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Samstag, de« 28. Juli.
Das Geheimmß der Droschke.
Von F. Hume.
(Fortsetzung.)
Dann erhob sich Doctor Philipp Mark.
Lautlose Stille herrschte im Saale, man hörte nur das Athmen der Anwesenden.
Er begann mit einer lichtvollen Beschreibung der That- umstände und fesselte die Aufmerksamkeit der Jury bei jedem einzelnen Punkt derselben — bewies haarscharf, daß die Anklage lediglich auf zufälligem Zusammentreffen eigenthümlicher Umstände beruhe und daß der Nachweis der Identität der Person des Mörders mit derjenigen des Angeklagten gänzlich fehle. Die Aussage des Fiakers, der nach eigenem Geständniß um diese Zeit berauscht war, sei der einzige Beweis, der von bet Anklage geführt werde. Der Mord sei mittelst Chloroform geschehen; folglich müsse der Angeklagte sich dieses Gift irgendwo verschafft haben. Für diese Beschaffung fehle indeß jeder Nachweis. Derselbe Zeuge habe beschworen, daß der Herr, der in der Liechtenstetnstraße seinen Wagen verließ, einen großen Brillantring getragen hatte — dasselbe behauptet unter seinem Eid der zweite Fiakerkutscher von dem Herrn, den er in die Heugasse geführt hatte. Dem gegenüber gibt Felix Roller an, daß Jvanyi niemals einen Ring, — nicht einmal einen Verlobungsring getragen rc rc. — Das Gebäude der Anklage verlor allmählig an Boden, bis es endlich wie weggefegt schien vom Sturm der Beredtsamkeit des Vertheidigers. Der Alibi- Beweis war der letzte Ring in der Kette der Unschuldsbeweise und Doctor Mark schloß mit einer brillanten Apostrophe an die Geschworenen, deren Verdick, so meinte er, nicht anders lauten konnte, als: „Nichtschuldig".
Nachdem der Vertheidtger geendet, ging abermals ein Murmeln der Bewunderung durch den Saal. War es eine Anerkennung der großartigen Rednerleistung oder der Ausdruck der Befriedigung über die Wahrscheinlichkeit eines frei- sprechenden Urtheils?
Die Geschworenen hatten den Saal verlassen. — Erne lange, bange Stunde verrann; es schien Margarethe, daß jede Minute eine Ewigkeit wäre und in namenloser Qual harrte sie des Urtheilsspruches.
„Nichtschuldig!" — schlug es mit einem Male an ihr Ohr. — Sie hatte das Wiedereintreten der Geschworenen nicht bemerkt — und erst dieses langersehnte, langerflehte Wort hatte sie aus ihrer dumpfen Betäubung zu erwecken vermocht. — Ein lautes Beifallsgemurmel — eine anhaltende Beweg
ung! Der Vorsitzende konnte sich bei Begründung des Urtheils kaum vernehmbar machen. Margarethe aber stürmte hinaus — an die Brust des Mannes, an dessen Unschuld ihr Herz nie gezweifelt hatte.
XX.
Mehrere Monate waren verstrichen.
Anton Weber hatte feine Villa in Gmunden bezogen und für Margarethe kamen stille Tage. Sie selbst war ernst und ruhig geworden, das arme Mädchen; ihr heiterer Uebermuth, der sonnig-fröhliche Ausdruck ihres feinen Gesichtchens war verschwunden und man konnte darin einen melancholischen Zug erkennen. Die Aufregungen des Processes, über dessen Ausgang in der Wiener Gesellschaft lebhafte Befriedigung herrschte, hatte tiefen Ernst über ihr Wesen gebreitet — aus dem lebensfrohen Mädchen, das keine Sorge gekannt, dem kein Weh das Herz bedrückt, war — ein Weib geworden. Als ihr Vater sie nach Gmunden brachte, hatte er gehofft, daß die Aenderung in der Lebensweise, die kräftigende Seeluft die bleichen Wangen seines Lieblings bald wieder färben werde. Aber alle Bemühungen schienen umsonst, ihr Aussehen war noch immer ein wenig krankhaft, ihr Auge blickte matt, ihre Bewegungen waren müde. Auch Destder Jvanyi war nicht der Alte geblieben. Sein blondes Haar begann schon hie und da einen weißen Schimmer anzunehmen. Es war, wie wenn sein Gemüth sich verdüstert hätte. Wiewohl er seiner Braut nach Gmunden gefolgt war, besuchte er sie nicht oft — und immer nur dann, wenn er Weber selbst nicht zu Hause wußte. Er verbarg seine Abneigung gegen diesen Mann nicht — zum größten Schmerze Margarethens, die- für ihr neugefundenes Glück fürchtete, die in der Angst lebte, daß sie eines Tages gezwungen werde, einen von diesen Beiden, die sie herzlich liebte und denen sie selbst Alles galt, verlassen zu müssen. k
Desider Jvanyi verbrachte den größten Theil des Tages auf dem See, um durch körperliche Anstrengungen die Eindrücke der letzten qualvollen Wochen zu vergessen. Tiefer denn je liebte er seine Braut. Wie hatte sie sich in den Tagen der Noth als treu und tapfer erwiesen! Was für Opfer hatte sie ihm gebracht! Und wenn er Jemanden seine Rettung ver- danken konnte, so war es sie, welche den Advocaten auf die rWige Fährte Fracht. Seine für einen Bräutigam seltenen Besuche im Hause des Millionärs hatten auch darin seinen Grund, daß Weber eine Menge Bekannter eingeladen hatte und Jvanyi fürchtete, der Mittelpunkt einer Aufmerksamkeit und Neugierde zu sein, die ihn immer peinlich berührte. Unter den Gästen befand sich Felix Roller, dem die Ehe einen guten Theil des Interesses, das er zu erregen gewohnt war, geraubt hatte; seine Frau, eifersüchtig auf die Talente ihres Mannes,


