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„Ich muß Jemand an die Spitze meines Hauser stellen, der dasselbe besser zu leiten versteht als Du."
Vor dem Kamin, mir zu Füßen, wie es schien halb schlafend, lag Fritz hingestreckt; Grethe saß an seinem Kopfende auf einem niedrigen Schemel und spielte abwechselnd ein- mal mit Fritz braunen Locken, dann wieder mit unserem kleinen allerliebsten Spitz, dabei strahlte ihr schelmisches Gesicht in übermüthiger Lust; in der Hand hatte sie ein Stückchen Band — was sie aber damit machte, konnte ich nicht sehen.
Nach einer Weile stand sie auf und kreuzte das Zimmer.
„Bijou! Bijou! B'jou!" rief sie, und das Hündchen kam auf sie zugelaufen.
In demselben Augenblick aber schrie Fritz laut auf, und das kleine Thier fing zu winseln an.
„Bijou! Bijou! Bijou!"
Wieder bewegte der Hund sich der Rufenden zu; gleichzeitig sprang Fritz, nicht mit den zartesten Ausrufen auf den Lippen, in die Höhe, und da sah ich, daß seine Locken mit ein paar Metern weißem Band sorgfältig an Bijous Bein festgebunden waren. Es währte mehrere Secunden, bevor er mit seinen kurzen, dicken Fingern das Taschenmeffer aus der Tasche langte und das Band durchschneiden konnte; dann ging eine wilde Jagd durch das Zimmer, wobei er, das lange Band hinter sich herziehend, mit erhitztem Gesicht, sich vergebens bemühte, so geschickt wie Grethe um die im Wege stehenden Tische und Stühle zu gelangen. Plötzlich ein hastiger Sprung vorwärts — ein lauter Krach — und Fritze sammt einem kleinen Tischchen, Federhaltern, Tintenfaß und Büchern lagen in einem Quodlibet am Boden.
„Liebster Herr Wendig," äffte Grethe in Fräulein Ziegenhals' süßlichem Tone nach, „der arme Fritz ist so täppisch und ungeschickt, er bedarf durchaus des weiblichen Einflufles, der ihm etwas feinen Takt und Anstand beibringt."
„Zum Teufel!" lautete Fritz's wenig höfliche Antwort, „da steh, was der weibliche Einfluß fertig gebracht hat."
„Die ganze Tinte ist wohl vergossen?" fragte ich besorgt, nachdem ich mich überzeugt hatte, daß nichts zerbrochen war-
„Da müßte erst welche drin gewesen sein!" versetzte Fritz mit gutmüthigem Spott, indem er die Flasche umkehrte; „hier Grethe," fuhr er, diese bei den Haaren fastend, fort, „gieße einmal Tinte hinein, und sage Marie, sie soll die Lampe bringen."
Nachdem die Ordnung wieder hergestellt war, die Lampe auf dem Tische stand, brach Fritz nach längerem Schweigen die Stille.
„Mädchen," hob er an, ich habe überlegt —"
„Du und überlegen?" fiel Grethe ihm ins Wort, „das mach' einer Anderen weiß, als mir!"
„Höre doch endlich mit Deinem Unfinn auf," rief Fritz, „wir bekommen sonst wahrhaftig noch Fräulein- Sauer-Süß zur Stiefmutter, wenn wir nicht vorsichtig sind."
„Und, wenn wir vorsichtig sind, auch, fürchte ich," bemerkte ich.
„Nein," sagte Fritz entschieden, „es bewirbt sich noch eine Zweite um diese zweifelhafte Ehre."
„Wer?" fragte Grethe begierig, worauf Fritz eine sehr gewichtige schlaue Miene machte.
„Ich wüßte nur Eine, von der ich es ertragen könnte, sie hier im Hause als Herrin zu sehen," sprach ich, „und das ist Frau Hiller, die unten im Häuschen am Weidenteich wohnt."
„Dieselbe, die ich im Sinne habe!" rief Fritz.
„Wie meinst Du das?" fragte ich erstaunt.
„O, ich weiß, daß diese kleine, dicke, rundliche Frau wie ein Schulmädchen erröthet, wenn Herr Martin Wendig das unbedeutendste Wort an sie richtet."
„Die kleine, hübsche Wittwe?" meinte Grethe, „die könnte ich auch „Mutter" nennen."
„Das Vergnügen sollst Du haben," erwiderte Fritz, muthwillig mit den Augen blinzelnd, „ich werde ihr einen Antrag machen."
„Du?"
„Ja, ich — natürlich in unseres Vaters Namen — und Ihr könnt Euch darauf verlassen, sie weist mich nicht zurück."
„Und unser pater familias ?"
„Das werden wir ja sehen. Nimmt er sie nicht," so ist er viel zu sehr der feine Mann, als daß er sich gleich mit einer Anderen verlobte."
Ich hörte mit stummer Verwunderung zu. War es auch eine tolle Idee, so lag doch Methode darin — und das Beste dabei war Seraphine Ziegenhals' Enttäuschung.
„Kinder," rief Fritz, „setzen wir uns hier an den Tffch und entwerfe ein Jeder einen Liebesbrief."
(Schluß folßt)
GeineinirÄtzig-s.
Tintenflecken aus der Wäsche und den Dielen zn entfernen. Ein bis zwei Tropfen Scheidewasser auf einmal auf den mit bloßem Wasser eingetränkten Tintenfleck getröpfelt, lösen solchen, ohne der Wäsche den mindesten Schaden zu verursachen, völlig auf. — Will man aus den Dielen Tintenflecken bringen, so nehme man verdünnte Schwefelsäure, betupfe den Fleck mit einem Pinsel und wasche dann denselben noch einige Male mit warmem Wasser ab.
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Behandlung von Mefstnggegenständen. Die Verwendung einer Säure zum Reinigen von Messingobjecten, schreibt „Genie Civil“, ist verfehlt, denn in kurzer Zeit werden dieselben wieder glanzlos. Das beste Mittel zur Hervorrufung und Erhaltung des Glanzes ist Olivenöl mit sehr feinem Trippel und sodann das Abwaschen mit Seifen- wasser- Um dem Messing ein becoratives Ansehen zu geben, muß man den Gegenstand in Pottasche kochen lassen, in frischem Wasser abspülen, sodann in Salpetersäure tauchen, neuerdings abwaschen, in warmen Sägespähnen trocknen lassen, und endlich das noch warme Metall mit einer Firniß-Schicht überziehen. _____________
Vermischtes.
Auch eine Erklärung. „Mama", sagte der Sohn eines Zeitungsschreibers, „ich weiß, warum die Redacteure immer wir schreiben." — „Warum denn?" — „Damit die Leute, denen ein Artikel nicht gefällt, denken sollen, es sind so Viele, daß sie sie nicht verhauen können."
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Verschärfte- Verwünschung. Aaron zu Löb: „Galopptanzen sollst De müssen hundert Jahr' barfuß auf Glasscherben mit Deiner Schwiegermutter!"
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Berechnend. Der Besitzer eines kleinen Gutes macht mit seiner Tochter und seinem künftigen Schwiegersöhne eine Spazierfahrt, um letzterem das Gut zu zeigen. Der Kutscher fährt ziemlich rasch. „Johann" flüsterte ihm der Besitzer ins Ohr, „fahr' nicht so schnell — sonst sieht das Gut gar so klein aus."
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Der kleine Geschäftsmann. „Karl, Du bist doch ein schrecklich ungezogener Junge! Gestern hast Du die schönste Taffe zerbrochen und heute wirfst Du wieder den neuen Becher entzwei." — „Aber, Mama, wenn ich en gros kaput schmeiße, hast Du es doch billiger." ♦ *
Anzüglich. „Gratulire! Reiche Braut — he?" — „Das nicht — aber Verstand hat sie für Zwei!" — »Dann gratulire ganz besonders!"
Redaction: 31. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ghr. Pietsch) in Gießen.


