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Gemeinnütziges»
Alle mehrjährigen Gemüsepflanzen, von welchen nickt die Samen oder Blüthen, sondern nur die Blatter geerntet werden sollen, z- B. Seekohl, Rhabarber,Sauerampher soll man während des Sommers nie in Blüthe kommen lassen. Etwaige Blüthenstengel schneidet man ab, sobald sie erscheinen, das Blühen die Pflanzen unnöthigerweise schwächt und dm eigentlichen Ertrag an Blättern und Wurzeln gewaltig schmälert. Die Blättergemüse verlangen nach jedem Schnitt einen tüchtigen Dungguß, damit sich von Neuem ein kräftiges Blattwerk entwickeln kann. * #
Methode, wachsende Früchte gegen die Beschädigung der Meisen, Wespen re. zu schützen. In vielen Fällen werden die feinsten Birnen, Aprikosen rc. von den Meisen aufgepickt, oder von den Wespen benagt; auf die fo gebildeten Löcher wirken dann die Luft und der Regen, und die Frucht verdirbt. In solchen Fällen ist es ein wirksames Mittel, die Löcher sobald wie möglich mit em wenig Gvps und Wasser auszufüllen. Dadurch wird Luft und Wasser ausgeschlossen, ohne dem Wohlgeschmack der Frucht Nachtheil zu bringen und dem Verderben derselben gänzlich Einhalt ge-
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Zur Gewinnung von Gurkensamen läßt man die schönsten Gurken vom zweiten Ansätze an den Stücken, legt sie aus Ziegelstücke und nimmt sie ab, wenn sie gelb stnd- Dann läßt man sie an einem trockenen luftigen Orte zum Nachreifen liegen, nimmt darauf das Mark sammt den Kernen heraus, thut dasselbe in eine Schüssel und reinigt die Kerne nach 4 bis 6 Tagen durch Waschen in einem Siebe. Die guten Kerne fallen im Wasser zu Boden; diese trocknet man schnell an der Sonne ab, reibt die aneinander klebenden auseinander und bewahrt sie auf. Sie sind 5 bis 6 Jahre, oft auch noch länger keimfähig^ *
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Vegetabilische Erde gewinnt man durch in Verwesung übergegangene Pflanzen und Pflanzenstoffe und ist für mancherlei Aussaaten und Pflanzen viel zweckmäßiger als andere, in welchen auch thierische oder animalische Dungstoffe mit enthalten stnd. Zu ihrer Gewinnung sammelt man alles Unkraut, ausrangirte Pflanzen, Pflanzenabfälle, Laub, Rasen rc., schichtet diese auf Haufen und läßt sie so in Verwesung übergehen. Thierischer Dünger und Mistjauche dürfen, wenn solche Erde, welche einen vorzüglichen Dünger für empfindlichere und feinere Topfgewächse bildet, für sich rein erhalten werden soll, nicht beige» mischt werden. * #
•' Die jungen Truthähne sind in dem Zeitpunkte, wo ihre Fleischdrüsen sich zu entwickeln anfangen, einer sehr gefährlichen Krise ausgesetzt, man sagt, sie erhalten das „Roth". Solche Thiere sind stets in der Wärme zu halten, es ist ihnen Brod in Wein, gestoßener Hanf- oder Fenchelsamen unter's Futter zu geben. * ,
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Die Abzehrung oder Schwindsucht der Tauben ist eine Krankheit, die hauptsächlich bei den jungen Tauben auftritt. Sind Junge in dem Alter, wo sie allein fressen, davon befallen, fo setzt man sie in einen besonderen Schlag, wo sie nicht fortwährend von den Alten gestört werden, und in Ruhe ganz nach Belieben fressen können. Sind die äußersten Schlagfedern vollständig ausgewachsen, so zieht man an jedem Flügel die Feder, welche zuerst mausern muß, also die zehnte von außen aus. Ebenso zieht man die mittelsten Schwanzfedern aus und entfernt die kleinen Federn über und unter der Oeffnung; dies alles um eine schnellere Mauser herbeizuführen, denn langsame und unregelmäßige Mauser ist eine der
Hauptursachen dieser Krankheit. Hierauf gibt man jeder kranken Taube eine Blutreinigungspille, die man in großer Menge im Handel findet. Wenn bei einer schon sechs Wochen lang ausfltegenden Taube der Gesundheitszustand noch mcht befriedigt, oIwendet man eine leichte Abführung durch etwas Bittersalz pro Taube an, füttert regelmäßig, ohne Uebermaß, dreimal Mich zu festgesetzten Stunden- Den Schlag muß man aber Abends schließen, damit Morgens bei der ersten Fütterung alles zur Stelle ist. Tritt diese Krankheit aus, so ist in der Regel schlechte Nahrung die Urfache davon; man wechsle dann ofort mit dem Futter und gebe Reis, trockenes Brod und geschälte Gerste, wie einmal eine Bittersalzlösung.
Aufbewahren der Wäscheleinen. Unseren Haus« ftauett macht das Aufbewahren der Wäscheleinen oft Kopszer- brechen, da es ihnen an geeigneten Vorrichtungen fehlt, und die Leine nimmt leicht Schaden, wenn sie nicht aufgewickelt wird. Eine recht praktische Vorrichtung hat nun Herr Schlosser- meister Kudell in Breslau ersonnen und sich durch Vermittel- lung des Internat. Patentbüreaus von Hermann u. Co. in Oppeln schützen lassen. Die Vorrichtung besteht aus einer Art Trommel, auf welche die Leine aufgewickelt wird. Bei dieser Behandlung wird die Leine sehr geschont und da die Vorrichtung auch den Vorzug großer Billigkeit hat, dürfte sie allen praktischen Hausfrauen sehr willkommen sein.
Vermischtes«
Humor in der Schulstube. Ein Schulinspektor im Mecklenburgischen stattete eines Tages der Dorfschule seines Reviers einen Besuch ab und stellte, rote gewöhnlich , einige Fragen an die Schulkinder, um deren Bildungsgrad kennen zu lernen. So fragte er unter Anderem auch einen paus- bäcktgen, strammen Burschen: „Sag' mal, Peter, hast Du einen Begriff, was recht und Unrecht ist? — »Nee. — Der Inspektor machte eine bedenkliche Miene und beeilte sich, dem Knaben die Sache an einem Beispiel klar zu machen. „Sieh mal, Peter," sprach er, „wenn Dein Kamerad Jochen von seiner Mutter einen Apsel erhält und Du nimmst ihm denselben fort, was thust Du da?" „3d fret em up! roar die prompte Entgegnung des ^Burschen.
Vereinfachung. „Mein Neffe zu Hause?" - „Er liegt noch im Bettl" - „Noch — um ein Uhr? . - Sie me nen, er hält W Mittagsschläfchen!?" - „Ja, ja, er verbindet das immer miteinander!" * *
Geschäftssprache. „Nun, sagen Sie 'mal, wie geht'» mit den Geschäften?" — So lange ich liegende Gasmotoren vertrieb, ritt ich mich immer tiefer hinein; seit ich mich aber auf Stacheldraht verlegt habe, komme ich glatt vorwärts!
Deplazierte Redensart. A.„Du willst Komiker werden? Ich glaube, zur Bühne hast Du kein Talent!" — „Na, wenn alle Stricke reißen, werde ich Seiltänzer!--
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Schlagender Beweis. „Aber Sepp/Ihr schlagt Euer Weib; schämt Euch! Warum thut Ihr das?" -- „Sie hat es abgelehnt, Frau im Hause zu sein!" — „Was will sie denn sein?" — „Herr im Hause l Und das leide ich mcht, und aus dem Grunde will ich sie vom Gegentheil überzeugen,
daß ich's bin!"
UnterSchriftstellern. Erster Schriftsteller: „Denke Dir, Freund, bei dem gestrigen Brande stnd mir meine besten Manufcripte mit verbrannt!" — Zweiter Schriftsteller: „Ja, ja, wohlthätig ist des Feuers Macht!"
Redaction; I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr- Pietsch) in Gießen.


