schien, aus, ehe Du dem General Dein Jawort giebst."
Jutta erbleichte bei dieser Antwort und erröthete dann wieder tief. Stumm und seltsam stand sie neben der Freundin und endlich fragte sie leise: „Ist Lingen heute Abend hier?"
„Ja, er ist hier und ich werde dafür sorgen, daß Du einige Augenblicke allein mit ihm sprechen kannst."
Der General von Bomsdorf und die Frau Geheimrath näherten sich jetzt den beiden Damen, und der Freundin einen behutsamen Blick zuwerfend, ging die Baronin davon.
Aber auch Jutta wich dem General und der Frau Geheimrath aus und schritt zu einigen Damen hinüber, welche sie heute Abend noch nicht gegrüßt hatte.
Der Frau Geheimrath konnte man den Unwillen über die vereitelte Absicht, Jutta wieder in den Bannkreis des Generals zu ziehen, ansehen und sie beschloß zur Ausführung ihres Planes die intimste Freundin Jutta's, die Baronin von Sassen, zu gewinnen. Die Dame wandte sich deshalb mit einer Entschuldigung von dem General ab und suchte die Baronin, welche sie noch immer als ihren Schützling betrachtete, auf.
Nach längerem Suchen fand sie dieselbe in einer verborgenen Ecke des in einen Garten umgewandelten Nebensaales im leisen Gespräch mit dem Hauptmann Lingen.
„Man muß Sie ja wie eine Stecknadel suchen, meine liebe Baronin," rief ihr die Frau Geheimrath schon von Weitem zu, „um die, wie zu einem Stelldichein Gekommenen nicht zu überraschen. Ich hoffe, nicht zu stören, und außerdem weiß ich zu schweigen," sagte sie dann nähertretend zu dem Hauptmann Lingen gewandt, „die gnädige Frau ist immer mein Schützling gewesen, und ich würde mich sehr freuen, wenn sich zwei so edle Seelen, wie sie jetzt vor mir stehen, zum Ehebunde zusammenfinden sollten."
Der Hauptmann machte eine verbindliche Verbeugung und die Baronin rief lachend: „Ein gutgemeinter Jrrthum, liebste Frau Geheimrath! Gleich stehe ich zu Ihrer Verfügung. Auf Wiedersehen, Herr Hauptmann."
Am Arm ihrer Gönnerin schritt jetzt die Baronin langsam aus dem Nebensaale nnd leise sagte die erstere: „Liebe Baronin, ich brauche Ihre Mitwirkung zu einer uns Ehre machenden Verlobung. Excellenz von Bomsdorf schwärmt sür Jutta von Helborn, und unsere Freundin kann, wenn sie will, in wenigen Wochen die Gemahlin des Generals sein. Leider scheint aber Fräulein von Helborn noch nicht einzu- sehen, welch ein Glück ihr winkt. Wollen Sie als Ihre in


