Ausgabe 
28.7.1894
 
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Gemeinnütziges.

Die Zeit der Obstflecken in Tischtüchern und Ser« vielten ist da, jeder Hausfrau, die ihr Leinenzeug liebt, ein Schrecken. Mag es erlaubt fein, einer solchen für Entfernung dieser und der so gefürchteten Rothweinflecken ein ebenso ein­faches'wie unschädliches und nicht allbekanntes Mittel anzugeben. Man läßt das befleckte Tafeltuch auf dem Tisch glatt liegen, um das Verknittern desselben zu vermeiden und schiebt unter den Flecken eine der Größe desselben entsprechende emaillirte oder Porzellanschüffel mit kochendem Wasier, spannt das Tuch straff und möglichst fest trommelfellartig darüber und hält es möglichst nach allen Seiten fest. Sodann gießt eine zweite Persönlichkeit langsam und vorsichtig kochendes Waffer auf die mit Obst oder Rothwein befleckte Stelle, bis die Flecken bis auf den letzten Hauch verfliegen. Darauf vertauscht man die mit Waffer gefüllte Schüssel mit einer reinen leeren und trocknet fo, über diese gespannt, die durchnäßte Stelle des Tischtuches. Kleine Gegenstände, wie Servietten, Schürzen rc. kann man selbstverständlich zum nachherigen Trocknen aufhängen, da das Glätten derselben nicht so lästig und umständlich ist, wie bei großen Tafeltüchern, die meist begossen werden, wenn sie blendend weiß aus dem Leinenschrank aufgelegt worden sind.

Die Versendung der Aprikosen und Pfirsichen verursacht mancherlei Schwierigkeiten, besonders die Ersteren, welche beim Versandt äußerst schnell in Reife bezw. Ueberreife übergehen und man sollte deshalb die Ersteren im Verhältniß noch um einen Tag früher oder, anders ausgedrückt, unreifer für die Verpackung pflücken. Mit dem Füllmaterial (Holz­wolle ist besser als Papierschnitzel) spare man nicht, wenn auch einige Früchts weniger in den Korb resp. in die Kiste gehen. Die Kisten dürfen nicht höher sein, als für 2 Schichten Früchte nöthig ist. Kisten von 12,5 cm. Höhe, 23,5 cm. Breite und 33,5 cm. Länge haben sichzfür 60 Früchte bewährt.

Wo die Früchte der Obstbäume schön farbig und schmackhaft werden sollen, entfernt man einige sie beschattende Blätter; kein Blatt sollte sich an eine Frucht anlegen sie bleibt da stets grün oder farblos.

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Der Sommerschnitt bei deu Beerensträuchern sollte nicht nur im kleinen Hauszarten, sondern auch bei der Großkultur zur Anwendung kommen, um eine bessere Ausbildung der Früchte zu erlangen; denn je vollkommener dieselben sind, desto weniger Rückstände ergeben sie bei den verschiedensten Verwendungsarten, was doch auch einen großen Vortheil in sich schließt.

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Johaunisbeersteckttuge werden aus einjährigem Holze nach Laubabsall geschnitten und im zeitigen Frühjahre gesteckt.

An Weinstöcken nehme man jetzt die unnützen Triebe weg und hefte am Spalier wiederholt die Tragreben; die Zuchtruthen werden, sobald sie zu verholzen beginnen, gekappt (am Gipfel gekürzt); die dann stärker hervorbrechenden Geize pincirt man.

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Zwergbäume fruchtbar zu machen. Das Ver­pflanzen solcher Zwergbäume, welche nicht tragen wollen und alle Jahre! eine Menge Sommerzweige treiben, ist bekanntlich das beste Mittel, dieselben fruchtbar zu machen.

Reinigung von angeräucherten Decken. Man löfe Schmierseife in warmem Waffer auf und rühre mit dieser gelöschten Weißkalk an. Hiermit streiche man die Decke 2 bis 4 Mal. Alsdann gebe man zwei Kalkanstriche, bestehend aus reinem Weißkalk mit Waffer, etwas blau oder schwarz gefärbt.

Soll eine Decke mit Leimfarbe gestrichen werden, so gebe mäst nach dem Anstreichen mit Seifenwaffer und Kalk einen reinen Weißkalk - Anstrich, darnach einen Anstrich mit reinem Seisen- waffer, und dann erst den Leimfarben-Anstrich.

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Milch von Kühen, die an der Maulseuche er­krankt sind, ist für Menschen absolut unbrauchbar; an Thiere darf sie nur tüchtig gekocht verabreicht werden-

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Altenburger Ziegenkäse. Auf 12 Liter Ziegen­milch rechnet man einen halben Speiselöffel voll Lab (Kälber­magen), welcher das Zusammenkäufen der Milch bewirkt. Ist dies so weit geschehen, daß die Molken reichlich überstehen, so schöpft man sie sorgfältig ab und gibt den Käse in die Formen. Am Abend gibt man nicht zu reichlich Salz und Kümmelkörner dazu und läßt die Käse eine Nacht und einen Tag in diesen Salzmolken liegen, worauf man sie auf Haferstroh bringt und dort so lange läßt, bis sie hübsch trocken sind. Dann werden sie mit Haserstroh eingeschichtet und müssen darin bleiben, bis sie blau und gelb werden. Um sie vor Staub und Fliegen zu bewahren, kann man sie während des Trocknens mit reiner Gaze oder Mull bedecken.

Vevnrischtes.

Wie Butterbrod! Dame (welche im Atelier bei der Besichtigung eines Gemäldes dasselbe unvorsichtigerweise von der Staffelei geworfen hat):Himmel, wie ungeschickt ich war I Ich bitte tausendmal um Verzeihung, Herr Professor I" Maler:O, das thut nichts!" Dame:Und daß es zum Unglück gerade auf die beschmierte Seite fallen mußte!"

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Offenes Geständniß* Geistlicher (der einen Zucht­häusler besucht):Warum bist Du hier, lieber Sohn?" Zuchthäusler:Weil die Jefängnißmauern zu verdammt dick sind, um ausbrechen zu können!"

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Das große Problem. A. zu B.:Sehen Sie 'mal, da geht der große Gelehrte Professor Tüfftler; ich möchte wohl wissen, über welches wichtige Problem er jetzt nachdenkt." Professor Tüfftler (für sich):Also was soll ich mit­bringen? Vier Pfund Zucker, drei Pfund Butter, dann soll ich den Schlächter bezahlen und Kohlen bestellen, meine Frau könnte sich das wahrhaftig auch allein besorgen."

Ungalant. . . Und wie alt sind Sie, Zeugin?" -Ich bin - ich bin -" -Ach, sagen Sie es nur rasch sonst werden Sie ja älter!"

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Einfachste Lösung. Prinzipal:Es ist recht fatal, daß Sie mit Ihrem Offert so spät kommen. Nun habe ich bereits einer Dame den Posten versprochen! Was thun?" Buchhalter:Sehr einfach! Ich heirathe die Dame und Sie engagiren mich!"

Zeitgemäß: In einem hochmodsrnen pikanten Theater­stück hat im dritten Act soeben eine Gerichtsverhandlung be­gonnen als ein Herr im Parquet aufsteht und ruft:Ich beantrage Ausschluß der Oeffentlichkeit!" »

Auf der Seeundärbahn. Fremder:Was bedeuten denn die Schinken und Würste da oben?" Einheimischer: Die haben die Bauern 'naufgehängt, damit sie geräuchert werden, wenn die Locomotive unten durchfährt!"

Bei der Schulvisitation. Pedell (leise):Herr Professor, eilen Sie sich inspecterln thut's!"

Redaction; A, Schehds. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Shr. Pietsch) in Gießen,