Ausgabe 
28.7.1894
 
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Liebe forsche nicht länger ich würde so gerne Deinen Wunsch erfüllen ich kann, ich darf es nicht! Geliebte," rief er,wir wollen ein neues Leben beginnen, das alte ab­werfen und nicht anders daran denken, als an einen wüsten Traum."

Es sei, wie Du es willst," flüsterte sie und schmiegte sich an ihn.Aber dieses Geheimniß wird Dich immer quälen."

-Nein ich werde es mit der Zeit vergesien mit Hilfe neuer Eindrücke," sprach er langsam, indem er seine Braut scharf ansah.

Willst Du denn fortgehen?"

Ja ich will sür immer fort aus Oesterreich."

Und wohin?"

Wohin immer nur fort nur fort!"

Allein?"

Das sollst Du mir sagen. Ich bin heute in der Absicht gekommen, Dich zu fragen, ob Du Dich entschließen könntest, mich sehr bald zu heirathen und mit mir zu gehen."

Sie gab keine Antwort.

Wird es Dir schwer?" fragte er weiter.Ich weiß, daß es viel verlangt ist. Hier hast Du Deine Heimath, Dein Haus Deinen Vater," fuhr er unsicher fort,aber denke, wie einsam ich wäre ohne Dich Du wirst mich nicht ver­lassen, Du wirst weiter mein Schutzengel sein wie bisher." Seine Stimme brach-

Sie legte ihren Arm um seinen Nacken.Ja," sagte sie einfach.

Er jubelte auf.Ich wußte er ja." Nun begann jenes glückselige Geplauder, das nur Liebesleute kennen jenes süße Vorwärtsschauen in eine Zukunft, die so schön, so rein nur von einem Brautpaare geträumt werden kann.

Endlich sprach Margarethe;Was wohl der Vater dazu sagen wird?"

Eine Wolke flog über Jvanyis Stirn.Ich werde mit ihm darüber sprechen müssen."

Freilich," sagte sie leichthin-Es ist wohl nur eine Formalität aber man muß sie erfüllen."

Wo ist Dein Vater?" Mit diesen Worten erhob er sich.

Hier kommt er gerade," antwortete sie.

Jvanyi war mit Weber einige Zeit nicht zusammengekommen und war verwundert über sein verändertes Aussehen. Früher aufrecht in seiner Haltung, mit starkgefärbtem, frischem Gesicht, ging er jetzt gebeugt und sein Antlitz trug die Spuren durch­wachter Nächte, nur die Augen hatten ihren festen Blick be­halten. Sein düsteres Gesicht erhellte sich, als er seine Tochter erblickte. Er begrüßte Jvanyi mit großer Herzlichkeit.

Mein lieber Freund," rief er,wie freue ich mich, Sie endlich zu sehen. Sind Sie schon lange da?"

Etwa eine halbe Stunde," sagte Jvanyi und ergriff nicht ohne Zögern die Hand, welche der Millionär ihm bot.Ich hätte Ihnen etwas zu sagen."

Ich bitte. Sie bleiben doch zu Tische?"

Ich danke nein"

Sie muffen bleiben, nicht wahr, Margarethe?"

Freilich, Desider, Du kommst nicht so oft, daß ich Dich gleich wieder fortlaffe."

Jvanyi überwand seine Abneigung gegen Herrn Weber und blieb.

Und nun," sagte dieser, indem er Platz nahm,was wollen Sie mir sagen? Ist es geschäftlich?"

Nein ich- habe Alles liquidirt l"

Warum?"

Ich will fort."

Ah und Margarethe?"

Margarethe ist einverstanden, daß unsere Hochzeit dem­nächst stattfindet und ich möchte Sie um Ihre Einwilligung bitten."

Unmöglich!" antwortete der Millionär.

Unmöglich? Warum?" rief Jvanyi erschreckt.Warum verweigern Sie Ihre Einwilligung? Ich habe jetzt ein be­trächtliches Vermögen."

Ach," sagte in wegwerfendem Tone der Millionär. Vermögen! Dessen hab' ich genug für Euch Beide aber ich kann ohne Margarethe nicht leben."

So komm' mit uns," bat die Tochter.

Weber stand auf, nahm den Arm seiner Tochter und sagte:Gehen wir zu Tische."

XXI.

Durch die offenen Fenster des Spetsesaales wogte die frische Seelust herein und vergrößerte das Behagen der Gäste, die sich im Hause Webers eingefunden. Man hatte an der blumengeschmückten Tafel der Millionärs vortrefflich gespeist und befand sich in der rosigsten Laune. Diese wurde erhöht durch die drolligen Witzworte, welche Felix Roller zum Besten gab, der arme Felix Roller, welcher seit seiner Verheirathung fast immer in etwas gedrückter Stimmung herumging, stets in der Furcht, etwas zu thun oder zu sagen, was seiner Frau mißfallen könnte.

Jetzt saß sie ihrem Manne gegenüber aber seinem Anblicke durch eine mächtige Jardiniöre entzogen, die er zur Seite zu rücken keinen Grund fand. Er benützte vielmehr die Gelegenheit, sich ohne Furcht vor einem scharfen Blicke nach seiner Faxon zu unterhalten und übersprudelte von allerlei Schnurren, Witzen und Anekdoten, daß Jvanyi» düstere Stirn sich glättete und heiterer wurde, und Margarethe ihn dankbar ansah. Der einzig Gelangweilte in der Gesellschaft schien Anion Weber zu sein er blickte zerstreut umher und hörte nur halb den Reden des Fräuleins Juliane Federn zu, die den Sturm auf das Herz des Millionärs fortsetzte. Hie und da richtete er ein Wort an einen alten Herrn Namens Galster, der vor vielen Jahren Webers Bekanntschaft gemacht und mit ihm auf demselben Schiffe nach Amerika gereist war.

Zum großen Vergnügen seiner Frau schlug Felix Roller im Laufe der Unterhaltung ein politisches Thema an, mußte aber zu seinem großen Leidwesen erfahren, daß man seinen ernsten Auseinandersetzungen nicht halb so viel Aufmerksamkeit schenkte, wie seinen heiteren Einfällen. Aergerlich wandte er sich deshalb an Anton Weber:Sie haben sich wohl nie mit Politik beschäftigt, nicht wahr?"

Nein," erwiderte der Hausherr aufrichtig.Mir fehlt das Verständniß für die verwickelten Verhältnisse unseres Lan­des, auch habe ich wahrhaftig immer viel zu viel zu thun ge­habt, um mich um solche Dinge kümmern zu können."

Und jetzt, Herr Weber?" fragte Roller, welcher an die werktätige Hilfe des Millionärs dachte, da er sich mit der Absicht trug, bei den nächsten Wahlen als Candidat irgend einer Partei von großer Zukunft aufzutreten.

Hm jetzt werde ich mich noch weniger darum küm­mern ich gehe auf Reisen."

Sie haben doch eigentlich genug von der Welt gesehen," mischte sich Galster mit einer eigenthümlich unangenehmen Stimme in's Gespräch,Amerika und andere Welttheile, ja damals war's freilich ein anderes Vergnügen zu reifen als heute jawohl ein Genuß," seine Augen nahmen etwas Stechendes an,wir waren jung und uns gefiel Alles besonders die Theater mit ihren Opern und Balletten hm" er schnalzte mit der Zunge,da gab's eine Tänzerin eine Tänzerin sag' ich Ihnen na, so eine wie Rosina gibt's nicht mehr."

Jvanyi war bei Nennung dieses Namens zusammengefahren und erbleicht. Wovon sprach man da?

Wer war diese Rosina?" fragte Roller, den Alles in* teressirte, was das Theater anging.

Als wir sie kennen lernten, war sie Tänzerin, dann Soubrette," meinte Galster, mit dem greisen Kopfe nickend- Eine Schönheit jawohl eine große Schönheit- Und wir waren Alle närrisch verliebt in sie in diese Rosine he, nicht wahr, Weber?"

Der Angeredete antwortete nicht, da er sich gerade von den Damen verabschiedete, welche im Begriffe waren, sich in den Salon zu begeben, aber Jvanyi bemerkte, daß er mit einem Mal todtenblaß geworden sei. (Fortsetzung folgt.)