Ausgabe 
29.12.1894
 
Einzelbild herunterladen

Samstag, den 29. December.

- yy --->3^1.----+---»>L«»»---gfO

Unkevhaltnngsblatt jtim (Siebener Anzerg««- (G«n«val»Anzeiger>

M

'Öl1 W*~r.. -- -;-. M:

MWDWD^-^

Der Schuldige.

Criminal-Novelle von W. Roberts.

(Schluß.)

Als die Baronin mit ihrem Töchterchen das Haus des Maler« verlassen hatte, dachte sie immer noch über die Unter« redung mit demselben nach.

Wenn ich ihn doch sehen, wenn ich doch aus seinem Munde die Verzeihung hören könnte," dachte sie und ihr Herz schlug lebhafter bei dem Gedanken an ihre Jugendliebe.

Ja, die für stolz und unnahbar geltende verwittwete Baronin Hilda von Sassen liebte wieder den Mann, der ihr einst theuer war, weil er ihre höchste Achtung und ihre leb­hafte Antheilnahme besaß und weil sie vom Major Lingen auch erfahren hatte, daß Homberg trotz seiner vorzüglichen Eigenschaften und seines Reichthums ein einsamer Mann ge­blieben sei.

Sollte die einstige Liebe Hombergs, des edlen Patrizier­sohnes, zu dem damaligen armen adeligen Fräulein von Hausen sein Herz so sehr erfüllt haben, daß er alle ferneren Heiraths- pläne aufgegeben?

Der Baronin schien dies die volle Wahrheit zu sein und mit bitterer Reue dachte sie an ihren damaligen so wankel- müthigen Sinn. Ein heftiger Groll zog dabei aber auch gegen die Frau Geheimrath Springer in das Herz der Baronin, denn diese ehrgeizige und stolze Frau Geheimrath war es ge­wesen, welche auf einmal Frltz Homberg als eine nicht mehr für Hilda von Hausen geeignete Partie bezeichnet hatte. So­genannte glänzende Partien reicher junger Mädchen mit hoch­geborenen oder sonst im Range sehr hochstehenden Herren mit allen Mitteln der lleberredung zu begünstigen und dadurch ihr Haus und den Verkehr daselbst begehrt und berühmt zu machen, das war überhaupt das leidenschaftliche Dichten und Trachten der ehrgeizigen und selbst kinderlosen Fra« Geheimrath.

Sicher steckt sie auch wieder hinter dem Heirathsplane, der Jutta von Helborn und den alternden General von Boms- dorf zu einem glücklichen Paare machen soll," dachte jetzt die Baronin, als sie mit ihrem Töchterchen in ihre Wohnung trat.Aber diesem ehrgeizigen und für Juttas Glück gefähr­lichen Plane werde ich mich heute Abend energisch entgegen­stellen und sollte ich deshalb auch bei der Frau Geheimrath in Ungnade fallen."

* *

; In den festlich geschmückten Salons der Frau Geheim- | rath Springer mar an dem Abend eine glänzende Gesellschaft versammelt. Die anwesenden Damen gehörten nur dem Ge­burtsadel und den vornehmsten bürgerlichen Kreisen an und strahlten in den ausgewähltesten Toiletten. Die Herren waren in der Mehrzahl Offiziere in stattlichen Uniformen und eine kleinere Anzahl Herren im schwarzen Fracke, dem höheren Beamtenstande und den höchsten Finanzkreifen angehörig.

Einige Augenblicke wurde es dann still im Saale und sämmtliche Offiziere nahmen eine respectvolle Haltung ein. Es nahte der General von Bomsdorf in glänzender Uniform, die Brust mit hohen Orden bedeckt.

Das Erscheinen des Generals auf der Soiree war ein großer Triumph für die Frau Geheimrath, aber einen noch größeren gedachte die stolze Dame dadurch zu feiern, daß ihr Schützling, die reiche und schöne Erbin Jutta von Helborn, bald als Braut am Arme des Generals erscheinen sollte.

Jutta saß zwischen der Frau Geheimrath und dem General zur Rechten und die Baronin von Sassen hatte den Platz neben dem General zur Linken. Excellenz von Bomsdorf zeigte die ritterlichste Liebenswürdigkeit gegen beide Damen und wenn man ihn so im lebhaften Gespräche während der Concertpausen mit seinen schönen Nachbarinnen beobachtete, so konnte man im Zweifel sein, welcher er eigentlich im Ernste den Hof machte. Die Baronin von Sassen fesselte den General durch ihre Schönheit und Liebenswürdigkeit wohl sehr und diese als Wittwe und etwas älter als Jutta von Helborn hätte wohl auch besser für ihn als Gemahlin gepaßt als Jutta, aber der große Reichthum der letzteren gab auch bei dem Generale den Ausschlag und es stand bei ihm fest, daß er feine erste, zunächst ziemlich mißglückte Werbung um Jutta fortsetzen, denn einen wirklichen Korb hatte sie ihm ja nicht gegeben-

Das Concert war zu Ende und die Gäste verloren sich in die Nebenräume des Festsaales, um sich an dort aufgestell­ten Buffets zu erfrischen, denn wegen des unmittelbar nach dem Coneerts geplanten Balles war der Zsitersparniß wegen von einer gemeinsamen Tafel abgesehen worden.

Der General von Bomsdorf tanzte eigentlich nicht mehr, das verboten feine Jahre und feine hohe Stellung, um aber in dieser Hinsicht feiner Angebeteten keine empfindliche Schattenseite merken zu lassen, hatte er doch Jutta von Hel­born zur Polonaise engagirt und eröffnete mit ihr den Reigen.

Jutta, in glänzender, weißseidener Toilette, sah bezaubernd schön aus und ihr eitles Herz schwelgte in Wonne, als sie sich so ausgezeichnet sah.

Die Baronin von Sassen betheiligte sich nicht an dem